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Russland-Ukraine-Konflikt: Was heißt das für Anleger?
07.04.22 13:00
Nordea Asset Management
Stockholm (www.anleihencheck.de) - Wenn Spieler mit dem Rücken zur Wand stehen, werden ihre Wetten immer riskanter, so die Experten von Nordea Asset Management.
Das Militär nenne es vertikale Eskalation, wenn eine Partei durch immer aggressivere Schritte einen Ausweg suche. Russland stehe mit dem Rücken zur Wand und sei mit schweren Sanktionen und vorerst sehr begrenzter Unterstützung aus China konfrontiert. Da Importe nach Russland teurer und schwerer zu finden seien, werde sich mit der Zeit wahrscheinlich die Unzufriedenheit in der Bevölkerung ausbreiten und die Regierung zwingen, ein neues Narrativ zu finden. Die US-Regierung halte den Einsatz nicht konventioneller Waffen für möglich, während der Markt auf das Beste hoffe, nämlich den Beginn ernsthafter Verhandlungen. Im Wesentlichen glaube der Markt, dass Russland nachgeben und in der Ukraine einen Kompromiss finden werde. Je länger Russland warte, desto stärker würden sich die Sanktionen auswirken, einschließlich sehr hoher Zinssätze, was darauf hindeute, dass der Markt wahrscheinlich zu Recht vorsichtig optimistisch sei. Tatsächlich habe Russland ein begrenzteres Ziel angekündigt, die Donbass-Region zu "befreien". Die Frage sei nun, ob Russland den Neutralitätsanspruch der Ukraine akzeptieren werde.
Eurozone: Stabilisierung festverzinslicher Wertpapiere
Die europäische Wirtschaft solle in diesem Jahr um 3,3% und im nächsten um 2,5% wachsen. Das Risiko bestehe darin, dass die Haushalte in den kommenden Wochen Überreaktionen auf Kriegsnachrichten und deutlich höhere Ölpreise zeigen würden. Einiges davon zeige sich beispielsweise bereits im Einbruch der deutschen Wachstumserwartung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Dieser Schock dürfte dann aber abklingen, ebenso wie die Sorge über höhere Zinsen in der Peripherie.
Die EZB sei mit dem steigenden Risiko einer Lohninflation konfrontiert, da Haushalte, die sehr abhängig von laufenden Lohnzahlungen seien, den Arbeitsplatz wechseln oder höhere Bezüge verlangen würden. Das bedeute, dass der Markt mit einem schnelleren Tempo der Zinserhöhungen rechne, wenn das Asset Purchase Programme (APP) der EZB (ein erweitertes Programm zum Ankauf von Vermögenswerten) ab Q3 ende. Beachtenswert sei, dass dies ein heikles Unterfangen für die EZB sei, da die Eurozone auch einen Angebotsschock durch erhöhte Energiepreise und den Verlust des Zugangs zum russischen Markt erleide. Umgekehrt sollten die US-Nachfrage und schließlich die chinesische Nachfrage robust sein. In einem vorsichtigeren Risikoumfeld stünden die Chancen gut, dass europäische festverzinsliche Wertpapiere durch ein zunehmendes Angebot von High Yield-Titeln aus der europäischen Peripherie ergänzt würden. Gleichzeitig seien europäische Aktien attraktiv bewertet.
USA: Überhitzung
In den Vereinigten Staaten bestehe die Sorge, dass die FED zu lange in der Geldpolitik der Lage hinterherhinke, was sie zu einer übermäßigen Straffung zwingen und das Risiko einer Rezession heraufbeschwören könnte. Die Geschichte deute darauf hin, dass dies tendenziell der Fall sei, da die Dynamik eines ungewöhnlich heißen Arbeitsmarktes schwer vorherzusagen sei. Der Unterschied bestehe diesmal darin, dass uns die Zwischenwahlen bevorstehen, bei denen die Inflation ein wichtiges Thema sei. Dies bedeute, dass die FED wahrscheinlich noch eine Weile versuchen werde, in der Geldpolitik vorne zu bleiben, und dies möglicherweise mit Blick auf die Präsidentschaftswahlen fortsetzen werde. Das deute darauf hin, dass der finale Zinssatz steigen sollte; aber vieles sei bereits eingepreist. Dies impliziere reichlich Chancen bei festverzinslichen Wertpapieren und eine gewisse Vorsicht bei Aktien (z.B. Wachstumsstil), wo die Bewertungen hoch bleiben würden. Aktien würden im Gegensatz zu festverzinslichen Wertpapieren von einem langen und reibungslosen Wachstumspfad ausgehen.
Was heiße das für Anleger?
Europäische Anleihen und Aktien, insbesondere ESG, würden weiterhin viele Möglichkeiten bieten. In den Vereinigten Staaten würden festverzinsliche Wertpapiere inzwischen ein breites Spektrum an Gelegenheiten bieten. Auch Multi Asset Fonds seien interessant. Sie hätten die Fähigkeit, sich schnell anzupassen. Insbesondere, da sie Unternehmen selektieren würden, die als attraktiv bewertet seien und die Qualitäten eines stabilen Cashflows bieten würden. Zudem hätten solche Unternehmen in der Regel Preissetzungsmacht - was ihnen helfe, die Inflation weiterzugeben. (07.04.2022/alc/a/a)
Das Militär nenne es vertikale Eskalation, wenn eine Partei durch immer aggressivere Schritte einen Ausweg suche. Russland stehe mit dem Rücken zur Wand und sei mit schweren Sanktionen und vorerst sehr begrenzter Unterstützung aus China konfrontiert. Da Importe nach Russland teurer und schwerer zu finden seien, werde sich mit der Zeit wahrscheinlich die Unzufriedenheit in der Bevölkerung ausbreiten und die Regierung zwingen, ein neues Narrativ zu finden. Die US-Regierung halte den Einsatz nicht konventioneller Waffen für möglich, während der Markt auf das Beste hoffe, nämlich den Beginn ernsthafter Verhandlungen. Im Wesentlichen glaube der Markt, dass Russland nachgeben und in der Ukraine einen Kompromiss finden werde. Je länger Russland warte, desto stärker würden sich die Sanktionen auswirken, einschließlich sehr hoher Zinssätze, was darauf hindeute, dass der Markt wahrscheinlich zu Recht vorsichtig optimistisch sei. Tatsächlich habe Russland ein begrenzteres Ziel angekündigt, die Donbass-Region zu "befreien". Die Frage sei nun, ob Russland den Neutralitätsanspruch der Ukraine akzeptieren werde.
Eurozone: Stabilisierung festverzinslicher Wertpapiere
Die europäische Wirtschaft solle in diesem Jahr um 3,3% und im nächsten um 2,5% wachsen. Das Risiko bestehe darin, dass die Haushalte in den kommenden Wochen Überreaktionen auf Kriegsnachrichten und deutlich höhere Ölpreise zeigen würden. Einiges davon zeige sich beispielsweise bereits im Einbruch der deutschen Wachstumserwartung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Dieser Schock dürfte dann aber abklingen, ebenso wie die Sorge über höhere Zinsen in der Peripherie.
USA: Überhitzung
In den Vereinigten Staaten bestehe die Sorge, dass die FED zu lange in der Geldpolitik der Lage hinterherhinke, was sie zu einer übermäßigen Straffung zwingen und das Risiko einer Rezession heraufbeschwören könnte. Die Geschichte deute darauf hin, dass dies tendenziell der Fall sei, da die Dynamik eines ungewöhnlich heißen Arbeitsmarktes schwer vorherzusagen sei. Der Unterschied bestehe diesmal darin, dass uns die Zwischenwahlen bevorstehen, bei denen die Inflation ein wichtiges Thema sei. Dies bedeute, dass die FED wahrscheinlich noch eine Weile versuchen werde, in der Geldpolitik vorne zu bleiben, und dies möglicherweise mit Blick auf die Präsidentschaftswahlen fortsetzen werde. Das deute darauf hin, dass der finale Zinssatz steigen sollte; aber vieles sei bereits eingepreist. Dies impliziere reichlich Chancen bei festverzinslichen Wertpapieren und eine gewisse Vorsicht bei Aktien (z.B. Wachstumsstil), wo die Bewertungen hoch bleiben würden. Aktien würden im Gegensatz zu festverzinslichen Wertpapieren von einem langen und reibungslosen Wachstumspfad ausgehen.
Was heiße das für Anleger?
Europäische Anleihen und Aktien, insbesondere ESG, würden weiterhin viele Möglichkeiten bieten. In den Vereinigten Staaten würden festverzinsliche Wertpapiere inzwischen ein breites Spektrum an Gelegenheiten bieten. Auch Multi Asset Fonds seien interessant. Sie hätten die Fähigkeit, sich schnell anzupassen. Insbesondere, da sie Unternehmen selektieren würden, die als attraktiv bewertet seien und die Qualitäten eines stabilen Cashflows bieten würden. Zudem hätten solche Unternehmen in der Regel Preissetzungsmacht - was ihnen helfe, die Inflation weiterzugeben. (07.04.2022/alc/a/a)


