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Sind EU-Sanktionen gegen Italien Grund für Panik am Anleihemarkt?


06.06.19 10:00
OFI Asset Management

Paris (www.anleihencheck.de) - Jean-Marie Mercadal, CIO beim französischen Asset Manager OFI, äußert sich zu den möglichen Sanktionen der EU-Kommission gegen Italien, deren Auswirkungen auf den italienischen Anleihenmarkt, die italienische Wirtschaft und einen möglichen Dominoeffekt in der Europäischen Union.

Falls die EU-Kommission gegen Italien Sanktionen verhängt, würden die Experten von OFI Asset Management die Auswirkungen auf die italienische Wirtschaft für eher gering halten, da der Strafbetrag wohl nur 0,2 Prozent des italienischen Bruttoinlandsprodukts ausmachen dürfte. Allerdings würden diese Sanktionen das Haushaltsdefizit weiter ansteigen lassen - also genau zum Gegenteil dessen führen, was eigentlich bewirkt werden solle. Außerdem wäre eine solche Maßnahme kein gutes Signal für das Vertrauen von Unternehmen in einer ohnehin schon schwachen Wirtschaft.

Die Sanktionen würden natürlich dem italienischen Anleihemarkt zusetzen - aber nicht sehr viel. Die Risikoaufschläge gegenüber deutschen Bundesanleihen seien bereits gestiegen, allerdings weniger stark als in vergangenen Phasen mit angespannten Marksituationen. Der Grund: Niemand spreche darüber, dass Italien den Euro verlassen werde. Es werde keinen Italexit geben. Und: Viele internationale Anleger hätten bereits den italienischen Anleihemarkt verlassen, sodass es im Moment weniger potenzielle Verkäufer italienischer Anleihen gebe.

Die Experten von OFI Asset Management würden nur geringe Auswirkungen auf die Anleihemärkte anderer EU-Staaten erwarten. Die meisten hätten Anstrengungen unternommen, um ihre Haushaltsdefizite und die Staatsverschuldung in Grenzen zu halten. Nur mit Frankreich könnte es eventuell ein Problem geben, weil das Haushaltsdefizit über den drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts liege, die vom Maastricht Vertrag vorgegeben seien. Allerdings scheine das Risiko auch bei Frankreich letztendlich gering zu sein, da das Land systemrelevant für den Euro sei.

Unsere Empfehlung an Anleger lautet, nicht in Panik zu verfallen, so die Experten von OFI Asset Management. Der Euro sei ein politisches Konstrukt, auch wenn es aus wirtschaftlicher Sicht kein logisches sei. Der Euro werde in jedem Fall gerettet, und er werde überleben. Daher seien die Experten von OFI Asset Management der Meinung, dass kein großes Risiko darin bestehe, in italienische Anleihen zu investieren - ganz besonders nicht in volatilen Zeiten. (Ausgabe vom 05.06.2019) (06.06.2019/alc/a/a)