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Schwellenländeranleihen: Was bewegt die Anleger aktuell?


09.08.22 11:09
BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Polina Kurdyavko, Head of Emerging Markets bei BlueBay Asset Management, erläutert, warum das aktuelle Marktumfeld positiv für Long/Short-Strategien aussieht.

Mittelfristig würden sich zudem Chancen auf der Beta-Seite abzeichnen.

Der Markt für Schwellenländeranleihen könnte in den kommenden sechs bis neun Monaten Chancen für Hedge-Fonds-Strategien bieten, die von der Volatilität profitieren könnten. Es gibt mehrere Segmente innerhalb der Anlageklasse, die sowohl aus Beta- als auch aus Long/Short-Perspektive interessant scheinen, so die Experten von BlueBay Asset Management.

Was das Beta betreffe, so würden sich die Renditen der Anlageklasse auf einem 13-Jahres-Hoch befinden. Auch wenn es kurzfristig zu weiteren Abwärtsbewegungen kommen könnte: Mittelfristig würden ausgewählte Marktsegmente nach Meinung der Experten Potenzial bieten.

In der Vergangenheit hätten sich robuste Renditen erzielen lassen, indem Ausverkäufe bei Schwellenländeranleihen genutzt worden seien. Die Experten würden davon ausgehen, dass dies auch jetzt so sein werde.

Nach Erachten der Experten seien dafür drei Faktoren maßgeblich:

US-Zinsen: Die Inflation in den Vereinigten Staaten bleibe hartnäckig. Die Marktteilnehmer würden aber beginnen, am langen Ende der Zinskurve eine höhere Rezessionswahrscheinlichkeit einzupreisen. Dadurch sei sie stärker verankert. High-Carry-Anlagen wie Schwellenländeranleihen könnten davon profitieren, da sie eher von der Stabilität der Zinskurve abhängig seien.

Russland/Ukraine-Krieg: Die Investoren würden auf eine Lösung für den Krieg und seine Auswirkungen auf Energie- und Agrarrohstoffe warten. Solange die Unsicherheit anhalte, dürften sich einige Schwellenländeranlagen nur schwerlich stabilisieren können. Das könnte zu Herausforderungen auf der Beta-Seite führen. Es schaffe aber auch ein Umfeld, in dem es vorteilhaft sein könne, flexibel Long- und Short-Positionen einzugehen.

Politische Unsicherheiten: Eine Reihe von Schwellenländern würden politische Veränderungen durchlaufen. Deren Resultate würden den Umfang ihres Engagements beim Internationalen Währungsfonds bestimmen. Das gelte beispielsweise für Sri Lanka, Tunesien, Pakistan und in gewissem Maße auch für Argentinien. Daraus könnten sich positive Impulse ergeben.

Dennoch werde Flexibilität aus Sicht der Experten von ganz zentraler Bedeutung sein, um positive Renditen zu erzielen.

Für Long/Short-Strategien würden sich aufgrund des hohen Differenzierungsgrades zahlreiche Gelegenheiten bieten. In China beispielsweise habe die Corona-Politik einige Sektoren erheblich belastet, während andere sich relativ robust gezeigt hätten. Auch auf den lokalen Zinsmärkten würden die Experten mit mehr Opportunitäten rechnen, da die Inflation in einigen Ländern auf ihren Höhepunkt zusteuere.

Umgekehrt könnte die ineffektive Geldpolitik in Ländern wie der Türkei die Inflation weiter verschärfen und die Währung und damit auch den Bankensektor stärker unter Druck setzen.

Mit Blick auf notleidende Kredite seien die Experten zwar nach wie vor von ausgewählten Staatsanleihen sowie bestimmten Unternehmenstiteln überzeugt, würden aber vorsichtig die Entwicklungen in einigen anderen Bereichen beobachten, in denen sie Gegenwind von politischer Seite erwarten würden - zum Beispiel bei bestimmten Unternehmen in China und der Türkei.

Schwellenländeranleihen hätten jüngst noch nie dagewesene Kapitalabflüsse erlebt. Es gebe aber Anzeichen dafür, dass sich institutionelle Investoren wieder verstärkt engagieren wollten - auch wenn es noch einige Zeit dauern werde, bis sich das vollständig manifestiere.

Ein Großteil des Interesses der Anleger konzentriere sich auf Hartwährungsanlagen und flexible Total-Return-Strategien, bei denen sie sich nicht auf eine einzelne Anlageklasse festlegen müssten. Vor dem Hintergrund ihrer mangelnden Überzeugung hinsichtlich des Betas der einzelnen Anlageklassen würden die Experten dies auch für sinnvoll halten.

Die Experten würden aber auch Impulse für Low-Turnover-, Index-Plus- sowie Buy-and-Hold-Strategien beobachten. Diese würden insbesondere von deutschen und niederländischen Versicherern sowie von japanischen Anlegern kommen, die von den Renditen in den Schwellenländern profitieren wollten.

Das Interesse an Long/Short-Strategien habe in den vergangenen sechs Monaten zugenommen, da einige Anleger eine Allokation in Hedge-Fonds in Erwägung ziehen und mehr Flexibilität sowie unkorrelierte Anlagen in ihren Portfolios wünschen würden. (09.08.2022/alc/a/a)