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SNB Zinsentscheid: Kursänderung zum Jahreswechsel erwartet


16.09.16 11:45
GAM

Berlin (www.anleihencheck.de) - Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat gestern bekannt gegeben, dass der Zins auf Sichteinlagen unverändert bei -0,75 Prozent belassen wird, so die Experten von GAM.

Einmal mehr sei explizit erwähnt worden, dass die SNB nicht davor zurückschrecke, im Währungsmarkt zu intervenieren, sollte sie dies wieder für notwendig halten. Joachim Corbach, Head of Currencies & Commodities bei GAM schlussfolgere aus der gestrigen Entscheidung:

Es sei gut denkbar, dass die SNB ihre Geldpolitik gegen Ende des Jahres ändern werde, da dann verschiedene Faktoren zusammenstoßen würden, die das Potenzial hätten, die Märkte durcheinander zu wirbeln: Da wäre zum einen die kommenden EZB-Meetings, an welchen weitere Geldlockerungsmaßnahmen möglich seien. Dann das Federal Open Market Committee (FOMC) mit einer möglichen Zinsanhebung gegen Ende des Jahres.

Und auf der politischen Seite schaue die Welt selbstverständlich gebannt auf die Präsidentschaftswahlen in den USA, und in Europa berge das Verfassungsreferendum in Italien Spannungspotenzial. All diese Faktoren könnten den Euro bedeutend abschwächen - vor allem wenn sie in Kombination eintreten würden - und die SNB in eine missliche Lage bringen in Bezug auf ihren Einfluss auf den Schweizer Franken.

Die SNB habe gestern bewusst nichts zu diesen erwähnten Faktoren gesagt, um zu vermeiden, dass der Schweizer Franken jetzt schon den Fokus der Investorengemeinde wieder auf sich ziehe und Kapitalströme in den Franken fließen würden. Mario Draghi (EZB-Präsident) und Haruhiko Kuroda (japanischer Zentralbankchef) hätten beide erst kürzlich die positiven Effekte ihrer Negativzins-Politik hervorgehoben, obschon es zahlreiche kritische Stimmen gebe. Nichtsdestotrotz unterstütze dies den SNB-Präsidenten Thomas Jordan in seiner Entscheidung, weiterhin ebenfalls eine Negativzins-Politik in der Schweiz zu fahren.

Die Inflationsrate in der Schweiz bewege sich langsam aber sicher wieder in positivem Gefilde, was den Effekt habe, dass reale Renditen noch extremer ins Negative stürzen und somit den Franken vor weiterer Aufwertung schützen beziehungsweise dem Wechselkurs zum Euro eine gewisse Stütze bieten würden. Gleichzeitig bringe das ein ähnliches Ergebnis wie eine monetäre Lockerung, was zunehmend ungerechtfertigt sei, da die jüngsten wirtschaftlichen Daten des Landes durchaus positiv gewesen seien.

Überraschend starke Wachstumszahlen sowie der Widerwille der SNB, den Schweizer Franken weiter aufwerten zu lassen, sollten für den Franken eine relativ enge Handelsspanne vorgeben für die kommenden Wochen und hoffentlich Monate.

Die SNB habe im Juni, Juli und auch im August in den Währungsmärkten eingreifen müssen, um die Nachwehen des Brexit einigermaßen einzudämmen. Im September scheine es nun ein bisschen Luft zum Durchatmen zu geben - die SNB habe bis dato noch nicht eingreifen müssen. Der Entscheid, den Zinssatz bei -0,75 Prozent zu belassen, komme derweil nicht überraschend, zumal auch die Europäische Zentralbank (EZB) sich letzte Woche dazu entschieden habe, vorerst mit Zinsanpassungen abzuwarten. (16.09.2016/alc/a/a)