Russland: Inflationsraten sinken


16.03.16 08:46
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Konjunktur in Russland hat sich zu Jahresanfang etwas besser als erwartet entwickelt, so die Analysten der DekaBank.

Die Industrieproduktion sei im Vergleich zum Vormonat gar leicht angestiegen, und die Einzelhandelsumsätze hätten sich - unter Berücksichtigung der Basiseffekte -weitgehend auf dem Niveau vom November-Dezember 2015 halten können. Doch diese positive Überraschung spiele sich auf einem sehr niedrigen Niveau ab. Einer Rezession im ersten Halbjahr 2016 werde die russische Wirtschaft wohl kaum entgehen können.

Die Analysten würden davon ausgehen, dass das reale BIP in diesem Jahr um 2% schrumpfe. Immerhin würden die Bodenbildung und der jüngste Anstieg der Ölpreise die Geldpolitik erleichtern. Im Januar habe sich die Russische Zentralbank noch sehr restriktiv gezeigt und im Falle steigender Inflationserwartungen mit Leitzinsanhebungen gedroht. Angesichts der deutlich rückläufigen Inflationsraten auf Monats- und Jahresbasis könne die Zentralbank bei ihrer Sitzung am 18. März entspannter sein. Eine Leitzinssenkung halte man allerdings für unwahrscheinlich, weil der Inflationsrückgang zum großen Teil auf die günstigen Basiseffekte zurückzuführen sei und die Währungshüter an ihrem mittelfristigen Inflationsziel von 4% festhalten würden. Die Analysten würden im ersten Halbjahr 2016 einen unveränderten Leitzins von 11% erwarten.

Eine Aufhebung der im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt geltenden Wirtschaftssanktionen des Westens würde der russischen Wirtschaft einen großen positiven Impuls geben. Doch eine solche Aufhebung sei an die Umsetzung des Minsk II-Abkommens gekoppelt, die sehr schleppend verlaufe. Ende 2015 seien die EU-Sanktionen um ein weiteres Halbjahr verlängert worden, und aktuell seien die Bedingungen für eine Aufhebung der Sanktionen in 2016 nicht gegeben.

Bereits 2015 habe Russland seinen Investment Grade-Status verloren. Im März habe Moody‘s angekündigt, aufgrund der gesunkenen Rohstoffpreise das Rating in den kommenden Monaten erneut auf eine Herabstufung hin zu prüfen. Dabei könne der russische Staat eine vorübergehende Durststrecke auf dem Finanzmarkt ohne größere Probleme überstehen: Die Mittel der fiskalischen Reservefonds würden für 2016 selbst dann für die Finanzierung des Budgetdefizits ausreichen, wenn die Regierung gegenüber ihrem ursprünglichen Budgetentwurf (ausgehend vom Ölpreis von 50 USD/Barrel) keinerlei Kürzungen vornehme und auf ein Defizit von ca. 6% des BIP zusteuere.

Doch solch eine erhebliche Ausweitung des Budgetdefizits wolle die Regierung vermeiden und suche derzeit Einsparpotenziale und/oder zusätzliche Einnahmequellen. Allerdings sei das Einsparpotenzial außerhalb der strategischen Militärausgaben und der Sozialausgaben begrenzt. Als Einnahmequellen käme bspw. die zusätzliche Besteuerung des Öl- und Gassektors zustande, der dank der RUB (Russischer Rubel)-Abwertung trotz des Ölpreis-Einbruchs solide Gewinne erwirtschafte, oder die Belebung des Privatisierungsprogramms.

Die Analysten würden erwarten, dass am Ende eine Maßnahmenmischung zustande komme und das Budgetdefizit bei rund 3,5% des BIP liege. Es falle der Regierung allerdings sichtlich schwer, den Sparplan festzuzurren. Beschlossen seien bislang nur wenige Maßnahmen, wie z.B. die Anhebung der Kraftstoffverbrauchssteuer. Unter Druck der Ratingagenturen sollte dieser Monat mehr Klarheit über die Budgetplanung verschaffen. Die Analysten würden derzeit davon ausgehen, dass die geplanten Maßnahmen ausreichend sein würden, um einem Downgrade zu entgehen. Mittelfristig seien die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen sowie die Dynamik der Öl- und Gaspreise für das russische Rating entscheidend. Bislang könne bei diesen zwei Faktoren nicht von einer ausgeprägten Entspannung die Rede sein, und so bleibe der Bonitätsausblickweiterhin negativ. (Ausgabe vom 15.03.2016) (16.03.2016/alc/a/a)