Die Sache mit den 3 D's - Drei Trends treiben die Inflation an - noch


26.08.22 16:01
BNP Paribas

Paris (www.anleihencheck.de) - Für die hohen Inflationszahlen werden von den Experten neben der aktuellen Entwicklung der Rohstoffversorgung aus Russland drei längerfristige Trends verantwortlich gemacht: die Demografie, die Deglobalisierung und die Dekarbonisierung, so Olaf Hordenbach, Chefredakteur des Kundenmagazins von BNP Paribas.

Die drei "D's" seien schnell erklärt. Die Demografie sei ein Problem, da die Bevölkerung in den westlichen Industrienationen im Schnitt immer älter werde. Das führe zu einem Engpass bei der arbeitenden Bevölkerung, die Löhne würden steigen, was die Produkte verteuere. Die Deglobalisierung lasse die Preise insgesamt steigen, weil der Zustrom an billigen Produkten aus Asien ins Stocken geraten sei. Ob es sich dabei nur um ein temporäres Phänomen handle, wegen Corona, oder insgesamt die Globalisierung in ihre Grenze stoße, sei allerdings umstritten. Nun zum letzten "D", der Dekarbonisierung.

Auch das sei schnell erklärt. Weil man sich dazu entschlossen habe, den Klimawandel abzumildern, müsse man investieren, etwa in erneuerbare Energien. Auch das treibe die Preise erst einmal nach oben, weil zum Beispiel die Nachfrage nach bestimmten Rohstoffen steige. O.k., so weit, so gut. Doch nach Ansicht von Hordenbach ende damit die Geschichte nicht. Es gehe weiter, denn allen drei "D's" würden Kräfte innewohnen, die mittelfristig der Inflation entgegenwirken würden. Mangle es zum Beispiel an Arbeitskräften, führe das zu einer Automatisierung von Produktionsabläufen. Gut zu sehen sei das etwa in Japan, das eine ungewöhnlich hohe Dichte an Robotern aufweise. Die Automatisierung führe zu einer Verbilligung bei der Produktion, was die Preise unter Druck bringe.

Auch die hohen Investitionen in erneuerbare Energien könnten mittelfristig der Inflation entgegenwirken. Nicht wenige Experten würden sagen, durch den massiven Ausbau der Erneuerbaren werde bald so viel Energie erzeugt, dass die Strompreise massiv fallen würden. Manche würden sogar behaupten, dass wir in Zukunft unsere Häuser mit Strom heizen würden, weil die Preise dann so niedrig seien. Und die Deglobalisierung könnte deswegen deflationär wirken, weil schlichtweg die Lieferwege entfallen würden. Es werde regional produziert, da brauche man keine kostspieligen Transportwege mehr. Aber ohnehin stehe ja infrage, ob die Deglobalisierung wirklich stattfinde. Vielleicht verlagern sich die Lieferketten auch nur, weg von Asien, hin zu Afrika und Lateinamerika, so Olaf Hordenbach.

Worauf es Hordenbach aber ankomme, sei, dass wir der Inflation nicht hilflos ausgeliefert seien. Die Inflation sei ein temporäres Phänomen, das nicht von Dauer sein werde, so seine Einschätzung. Demografie, Deglobalisierung und Dekarbonisierung würden mittelfristig der Inflation entgegenwirken, aber das werde sicherlich noch eine Zeit lang dauern. Bis dahin müssen wir uns an das neue Preisgefüge gewöhnen, und das werden wir auch, so Olaf Hordenbach. (26.08.2022/alc/a/a)