Schnellschätzung zur Eurozonen-Inflation im September - Inflationsrate von unter 2% erwartet


30.09.24 12:27
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Wir erwarten, dass die diese Woche erscheinende Schnellschätzung zur Eurozonen-Inflation im September zum ersten Mal seit April 2021 eine Inflationsrate von unter 2% ausweisen sollte, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die Prognose der Analysten zur HVPI-Schnellschätzung für den Euroraum für September 2024 liege bei 1,8% im Jahresvergleich für die Gesamtinflation (gegenüber 2,2% im August) und bei 2,8% im Jahresvergleich für die Kerninflation (gleiches Niveau wie im August). Die stabile Kerninflationsschätzung deute darauf hin, dass die gesamte Bewegung durch die Energiepreiskomponente verursacht werde, die in der Tat der Hauptgrund für die Verlangsamung sein sollte. Erste Daten aus Frankreich, Spanien und Belgien würden darauf hindeuten, dass es neben dem Rückgang der Energiepreise endlich auch eine gewisse Verlangsamung der Dienstleistungsinflation geben sollte (diese sei beispielsweise in Frankreich von 2,9% im Jahresvergleich im August auf 2,5% im Jahresvergleich gesunken).

Wie die Analysten in ihrer jüngsten Veröffentlichung erläutert hätten, sei die Dienstleistungsinflation zuletzt der Hauptgrund dafür gewesen, dass die Gesamtinflation über 2% gelegen habe, und jeder Rückgang werde mit Spannung erwartet. Der Rückgang der Dienstleistungsinflation scheine allerdings durch einen Basiseffekt bei der Wareninflation ausgeglichen zu werden, was die Kerninflation letztendlich stabil halten sollte. All dies werde die Schätzung für September zur am meisten erwarteten Inflationsveröffentlichung des Jahres machen.

Neben den Inflationszahlen stünden in der Eurozone die finalen PMI-Schätzungen für Deutschland, Frankreich und die Eurozone sowie einige weitere nationale PMIs zur Veröffentlichung an. Ähnlich zu den für einige Volkswirtschaften bereits erschienenen Schnellschätzungen würden die Analysten auch für Spanien und Italien Rückgänge bei den Komponenten für Dienstleistungen und das Verarbeitende Gewerbe erwarten. Außerdem werde die Arbeitslosenquote für August Aufschluss über die Situation am Arbeitsmarkt geben. Die Analysten sowie der Konsens würden keinen Anstieg der Arbeitslosenquote vom Vormonatsniveau von 6,4% erwarten. Der Arbeitsmarkt sollte sich also weiterhin robust zeigen. Gegen Ende der Woche würden weiterhin erste nationale Daten zur Industrieproduktion im August erscheinen.

In den USA stünden mit den ISM-Indikatoren weitere Vorlaufindikatoren für September auf der Agenda. Nachdem die PMI-Schnellschätzungen im September auf Rückgänge hingedeutet hätten (Verarbeitendes Gewerbe: 47,9 auf 47 Punkte; Dienstleistungen: 55,7 auf 55,4 Punkte), stelle sich die Frage, ob sich dies bei den ISM-Indices wiederholen werde. Erste verfügbare Konsensschätzungen würden von einem marginalen Anstieg bei beiden Komponenten ausgehen (Verarbeitendes Gewerbe: 47,2 auf 47,3 Punkte; Nicht-Verarbeitendes Gewerbe: 51,5 auf 51,7 Punkte).

Das Hauptaugenmerk werde in den USA allerdings auf neuen Daten zum aktuellen Status des Arbeitsmarktes liegen. So erscheine bereits am Dienstag die Anzahl der offenen Stellen im August, bevor am Freitag mit dem Arbeitsmarktbericht für September das US-Datenhighlight dieser Woche erscheine. Auch hier lägen bereits erste Konsensschätzungen vor. Diese würden von einem Verweilen der Arbeitslosenquote bei 4,2% sowie von einer monatlichen Zunahme der Beschäftigung (exkl. Agrar) um 145 Tausend Stellen ausgehen. Ein solches Ergebnis würde die anhaltende Resilienz des US-Arbeitsmarktes (trotz einer gewissen Abkühlung über die letzten Monate) abermals unterstreichen, und sollte keine weiteren Wachstumssorgen nach sich ziehen.

Im Vorfeld der SNB-Sitzung hätten die Spekulationen über den Umfang der Zinssenkung in der Schweiz zugenommen. Die SNB habe sich schließlich für eine Senkung um 25 Basispunkte entschieden und den Leitzins auf 1% reduziert, aber ein starkes Signal für eine weitere geldpolitische Lockerung gesendet. Die Inflationsaussichten seien erneut gesenkt worden, wobei die SNB nur noch mit einer Inflation von 0,6% im Jahr 2025 rechne. Die Inflationsrisiken seien nach unten gerichtet. Dieses starke Signal habe die Analysten veranlasst, ihre Zinsprognosen für die Schweiz zu ändern und nun zwei weitere Senkungen um 25 Basispunkte in den beiden kommenden Sitzungen zu prognostizieren.

Nachdem die Eventrisiken der globalen Zentralbanksitzungen hinter uns liegen, haben sich die Zinsmärkte etwas beruhigt, berichten die Analysten der Raiffeisen Bank International AG. Wir sind der Ansicht, dass die starken Renditerückgänge nun hinter uns liegen, so Analysten der Raiffeisen Bank International AG. Dennoch habe es interessante Dynamiken auf den Rentenmärkten gegeben. Bemerkenswert sei die anhaltende Versteilerung der Benchmark-Renditekurven. Der 10J-2J Spread sei nun auch für die Bundkurve positiv und habe für die Treasury-Kurve den zweistelligen Basispunkte-Bereich erreicht. Während für die Entwicklung der Bundkurve ein anhaltender Rückgang am kurzen Ende der Kurve verantwortlich gewesen sei, habe ein Anstieg der längeren Laufzeiten zu einer Versteilerung der Treasury-Kurve geführt. Dies spiegele auch die Verschiebungen der Markterwartungen gegenüber den Zentralbanken wider.

Was die FED betreffe, so habe sich die ohnehin dovishe Positionierung am Markt nicht allzu sehr verändert. Der Markt teile die Einschätzung der Analysten von 75 Basispunkten an Zinssenkungen bis zum Jahresende. Für die EZB rechne der Markt nun mit einer Zinssenkung um 25 Basispunkte auf der nächsten Sitzung Mitte Oktober und einer weiteren Mitte Dezember. Angesichts der jüngsten dovishen Überraschung der FED und des vorübergehenden Rückgangs der Inflation im Euroraum werde es interessant sein zu sehen, ob die EZB an einem schrittweisen Ansatz mit vierteljährlichen Zinssenkungen festhalten könne. Im Moment dränge der Markt die EZB definitiv zu einem schnelleren Vorgehen. (Ausgabe vom 27.09.2024) (30.09.2024/alc/a/a)