Serbien: Leitzinssenkungszyklus gestartet


10.07.24 12:55
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Wirtschaft Serbiens ist besser als die vier großen osteuropäischen EU-Länder durch die Energiekrise nach dem Angriffskrieg Russlands in der Ukraine gekommen, so die Analysten der DekaBank.

Auch am aktuellen Rand zeige sich die Konjunktur stark: Im ersten Quartal habe das reale BIP eine Wachstumsrate von 4,7% yoy verzeichnet, dabei hätten sich die Baubranche, der Handel und die Dienstleistungen besonders stark entwickelt. Der Disinflationsprozess in Serbien sei bereits so weit fortgeschritten, dass die Inflation im Mai mit 4,5% yoy den Zielbereich der Zentralbank (3% +/- 1,5Pp) erreicht habe. Die Entwicklung der Kernrate der Verbraucherpreise sei weniger erfreulich: Dort sei die Rate auf 5,0% yoy angestiegen und die Dynamik im Vormonatsvergleich deute darauf hin, dass sie auch in den kommenden Monaten erhöht bleibe.

Die Zentralbank Serbiens habe sich im Juni dennoch dafür entschieden, den Leitzinssenkungszyklus einzuleiten. Der Leitzins sei um 25 Bp auf 6,25% gesenkt worden, nachdem er fast ein Jahr lang bei 6,5% verharrt habe. Der Aufwertungsdruck auf den Dinar nach der Leitzinssenkung der EZB dürfte der wesentliche Beweggrund für den Schritt gewesen sein. Die Analysten würden erwarten, dass sich die Serbische Zentralbank auch während der weiteren Lockerung eng an der EZB orientiere, um die Zinsdifferenz konstant zu halten, und entsprechend 2024 noch zwei weitere Schritte um 25 Bp im Quartalsmodus vornehme.

Als kleine offene Volkswirtschaft sei Serbien anfällig gegenüber heimischen und externen Schocks. Der mittelfristige Wachstumsausblick sei allerdings positiv. Die Investitionstätigkeit dürfte dank der Arbeiten im Vorfeld der Expo 2027 in Belgrad stark bleiben. Durch ausländische Direktinvestitionen finanzierte Projekte würden die Exporte ankurbeln, ebenso wie die Erholung der EU-Nachfrage, obwohl dies durch die Importintensität von Bau- und Infrastrukturprojekten ausgeglichen werde. Zusätzlich würden auch das Freihandelsabkommen mit China und der neue Wachstumsplan der EU für den Westbalkan die Konjunkturdynamik ankurbeln.

Die externen Ratingagenturen würden die Bonität Serbiens eine Stufe unterhalb des Investment-Grade-Bereichs sehen. Der Ratingtrend sei seit etwa zehn Jahren insgesamt positiv, doch den Sprung ins Investment-Grade schaffe das Land vorerst nicht. Trotz der Fortschritte der vergangenen Jahre habe Serbien nach wie vor mit vielen strukturellen Schwächen wie dem großen ineffizienten öffentlichen Sektor sowie dem großen informellen Sektor zu kämpfen.

Das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der EU erleichtere Serbien den Zugang zum EU-Markt. Die EU-Beitrittsverhandlungen seien zusammen mit dem Policy Coordination Mechanism des IWF ein wichtiger institutioneller Anker. Doch mit schnellen Fortschritten sei hier kaum zu rechnen, auch wegen der angespannten Beziehungen zum Kosovo, wo sich die Situation immer wieder zuspitze.

Auch die Korruption und allgemein die Rechtsstaatlichkeit angesichts der Vormachtstellung der "Fortschrittspartei" (SNS) um den Präsidenten Vucic würden Hürden für die Beitrittsverhandlungen stellen. Die makroökonomische Entwicklung könne sich im Unterschied zu der institutionellen allerdings sehen lassen. Die Fiskalpolitik sei konservativ, sodass die Staatsverschuldung in Relation zum BIP in den vergangenen Jahren zurückgegangen sei. Das Leistungsbilanzdefizit könne durch Direktinvestitionen kompensiert werden und stelle somit kein Problem für die makroökonomische Stabilität dar. Lediglich der hohe Teil der Fremdwährungsverschuldung sowie der hohe Grad der Euroisierung des Bankensystems würden nach wie vor Risikofaktoren darstellen. (Ausgabe vom 05.07.2024) (10.07.2024/alc/a/a)





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