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Schweiz: Deflation ist zurück auf der Agenda
30.09.24 12:55
Nord LB
Hannover (www.anleihencheck.de) - Nach endgültigen Zahlen zum zweiten Quartal wuchs das Sport-Event bereinigte BIP in der Schweiz um 0,5% Q/Q. Das entspricht 1,4% Y/Y und dürfte in der Nähe des Potenzialwachsums liegen, so die Analysten der Nord LB.
Die Schweizer Wirtschaft habe von der starken Stellung der pharmazeutischen Industrie profitiert, die ihre Exporte kräftig habe steigern können. Die Exporte der meisten anderen Industriezweige hätten hingegen unter einem schwachen außenwirtschaftlichen Umfeld und einem starken Franken gelitten. Auch die Binnennachfrage sei in die Stagnation zurückgefallen. Das Verarbeitende Gewerbe sei vom negativen Wachstum der Ausrüstungsinvestitionen (-1,4% Q/Q) ausgebremst worden. Nicht ganz rund sei es auch in vielen Dienstleistungssektoren gelaufen. Trotzdem habe sich die Stimmung im August aufgehellt.
Das KOF-Konjunkturbarometer sei um einen Punkt auf 101,6 geklettert und der Frühindikator des SECO habe seinen Aufwärtstrend fortgesetzt. Die Einkaufsmanager hätten sich überraschend optimistisch gezeigt. Der PMI für die Industrie habe nur knapp unter der Expansionsschwelle gelegen, der Index für die Dienstleistungen habe sich auf 57,3 Punkte verbessert. Ob sich das auch in einer höheren konjunkturellen Dynamik niederschlagen werde, sei aber unsicher. Die bislang verfügbaren Daten zum Außenhandel würden auf ein schwieriger werdendes Umfeld hindeuten, nicht nur eingedenk einer wahrscheinlichen Gegenbewegung bei Chemie und Pharma.
In Anbetracht der konjunkturellen Entwicklungen in Europa und den USA seien von der Exportwirtschaft eher keine Impulse zu erwarten. Ein Aufschwung müsse also aus der Binnenwirtschaft kommen. Unmöglich sei das nicht. So seien die Einzelhandelsumsätze im Juli um 2,7% Y/Y gestiegen. Steigende Reallöhne und ein solider Arbeitsmarkt sollten den privaten Konsum befeuern, zumal sich der Arbeitsmarkt solide entwickeln sollte. Per saldo hätten die Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum im Jahr 2025 aber etwas zugenommen.
Die Inflation sei in der Schweiz kein Problem mehr. Die Teuerungsrate sei im August auf 1,1% Y/Y gefallen. In Folge des harten Franken seien die Importpreise um 1,9% Y/Y gesunken. Der inländische Preisdruck sei von den Dienstleistungen gekommen. Perspektivisch werde die Gefahr von Zweitrundeneffekten aber nachlassen, da im kommenden Jahr administrierte Preise (Strom, Mieten) abgesenkt würden. Entsprechend habe die SNB ihren Leitzins im September um 25 BP auf 1,00% gesenkt und ihre bedingte Inflationsprognose sowie ihre Wachstumserwartungen nach unten revidiert. Diese dritte Zinssenkung der SNB sei dennoch nicht unumstritten gewesen; einige Marktteilnehmer hätten mit mehr gerechnet.
Die schweizerische Geldpolitik stehe nun im Spannungsfeld einer sich abschwächenden Konjunktur, international sinkenden Zinsen und geopolitischen Risiken, die dem Franken als Save Haven Auftrieb verschaffen würden. Diese Gemengelage könne die SNB weiter unter Zugzwang bringen. Ein Abrutschen in die Deflation wolle sie auf jeden Fall vermeiden. Bei einem Leitzins von nur 1,00% sei die SNB bereit, am Devisenmarkt zu intervenieren. (Ausgabe vom 27.09.2024) (30.09.2024/alc/a/a)
Die Schweizer Wirtschaft habe von der starken Stellung der pharmazeutischen Industrie profitiert, die ihre Exporte kräftig habe steigern können. Die Exporte der meisten anderen Industriezweige hätten hingegen unter einem schwachen außenwirtschaftlichen Umfeld und einem starken Franken gelitten. Auch die Binnennachfrage sei in die Stagnation zurückgefallen. Das Verarbeitende Gewerbe sei vom negativen Wachstum der Ausrüstungsinvestitionen (-1,4% Q/Q) ausgebremst worden. Nicht ganz rund sei es auch in vielen Dienstleistungssektoren gelaufen. Trotzdem habe sich die Stimmung im August aufgehellt.
In Anbetracht der konjunkturellen Entwicklungen in Europa und den USA seien von der Exportwirtschaft eher keine Impulse zu erwarten. Ein Aufschwung müsse also aus der Binnenwirtschaft kommen. Unmöglich sei das nicht. So seien die Einzelhandelsumsätze im Juli um 2,7% Y/Y gestiegen. Steigende Reallöhne und ein solider Arbeitsmarkt sollten den privaten Konsum befeuern, zumal sich der Arbeitsmarkt solide entwickeln sollte. Per saldo hätten die Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum im Jahr 2025 aber etwas zugenommen.
Die Inflation sei in der Schweiz kein Problem mehr. Die Teuerungsrate sei im August auf 1,1% Y/Y gefallen. In Folge des harten Franken seien die Importpreise um 1,9% Y/Y gesunken. Der inländische Preisdruck sei von den Dienstleistungen gekommen. Perspektivisch werde die Gefahr von Zweitrundeneffekten aber nachlassen, da im kommenden Jahr administrierte Preise (Strom, Mieten) abgesenkt würden. Entsprechend habe die SNB ihren Leitzins im September um 25 BP auf 1,00% gesenkt und ihre bedingte Inflationsprognose sowie ihre Wachstumserwartungen nach unten revidiert. Diese dritte Zinssenkung der SNB sei dennoch nicht unumstritten gewesen; einige Marktteilnehmer hätten mit mehr gerechnet.
Die schweizerische Geldpolitik stehe nun im Spannungsfeld einer sich abschwächenden Konjunktur, international sinkenden Zinsen und geopolitischen Risiken, die dem Franken als Save Haven Auftrieb verschaffen würden. Diese Gemengelage könne die SNB weiter unter Zugzwang bringen. Ein Abrutschen in die Deflation wolle sie auf jeden Fall vermeiden. Bei einem Leitzins von nur 1,00% sei die SNB bereit, am Devisenmarkt zu intervenieren. (Ausgabe vom 27.09.2024) (30.09.2024/alc/a/a)


