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Schweiz: Dritte Zinssenkung im September
02.09.24 11:48
Nord LB
Hannover (www.anleihencheck.de) - Die Schweizer Wirtschaft überraschte im zweiten Quartal 2024 mit einem robusten Wachstum, so die Analysten der Nord LB.
Nach vorläufigen Angaben des SECO habe das Wachstum des Sportevent-bereinigten BIP im Berichtsquartal 0,5% Q/Q bzw. 1,4% Y/Y betragen. Zum Wachstum habe der Dienstleistungssektor beigetragen. Weitere Einzelheiten habe es noch nicht gegeben. Ob die Schweizer Konjunktur dieses Tempo halten könne, sei indes nicht sicher. Das zum Monatsende veröffentlichte KOF-Konjunkturbarometer sei zwar wieder angestiegen und halte sich nun seit Januar über der Marke von 100 Punkten. Allerdings seien die zuvor für den Berichtsmonat Juli befragten Einkaufsmanager erneut wenig zufrieden gewesen. Der PMI für die Industrie habe sich mit 43,5 Punkten kaum vom Fleck bewegt, der Index für Dienstleistungen sei von 52,0 auf 44,7 Punkte abgesackt und habe seinen erratischen, aber negativen Trend fortgesetzt, der im Dezember 2023 begonnen habe.
Der Dienstleistungssektor mache mehr als zwei Drittel der Gesamtleistung aus. Die Konjunktur in diesem Bereich sei zunehmend auf Impulse aus der Industrie angewiesen, dazu sei das außenwirtschaftliche Umfeld zurzeit aber offenbar zu schwach. Allein die Konsumstimmung habe im Juli zum dritten Mal in Folge angezogen, jedoch würden die Konsumenten ihr Geld weiter zusammenhalten. Dies gelte jedenfalls für die Einzelhandelsumsätze, die saisonbereinigt im Juni um 0,1% M/M gefallen seien und arbeitstäglich bereinigt um nun 2,2% unter dem Vorjahresniveau lägen. Mithin dürfte eine größere Dynamik weiter auf sich warten lassen. Für die kommenden Quartale würden die Analysten eine marginale Abschwächung des Wachstums erwarten.
Die Inflationsrate habe im Juni und Juli bei 1,3% Y/Y gelegen. Das sei etwas mehr als erwartet, aber absolut im Zielbereich der SNB gewesen. Die Kernrate habe bei 1,1% Y/Y (-0,3% M/M) verharrt, die Preise für importierte Güter sogar um 1,0% M/M. Die jüngste Episode der Inflation sei damit Geschichte. Hilfreich sei der Schweizer Franken gewesen, der nach wie vor als Safe Haven gefragt sei. Das sei gerade Anfang August wieder zu sehen gewesen, als die Turbulenzen an den Finanzmärkten den Kurs zum Euro fast auf 0,92 CHF getrieben hätten.
Die SNB dürfte eine zu starke Aufwertung inzwischen mit Sorge betrachten, insofern sie die Binnenwirtschaft zu stark bremse. Um dem Aufwertungsdruck den Wind aus den Segeln zu nehmen, werde sie deshalb im September ihrer großen Schwester EZB folgen und ihren Leitzins ebenfalls um 25 BP senken. Am Kapitalmarkt seien die Renditen in den letzte zwölf Wochen schon deutlich gesunken. Seit Anfang Juni habe sich die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen auf 0,45% fast halbiert. Randnotiz: In der Schweiz werde es eine Abstimmung über die Erhöhung der Mehrwertsteuer geben. Damit solle eine Anhebung Rentenniveaus im Jahr 2026 finanziert werden. Aktuell liege der Mehrwertsteuersatz im Regelfall (Normalsatz) bei nur 8,1%. Mögliche Auswirkungen auf die Inflationsentwicklung wären vermutlich begrenzt, müssten aber im Auge behalten werden. (Ausgabe vom 30.08.2024) (02.09.2024/alc/a/a)
Nach vorläufigen Angaben des SECO habe das Wachstum des Sportevent-bereinigten BIP im Berichtsquartal 0,5% Q/Q bzw. 1,4% Y/Y betragen. Zum Wachstum habe der Dienstleistungssektor beigetragen. Weitere Einzelheiten habe es noch nicht gegeben. Ob die Schweizer Konjunktur dieses Tempo halten könne, sei indes nicht sicher. Das zum Monatsende veröffentlichte KOF-Konjunkturbarometer sei zwar wieder angestiegen und halte sich nun seit Januar über der Marke von 100 Punkten. Allerdings seien die zuvor für den Berichtsmonat Juli befragten Einkaufsmanager erneut wenig zufrieden gewesen. Der PMI für die Industrie habe sich mit 43,5 Punkten kaum vom Fleck bewegt, der Index für Dienstleistungen sei von 52,0 auf 44,7 Punkte abgesackt und habe seinen erratischen, aber negativen Trend fortgesetzt, der im Dezember 2023 begonnen habe.
Die Inflationsrate habe im Juni und Juli bei 1,3% Y/Y gelegen. Das sei etwas mehr als erwartet, aber absolut im Zielbereich der SNB gewesen. Die Kernrate habe bei 1,1% Y/Y (-0,3% M/M) verharrt, die Preise für importierte Güter sogar um 1,0% M/M. Die jüngste Episode der Inflation sei damit Geschichte. Hilfreich sei der Schweizer Franken gewesen, der nach wie vor als Safe Haven gefragt sei. Das sei gerade Anfang August wieder zu sehen gewesen, als die Turbulenzen an den Finanzmärkten den Kurs zum Euro fast auf 0,92 CHF getrieben hätten.
Die SNB dürfte eine zu starke Aufwertung inzwischen mit Sorge betrachten, insofern sie die Binnenwirtschaft zu stark bremse. Um dem Aufwertungsdruck den Wind aus den Segeln zu nehmen, werde sie deshalb im September ihrer großen Schwester EZB folgen und ihren Leitzins ebenfalls um 25 BP senken. Am Kapitalmarkt seien die Renditen in den letzte zwölf Wochen schon deutlich gesunken. Seit Anfang Juni habe sich die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen auf 0,45% fast halbiert. Randnotiz: In der Schweiz werde es eine Abstimmung über die Erhöhung der Mehrwertsteuer geben. Damit solle eine Anhebung Rentenniveaus im Jahr 2026 finanziert werden. Aktuell liege der Mehrwertsteuersatz im Regelfall (Normalsatz) bei nur 8,1%. Mögliche Auswirkungen auf die Inflationsentwicklung wären vermutlich begrenzt, müssten aber im Auge behalten werden. (Ausgabe vom 30.08.2024) (02.09.2024/alc/a/a)


