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Russland: Zentralbank im Kampf gegen Inflationsrisiken
21.01.19 13:45
DekaBank
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die monatlichen Indikatoren deuten darauf hin, dass das reale BIP-Wachstum wieder zu einer positiven Rate im Vergleich zum Vorquartal zurückgefunden haben dürfte, so die Analysten der DekaBank.
Für Überraschung habe im Dezember erneut die Russische Zentralbank gesorgt, die den Leitzins entgegen der Erwartung um 25 Bp. auf nun 7,75% angehoben habe. Die Währungshüter hätten diesen Schritt vorbeugend vorgenommen und damit auf gestiegene Inflationsrisiken wie die erhöhte Finanzmarktvolatilität, die geopolitischen Risiken oder die Auswirkungen der Mehrwertsteueranhebung reagiert. Gleichzeitig würden ab 15. Januar die im Herbst ausgesetzten Devisenkäufe für den Reservefonds wieder aufgenommen. Deren Wiederaufnahme dürfte angesichts des niedrigeren Ölpreises und der günstigen Saisonalität der Leistungsbilanz nicht viel Abwertungsdruck auf den Rubel ausüben. Der Rubel-Wechselkurs dürfte sich allerdings wieder stärker von der Ölpreisentwicklung entkoppeln.
Die Verbraucherpreise seien im Dezember um 4,3% yoy angestiegen, sodass die Inflation zum ersten Mal seit Sommer 2017 über dem Zentralbankziel von 4% gelegen habe. Im ersten Quartal dürfte die Rate wegen der Mehrwertsteueranhebung und der Anpassung der administrierten Preise über 5% steigen. Nach der geldpolitischen Straffung in 2018 müsse dies aber nicht zwangsläufig zu weiteren Leitzinsanhebungen führen. Die Zentralbank dürfte stark auf die Inflationserwartungen und die Finanzmarktentwicklungen achten. Das Damoklesschwert der US-Sanktionen hänge weiterhin über Russland. Sowohl die "chemischen" Sanktionen der Regierung als auch die Entscheidungen des Kongress zu den zahlreichen Sanktionsentwürfen dürften wieder in den Fokus rücken, wenn der "Shutdown" in den USA beendet werde. Strenge Maßnahmen wie bspw. die Sanktionierung der Staatsanleihen oder der Verbot von USD-Transaktionen der russischen Staatsbanken stünden im Raum.
Die USA haben zudem Sanktionen gegen die EU-Unternehmen angedroht, die am Bau der "Nord Stream 2"-Gaspipeline beteiligt seien. Die Analysten würden davon ausgehen, dass diese extremen Maßnahmen wegen der möglichen Verunsicherung auf den Finanzmärkten bzw. im Falle von Nord Stream wegen der diplomatischen Unwägbarkeiten vorerst nicht umgesetzt würden. Darauf, dass zumindest die Regierung in den USA auf die wirtschaftlichen Auswirkungen der Strafmaßannahmen achte, deute indirekt die geplante Aufhebung der US-Strafmaßnahmen gegen den Aluminiumproduzenten "Rusal" und die "EN+"-Gruppe des Oligarchen Deripaska hin.
Diese im Frühjahr 2018 verhängten Maßnahmen hätten starke Turbulenzen auf dem Aluminium-Markt ausgelöst; die Bedingung für ihre Aufhebung war, dass Deripaska die Kontrolle über die Unternehmen aufgebe, was nun erfolgt sei. Der neu gewählte Kongress habe die Regierung zwar um eine Verschiebung ihrer Entscheidung gebeten, was die Aufhebung dieser Sanktionen jedoch letztlich nicht verhindern dürfte.
Das Wachstumspotenzial Russlands sei wegen der demografischen Entwicklung und der niedrigen Produktivitätssteigerungen mit ca. 1,5% verhalten. Das internationale Sanktionsregime verstärke Russlands wirtschaftliche Isolation.
Das politische Risiko, das mit einer potenziellen drastischen Verschärfung der US-Sanktionen eingehe, dominiere bei der Bonitätseinschätzung. Russland weise nach wie vor solide Staatsfinanzen auf, und die externe Verschuldung sei niedrig im Vergleich zu vielen anderen Emerging Markets. Doch wenn die derzeit in den USA diskutierten extremen Maßnahmen (z.B. das Verbot für Dollargeschäfte der Staatsbanken, Sanktionierung der russischen Staatsanleihen) entgegen der Analysten-Einschätzung greifen sollten, würde dies zu Turbulenzen und Ratingherabstufungen führen. (Ausgabe vom 16.01.2019) (21.01.2019/alc/a/a)
Für Überraschung habe im Dezember erneut die Russische Zentralbank gesorgt, die den Leitzins entgegen der Erwartung um 25 Bp. auf nun 7,75% angehoben habe. Die Währungshüter hätten diesen Schritt vorbeugend vorgenommen und damit auf gestiegene Inflationsrisiken wie die erhöhte Finanzmarktvolatilität, die geopolitischen Risiken oder die Auswirkungen der Mehrwertsteueranhebung reagiert. Gleichzeitig würden ab 15. Januar die im Herbst ausgesetzten Devisenkäufe für den Reservefonds wieder aufgenommen. Deren Wiederaufnahme dürfte angesichts des niedrigeren Ölpreises und der günstigen Saisonalität der Leistungsbilanz nicht viel Abwertungsdruck auf den Rubel ausüben. Der Rubel-Wechselkurs dürfte sich allerdings wieder stärker von der Ölpreisentwicklung entkoppeln.
Die Verbraucherpreise seien im Dezember um 4,3% yoy angestiegen, sodass die Inflation zum ersten Mal seit Sommer 2017 über dem Zentralbankziel von 4% gelegen habe. Im ersten Quartal dürfte die Rate wegen der Mehrwertsteueranhebung und der Anpassung der administrierten Preise über 5% steigen. Nach der geldpolitischen Straffung in 2018 müsse dies aber nicht zwangsläufig zu weiteren Leitzinsanhebungen führen. Die Zentralbank dürfte stark auf die Inflationserwartungen und die Finanzmarktentwicklungen achten. Das Damoklesschwert der US-Sanktionen hänge weiterhin über Russland. Sowohl die "chemischen" Sanktionen der Regierung als auch die Entscheidungen des Kongress zu den zahlreichen Sanktionsentwürfen dürften wieder in den Fokus rücken, wenn der "Shutdown" in den USA beendet werde. Strenge Maßnahmen wie bspw. die Sanktionierung der Staatsanleihen oder der Verbot von USD-Transaktionen der russischen Staatsbanken stünden im Raum.
Diese im Frühjahr 2018 verhängten Maßnahmen hätten starke Turbulenzen auf dem Aluminium-Markt ausgelöst; die Bedingung für ihre Aufhebung war, dass Deripaska die Kontrolle über die Unternehmen aufgebe, was nun erfolgt sei. Der neu gewählte Kongress habe die Regierung zwar um eine Verschiebung ihrer Entscheidung gebeten, was die Aufhebung dieser Sanktionen jedoch letztlich nicht verhindern dürfte.
Das Wachstumspotenzial Russlands sei wegen der demografischen Entwicklung und der niedrigen Produktivitätssteigerungen mit ca. 1,5% verhalten. Das internationale Sanktionsregime verstärke Russlands wirtschaftliche Isolation.
Das politische Risiko, das mit einer potenziellen drastischen Verschärfung der US-Sanktionen eingehe, dominiere bei der Bonitätseinschätzung. Russland weise nach wie vor solide Staatsfinanzen auf, und die externe Verschuldung sei niedrig im Vergleich zu vielen anderen Emerging Markets. Doch wenn die derzeit in den USA diskutierten extremen Maßnahmen (z.B. das Verbot für Dollargeschäfte der Staatsbanken, Sanktionierung der russischen Staatsanleihen) entgegen der Analysten-Einschätzung greifen sollten, würde dies zu Turbulenzen und Ratingherabstufungen führen. (Ausgabe vom 16.01.2019) (21.01.2019/alc/a/a)
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| 2,70 % | 1,90 % | 0,80 % | +42,11% | 24.04./22:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| 2,70 % | 1,80 % | |||


