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Schweizerische Nationalbank als Geisel der europäischen Geldpolitik


15.09.15 09:51
Bank J. Safra Sarasin AG

Basel (www.anleihencheck.de) - Diesen Donnerstag lädt das Direktorium der Schweizerischen Nationalbank (SNB) wieder zur vierteljährlichen Lagebeurteilung, so Alessandro Bee, Analyst der Bank J. Safra Sarasin AG.

Sie werde diese Sitzung entspannter in Angriff nehmen als noch im Juni oder im März dieses Jahres. Die von vielen Ökonomen prognostizierte Rezession sei im zweiten Quartal ausgeblieben, die Vorlaufindikatoren für die Schweizer Wirtschaft hätten sich jüngst markant verbessert und der Franken habe am letzten Freitag erstmals seit der Aufhebung der Untergrenze wieder die 1,10 Marke zum Euro übersprungen. Es würde daher sehr erstaunen, wenn vor diesem Hintergrund die SNB diesen Donnerstag neue Maßnahmen treffen oder in Aussicht stellen würde. Die Nationalbank werde den Leitzins aller Wahrscheinlichkeit nach weiterhin bei -0,75% belassen.

Trotz der leichten Entspannung am Währungsmarkt bleibe der Kampf gegen die Überbewertung des Schweizer Frankens von überragender Bedeutung für die Schweizer Geldpolitik. Der Wert des Frankens wiederum werde dadurch bestimmt, wie sich die Geldpolitik der SNB relativ zur Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) entwickle. Das bedeute nichts anderes, als dass auch in den nächsten Quartalen die SNB eine Geisel der europäischen Geldpolitik bleibe. Die Maßnahmen der EZB würden in entscheidendem Masse darüber bestimmen, wie sich der Franken entwickle und damit auch wie die SNB ihre Geldpolitik gestalten könne.

Ziel der Nationalbank sei es, einen Abstand zu den EZB-Zinsen zu wahren, um damit die Attraktivität des Frankens zu mindern. Erst wenn sich der Schweizer Franken deutlich abschwäche, dürfte die SNB gewillt sein, ihren Leitzins wieder zurück in den positiven Bereich zu bringen. Das werde aber nicht so schnell der Fall sein. Die Analysten würden erwarten, dass die EZB ihre Geldpolitik nur allmählich normalisieren werde. Ende 2016 werde sie ihr jetziges Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen (QE-Programm) auslaufen lassen, 2017 die Zinsen der Einlagefazilität von -0,2% auf 0% anheben und frühestens zu Beginn des Jahres 2018 würden die ersten Anhebungen der Leitzinsen erfolgen.

Damit sei auch die Geldpolitik der SNB in den nächsten Jahren zu großen Teilen vorgezeichnet. Eine erste Zinsanhebung von -0,75% auf -0,5% werde erst erfolgen, wenn die EZB ihr QE-Programm beende und sich der Franken bis dahin weiter abgeschwächt habe. Diese Bedingungen sollten am Ende des nächsten Jahres erfüllt sein. Im Jahr 2017 erwarten die Analysten der Bank J. Safra Sarasin AG, dass die SNB zwar die Zinsen graduell erhöht, diese aber immer noch im negativen Bereich behält, um die Zinsdifferenz zur EZB aufrecht zu erhalten. Erst im Verlaufe des Jahres 2018 dürfte die SNB ihre Negativzinspolitik endgültig beenden. Trotz verbesserter Ausgangslage würden die Wirtschaft und die Investoren in der Schweiz noch für eine längere Zeit mit negativen Zinsen leben müssen. (15.09.2015/alc/a/a)