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Staatsanleihemärkte derzeit von Risikoappetit geprägt


04.02.13 15:13
ING Investment Management

Den Haag (www.anleihencheck.de) - Risikoappetit prägt derzeit die Staatsanleihemärkte, so die Experten von ING Investment Management.

Die Renditen auf Schuldtitel von der EWU-Peripherie würden fallen, während deutsche und amerikanische Staatsanleihen wieder höher rentieren würden. Die erneute Risikoneigung sei vor allem auf die günstigeren Konjunkturdaten sowie die freundlichere Stimmung am Markt zurückzuführen. In der Eurozone habe der Anstieg des Flash Composite PMI (von 47,2 im Dezember auf 48,2 im Januar) die Konsenserwartungen übertroffen und Anlass zur Hoffnung gegeben, die EWU-Wirtschaft werde in H1 2013 die Rezession hinter sich lassen. Was bedeute der höhere Risikoappetit also für die Kreditmärkte? Werde der Boom anhalten?

Die geringere Volatilität sowie das rückläufige systemische Risiko würden weiter den Zustrom in die Assetklasse begünstigen. Mit besseren Konjunkturindikatoren würden Anleger eher geneigt sein, Risiken ins Portfolio zu nehmen, denn Sicherheit in Form von Bundesanleihen oder US-Treasuries sei jetzt kostspielig. Dank gesunder Bilanzen und hoher Cashflows dürften die Ausfallraten von Unternehmen niedrig bleiben.

Nach Schätzungen der Citigroup werde das Bruttoemissionsvolumen in Euro von Unternehmen außerhalb des Finanzsektors 2013 um ca. 10% sinken. Das Nettoemissionsvolumen solle aber positiv bleiben. Doch Renditen wie in 2012 seien nahezu ausgeschlossen. Neben rein rechnerischen könnten auch die folgenden Faktoren eine weitere Straffung der Anleiherenditen begrenzen: Verstärkter Unternehmensaktivismus zugunsten der Aktionäre, Anreize für intensivierte M&A-Aktivitäten, die Tatsache, dass Aktionäre Unternehmen zur Nutzung von Liquidität drängen würden und dass Aktien immer attraktiver würden.

Angesichts sehr bescheidener Gewinnaussichten für 2013 könnten Unternehmensführungen zunehmend auf Bilanzverschuldung setzen, um die Kapitalrendite zu erhöhen. Im Extremfall könnte dies in Form eines schuldenfinanzierten Aktienrückkaufs geschehen. Doch trotz wirtschaftlicher und finanzieller Argumente werde diese Art der Neuverschuldung vorerst nicht in großem Maßstab stattfinden, da die Dividendenrenditen oftmals die Renditen auf Unternehmensanleihen übertreffen würden.

Die Unternehmen würden derzeit auf Liquiditätsbergen sitzen, wobei die Eigenkapitalrendite unter den Kapitalkosten liege, was ideale Voraussetzungen für eine Belebung der M&A-Tätigkeit seien. Bereits im vierten Quartal seien die Fusionen und Übernahmen in den USA auf den höchsten Stand seit Q4 2007 gestiegen. Bisher hätten weniger als 5% der Deals Fremdfinanzierung erfordert, insofern gebe diese Entwicklung - noch - keinen Anlass zur Sorge.

Unter Aktionären werde vermehrt die Forderung laut, dass Unternehmen ihre Barmittel entweder zur Ausschüttung von Dividenden oder zur Investition ins Geschäft nutzen sollten. Tatsächlich nehme der Investitionsbedarf zu, da die Unternehmen seit Ausbruch der globalen Finanzkrise eher unterinvestiert hätten. Eine weitere Erholung der Stimmung bei Verbrauchern und Unternehmen könnte einen massiven Nachholbedarf freisetzen. In großem Maßstab wäre das ungünstig für Anleihen, da die Cash-Puffer aufgebraucht würden und die Verschuldung steige.

Aktien würden als alternative Renditequelle zunehmend attraktiver. Möglicherweise würden sich auch Bondanleger stärker an Aktien orientieren. Die Experten würden indes keine wesentlichen Portfolioumschichtungen erwarten, da die aufsichtsrechtlichen Anforderungen (Basel III, Solvency II) festverzinsliche Investments begünstigen würden.

Letztlich hänge die Wertentwicklung bei Hochzinsanleihen von zwei gegensätzlichen Faktoren ab: positive technische Marktdaten vs. marginale Schwächung der Fundamentaldaten. Insgesamt dürfte sich dies in den kommenden Monaten jedoch positiv auf höher rentierliche Kreditprodukte auswirken.

Angesichts der aktuellen Spreaddifferenzen würden die Experten Hochverzinsliche vorziehen. Hier sei eine erneute Belebung des institutionellen Engagements (in den USA) und der Überschussrenditen zu beobachten gewesen - im Vergleich zu anderen Spreadprodukten auf risikobereinigter Basis. Dennoch biete diese Anlageform Zinsaufschläge, die die Dividendenrenditen bei Aktien übertreffen würden. Dabei würden die Experten auch das Risiko einer möglichen Marktüberhitzung im Auge behalten.

Bei ihrer TAA-Positionierung hätten die Experten derzeit ebenfalls eine Präferenz für Senior Bank Loans und Staatsanleihen von der EWU-Peripherie. Bei Festverzinslichen seien sie recht optimistisch, was die mittel- bis langfristige Entwicklung von Spreadprodukten angehe. Sie dürften auch weiterhin Staatsanleihen aus den USA und Deutschland übertreffen. Darauf würden jedenfalls die Rahmendaten hindeuten, das anhaltende Interesse an guten Renditen in einem Niedrigzinsumfeld und die relative Bewertung.

Für die positive Einschätzung von EMD würden strukturelle Gründe sprechen. Die Experten würden davon ausgehen, dass internationale Investoren diese Kategorie angesichts der Rahmendaten zunehmend höher gewichten würden. (04.02.2013/alc/a/a)