Russland: Niedrige Inflation und stabiler Rubel überzeugen CBR zu senken


03.04.17 10:30
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Russische Zentralbank hat im März ihre Bedenken über Bord geworfen und die Zinsen gesenkt, nachdem Inflations- und Wirtschaftsdaten allesamt einen Zinsschritt nahe legten, so die Analysten der DekaBank.

Mit nur 25 bp auf 9,75% sei es aber nur ein kleiner Schritt geworden, nachdem die CBR zuletzt noch 50 bp Senkungen vorgenommen habe. Die Inflation sei im Februar schneller als erwartet auf 4,6% yoy gefallen und dürfte sich auch im März weiter Richtung 4%-Inflationsziel bewegt haben. Zudem habe sich nach Aufwärtsrevisionen angedeutet, dass die wirtschaftliche Erholung besser vorankomme und auch schon früher eingesetzt habe als gedacht. Was die Währungshüter aber letzten Endes von einer Senkung überzeugt haben dürfte, sei die Tatsache gewesen, dass die FX Käufe des Finanzministeriums keinen signifikanten Abwärtsdruck auf den Russischen Rubel ausgeübt hätten. Auch bei einem deutlichen Fall des Ölpreises Anfang März sei die Währung stabil geblieben. Der etwas schwächere Greenback habe zwar sicherlich seinen Beitrag geleistet, vordergründig dürfte aber die derzeit gute Stimmung in Bezug auf Russlands Wirtschaft und die stabilitätsorientierte Politik eine Rolle gespielt haben.

Die Zentralbank bleibe dennoch vorsichtig. Weitere Senkungen würden im zweiten und dritten Quartal in Betracht gezogen, allerdings nur graduell und mit möglichen Pausen. Ganz unberechtigt sei die Sorge nicht: Zurzeit profitiere Russland von der positiven Grundstimmung in den Emerging Markets und der Erholung der Ölpreise. Potenziellen Gegenwind gebe es allerdings genug und speziell für Russland werde auch wichtig sein, ob die OPEC die Produktionskürzungen über die Jahresmitte hinaus verlängern werde.

Auch zuhause gehe es nicht steil bergauf. Die realen Einkommen seien im Februar nach einmaligen Pensionszahlungen im Januar wieder deutlich gesunken, Einzelhandelsumsätze seien schneller als zuvor gefallen. Auch die Industrieproduktion sei schwächer gewesen als erwartet, allerdings habe der Februar zwei Arbeitstage weniger als im Vorjahr gehabt. Vorsichtig bleibe die Zentralbank auch mit Blick auf die Fiskalpolitik. Sorgen über eine zu lockere Haltung hätten sich zwar nicht bestätigt, aber die CBR befürchte, dass sich eine Erhöhung der Mehrwertsteuer negativ auf die Inflation auswirken könnte. Politisch mische derzeit der oppositionelle Aktivist Nawalny das Land auf und schaffe es, zu den größten Massenprotesten seit 2012 zu mobilisieren, allerdings mit erheblicher Gegenwehr vom Kreml, der alles daran setzen werde, eine Präsidentschaftskandidatur Nawalnys zu verhindern.

Der Ölpreisanstieg, ein solider Arbeitsmarkt und kleine Fortschritte in der Importsubstitution sollten Russland auf Wachstumskurs halten. Mangelnde Reformen würden das Aufwärtspotenzial limitieren. Geopolitik bleibe ein Risiko.

Wirtschaftliche Erholung und konservative Fiskalpolitik würden Russland auf ein Rating-Upgrade hoffen lassen. Derzeit vergebe nur Fitch ein Investment Grade, während S&P im März seinen Ausblick für das BB+ Rating immerhin auf positiv angehoben habe, nachdem Moody‘s schon im Februar den Ausblick von negativ auf stabil geändert habe. Die Ratings seien von soliden Staatsfinanzen und niedriger externer Verschuldung untermauert: Die Staatsverschuldung liege unter 15% des BIP und auch die Finanzierung des Defizits dürfte dank höherer Ölpreise und fiskalischer Reservefonds über die nächsten Jahre keine größeren Probleme bereiten. Die Auslandsverschuldung des Privatsektors sei in den vergangenen Jahren deutlich gesunken und auch die Kapitalabflüsse hätten abgenommen, sodass die Währungsreserven weiterhin solide knapp unter 400 Mrd. USD lägen.

Mittelfristig seien die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen sowie die Dynamik der Öl- und Gaspreise für das russische Rating entscheidend. Politisch richte sich der Blick auf die Präsidentschaftswahlen 2018, bei der eine weitere Amtszeit für Putin wahrscheinlich sei. Die Parlamentswahl 2016 habe die Regierungspartei mit einem Stimmenanteil von 54,2% bei geringer Wahlbeteiligung eindeutig für sich entschieden. (Ausgabe vom 31.03.2017) (03.04.2017/alc/a/a)