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Schwellenländer-Anleihen: Weit gekommen, weiter Potenzial


13.06.23 10:07
Degroof Petercam

Brüssel (www.anleihencheck.de) - In den vergangenen zehn Jahren sind Schwellenländer als Anlageklasse erheblich vorangekommen. Michaël Vander Elst und Hugo Verdière, Co-Manager der Emerging-Market-Debt-Strategie bei DPAM (Degroof Petercam Asset Management), beurteilen die wichtigsten Veränderungen - und wie Anleger jetzt davon profitieren.

Die Rentenmärkte der Schwellenländer hätten sich - vom vergangenen Jahr abgesehen - rasant vergrößert. Insbesondere bei Lokalwährungsanleihen sei ein starkes Wachstum zu beobachten, unterstützt durch die Professionalität der nationalen Schuldenverwaltungsstellen und Wertpapiermärkte.

Auch die Institutionen in den Schwellenländern seien erheblich besser geworden und würden für ein stabileres und zuverlässigeres Investitionsumfeld sorgen. Daten seien heute zuverlässiger verfügbar, Richtlinien seien entwickelt worden und die Zusammenarbeit mit Investoren funktioniere besser.

Die Anlageklasse sei viel stabiler als in früheren Zeiträumen, in denen die Geldpolitik aggressiv gestrafft worden sei. Es gebe keine systematischen Bedrohungen, die ganze Regionen in den Abgrund reißen könnten, wie in Lateinamerika in den 1980er oder in Asien in den 1990er Jahren.

Schwellenländer-Anleihen würden Diversifikationsmöglichkeiten, Rendite und Ertragspotenzial vereinen. Durch ihre Beimischung im Portfolio würden Anleger Zugang zu einem Anlageuniversum erhalten, das wenig mit den entwickelten Märkten korreliere. Und derzeit sei diese Assetklassen besonders attraktiv: Die Zentralbanken der Schwellenländer würden ihre Geldpolitik früher als die der Industrieländer lockern, hätten diesen Weg teilweise schon begonnen.

Zudem seien die Bewertungen derzeit günstig. Die Abschläge und Spreads im Vergleich zu Vermögenswerten in den Industrieländern seien hoch, und viele Schwellenländer böten zweistellige Renditen. Das Engagement ausländischer Anleger in diesen Märkten sei auf einem Tiefstand und biete daher viel Potenzial für Wachstum. Bedenken, die vor allem mit der globalen Anlegerstimmung zusammenhängen würden, scheinen an Bedeutung verloren zu haben; die Schocks von 2022 seien überwunden worden.

Wer die Vorteile von Schwellenländeranleihen voll ausschöpfen wolle, sollte einen aktiven Ansatz wählen. Damit würden sich der Handlungsspielraum erweitern und interessante und profitable Anlagechancen individuell prüfen lassen. In den Benchmarkindices seien dagegen viele Frontier-Märkte nicht enthalten. Gerade in diesen Märkten könne aktives Management dabei helfen, länderspezifische Risiken zu analysieren und zu antizipieren.

Zudem würden Frontier-Märkte von Analysten oft vernachlässigt oder übersehen, was zu einem Mangel an leicht zugänglichen Informationen führe. Dadurch könnten zwei Länder mit derselben Bonität in der Realität sehr unterschiedliche Risikoprofile aufweisen. Um diese Nuancen zu verstehen, sei fundierte Forschung und manchmal auch Reisen in diese Länder erforderlich, um aus erster Hand Erfahrungen zu sammeln. Die Nutzung dieser Informationsprämie biete Anlegern die Möglichkeit, den Wert ihres Schwellenländeranleihen-Portfolios weiter zu steigern. (13.06.2023/alc/a/a)