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Schwache Bond-Märkte trotz steigender Eventrisiken
09.06.15 11:17
Bank J. Safra Sarasin AG
Basel (www.anleihencheck.de) - Die Rentenmärkte wurden vergangene Woche wieder auf falschem Fuß erwischt, so Karsten Junius, Chefvolkswirt bei der Bank J. Safra Sarasin AG.
So habe doch mancher damit gerechnet, dass die EZB signalisieren würde, das Volumen ihrer Anleihekäufe stärker den Marktbedingungen anzupassen. Stattdessen habe Präsident Draghi erklärt, dass die EZB durch die Marktvolatilität durchblicken würde: Ein herber Schlag für diejenigen, die erhöhte EZB Käufe und Signale für einen freundlichen Rentenmarkt erwartet hätten. Entsprechend sei die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen auf den höchsten Stand seit Oktober 2014 gestiegen - also lang vor dem Beschluss einer quantitativen Lockerung.
Erstaunlich sei der Renditeanstieg auch deshalb, weil die Entwicklungen in Griechenland eigentlich Grund für eine Flucht in sichere Anlagen sein müssten. Vielleicht sei es die Erfahrung der letzten Jahre, dass am Ende doch eine marktverträgliche Lösung für Griechenland gefunden werde, die eine stärker ansteigende Risikoaversion bisher verhindert habe. Die aktuelle Fundamentalopposition von Teilen der griechischen Regierungspartei gegenüber den Regeln und Konventionen der internationalen Kreditorengemeinschaft lasse aber einige Zweifel zu.
Zudem werde immer klarer, dass die Griechenlandkrise auch die nächsten Jahre fortschreiten werde, da es offensichtlich keinen Konsens in der griechischen Regierung oder Bevölkerung für einen Reformkurs gebe, der das Wachstumspotenzial und die Besteuerungsfähigkeit der Bevölkerung erhöhen würde. Zusätzlich werde auch klar, dass das Europäische Regelwerk jederzeit ausgehebelt werden könne, wenn populistische Regierungen sich nicht an bestehende Verträge und Regeln halten wollten.
Getragen werde der Renditeanstieg auch von steigenden Inflationsraten- und erwartungen und das sei ein gutes Zeichen. Die Deflationsängste an den Finanzmärkten würden sich sukzessive zurückbilden. Dies liege auch an der Wende der Rohstoffpreise, die die Tiefstände des 1. Quartals klar hinter sich gelassen hätten. Dazu komme, dass sich die Wirtschaft in China zwar weiter abschwäche, entgegen vieler Prognosen aber nicht implodiere. Und es passe, dass das Wachstum in den USA zwar auch nicht so stark sei wie letztes Jahr, aber doch deutlich stärker als in den ersten Monaten des Jahres.
Und so würden sich die Anzeichen mehren, dass das erste Quartal von einigen Sondereffekten gezeichnet gewesen sein könnte, die sich so nicht wiederholen sollten. Heiße das aber, dass die Anleiherenditen noch weiter ansteigen dürften? Mittelfristig dürfte das bei fortschreitender Wirtschaftserholung wohl der Fall sein. Kurzfristig sollten Anleger den jüngsten Inflationsanstieg In Euroland besser nicht so schnell weiter fortschreiben.
Ölpreise, Wechselkurse und Basiseffekte hätten eine Wirkung gehabt, die nur einmal wirke. Für die nächsten beiden Monate seien eher leicht fallende oder konstante Inflationsraten zu erwarten. Die Neuemissionstätigkeit werde im Sommer etwas zurückgehen, sodass die EZB-Käufe einem geringeren Angebot gegenüberstünden. Die Chancen stünden daher gut, dass auf den jüngsten Renditeanstieg auch wieder von Wochen mit fallenden Renditen folgen würden. (09.06.2015/alc/a/a)
So habe doch mancher damit gerechnet, dass die EZB signalisieren würde, das Volumen ihrer Anleihekäufe stärker den Marktbedingungen anzupassen. Stattdessen habe Präsident Draghi erklärt, dass die EZB durch die Marktvolatilität durchblicken würde: Ein herber Schlag für diejenigen, die erhöhte EZB Käufe und Signale für einen freundlichen Rentenmarkt erwartet hätten. Entsprechend sei die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen auf den höchsten Stand seit Oktober 2014 gestiegen - also lang vor dem Beschluss einer quantitativen Lockerung.
Erstaunlich sei der Renditeanstieg auch deshalb, weil die Entwicklungen in Griechenland eigentlich Grund für eine Flucht in sichere Anlagen sein müssten. Vielleicht sei es die Erfahrung der letzten Jahre, dass am Ende doch eine marktverträgliche Lösung für Griechenland gefunden werde, die eine stärker ansteigende Risikoaversion bisher verhindert habe. Die aktuelle Fundamentalopposition von Teilen der griechischen Regierungspartei gegenüber den Regeln und Konventionen der internationalen Kreditorengemeinschaft lasse aber einige Zweifel zu.
Getragen werde der Renditeanstieg auch von steigenden Inflationsraten- und erwartungen und das sei ein gutes Zeichen. Die Deflationsängste an den Finanzmärkten würden sich sukzessive zurückbilden. Dies liege auch an der Wende der Rohstoffpreise, die die Tiefstände des 1. Quartals klar hinter sich gelassen hätten. Dazu komme, dass sich die Wirtschaft in China zwar weiter abschwäche, entgegen vieler Prognosen aber nicht implodiere. Und es passe, dass das Wachstum in den USA zwar auch nicht so stark sei wie letztes Jahr, aber doch deutlich stärker als in den ersten Monaten des Jahres.
Und so würden sich die Anzeichen mehren, dass das erste Quartal von einigen Sondereffekten gezeichnet gewesen sein könnte, die sich so nicht wiederholen sollten. Heiße das aber, dass die Anleiherenditen noch weiter ansteigen dürften? Mittelfristig dürfte das bei fortschreitender Wirtschaftserholung wohl der Fall sein. Kurzfristig sollten Anleger den jüngsten Inflationsanstieg In Euroland besser nicht so schnell weiter fortschreiben.
Ölpreise, Wechselkurse und Basiseffekte hätten eine Wirkung gehabt, die nur einmal wirke. Für die nächsten beiden Monate seien eher leicht fallende oder konstante Inflationsraten zu erwarten. Die Neuemissionstätigkeit werde im Sommer etwas zurückgehen, sodass die EZB-Käufe einem geringeren Angebot gegenüberstünden. Die Chancen stünden daher gut, dass auf den jüngsten Renditeanstieg auch wieder von Wochen mit fallenden Renditen folgen würden. (09.06.2015/alc/a/a)


