Russland: Überraschende Leitzinssenkung


19.04.17 10:45
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Russland hat die Rezession im vierten Quartal 2016 mit einem Wachstum von 0,3% offiziell hinter sich gelassen, so die Experten von Raiffeisen Capital Management in ihrem aktuellen "emreport".

Die Herausforderung bestehe nun darin, den Aufschwung zu verstärken und zu verbreitern. Dafür seien vor allem mehr Inlandsinvestitionen und ein höherer privater Konsumerforderlich. Für Letzteren wiederum brauche es aber steigende Reallöhne. Spürbare reale Einkommenszuwächse dürften auch aus sozialen und innenpolitischen Erwägungen verstärkt in den Fokus der Regierung rücken. Nachdem der Konflikt um die Krim, der russische Syrieneinsatz und der wirtschaftliche und diplomatische Druck der westlichen Allianz auf Russland eine Welle des Patriotismus ausgelöst hätten und sich breite Bevölkerungsschichten hinter Präsident Putin und seine Politik gestellt hätten, ebbe dieser Effekt nun spürbar ab. Damit kämen die sozialen und innenpolitischen Probleme wieder stärker zum Tragen - von niedrigen Einkommen über Korruption, bis hin zu maroder Infrastruktur.

Um das Wachstum zu unterstützen, habe die Notenbank zur Überraschung der meisten Marktteilnehmer im März die Zinsen um 0,25% auf 9,75% abgesenkt. Der Inflationsausblick habe sich stärker verbessert als angenommen. Die Entscheidung innerhalb des Notenbankgremiums sei jedoch knapp ausgefallen und neuerliche Zinssenkungen dürften wohl bis auf weiteres nicht anstehen. Bei der Zinsentscheidung könnten die Währungshüter auch den deutlich erstarkten Russischen Rubel im Blick gehabt haben. Dieser sei im März fast 4% gestiegen und "liege höher als fundamental gerechtfertigt", wie der Wirtschaftsminister öffentlich angemerkt habe.

Interessanterweise akkumuliere die russische Notenbank weiterhin erhebliche Goldreserven. In den letzten 18 Monaten habe sie ihre Goldbestände um fast 30% aufgestockt. Gleichzeitig würden Russland und China ihre Kooperation im Finanzbereich ausbauen. Ein Ziel dessen dürfte für beide Länder unter anderem eine verringerte Abhängigkeit vom USA-dominierten Finanz- und Bankensystem sein.

Russlands Aktienmarkt habe im März erneut nachgegeben - der MICEX-Index in Moskau habe per Saldo rund 2% verloren. Der in US-Dollar gerechnete RTS-Index habe hingegen leicht zugelegt - hier habe sich der deutlich erstarkte Russische Rubel ausgewirkt. Dass eine Verbesserung des amerikanisch-russischen Verhältnisses in immer weitere Ferne rücke, dürfte eine maßgebliche Rolle bei den rückläufigen Aktienkursen gespielt haben, ebenso der nachgebende Ölpreis. Russland liege damit gegen den Trend als einer der wenigen Schwellenländer-Aktienmärkte seit Jahresbeginn im Minus. Im weiteren Jahresverlauf könnten russische Aktien aber wieder nach oben drehen und zu den anderen Emerging Markets aufschließen, zumal sie nach wie vor sehr attraktiv bewertet seien. (Ausgabe April 2017) (19.04.2017/alc/a/a)





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