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Russische Anleihen profitieren von leichter Entspannung in der Ukraine-Krise
13.06.14 11:32
Raiffeisen Capital Management
Wien (www.anleihencheck.de) - Die Ukraine-Krise zeigt mittlerweile Anzeichen einer leichten Entspannung, so die Experten von Raiffeisen Capital Management in ihrem aktuellen "emreport".
Die ukrainische Präsidentschaftswahl Ende Mai habe bereits im ersten Wahlgang mit dem Milliardär Petro Poroschenko einen klaren Sieger hervorgebracht. Russland habe das Ergebnis akzeptiert und habe nun immerhin auch einen klaren Ansprechpartner in Kiew bei den Verhandlungen über offene Gasrechnungen und künftige Gaspreise. Andererseits seien Ost- und Südukraine mehr denn je Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen; die politische Spaltung der Ukraine vertiefe sich eher, als dass sie abnehme.
Dennoch hätten Anleihen von der leichten Deeskalation profitiert und der Rubel sei im Mai die stärkste Währung der Region gewesen. Für die Zentralbank sei das eine willkommene Entwicklung angesichts der zu hohen Inflation, die aktuell bei 7,3% p.a. liege. Die zwei Zinsanhebungen (von 5,5% auf aktuell 7,5%) im März bzw. April, um den Rubel zu unterstützen, dürften wohl vorerst bestehen bleiben, auch wenn der Notenbank angesichts der schwächeren Konjunktur ein tieferes Zinsniveau sicherlich lieber wäre.
Richtungsweisend für eine stärkere Orientierung Russlands in Richtung Asien dürfte ein umgerechnet rund 400 Milliarden Dollar schwerer Vertrag mit China über russische Gaslieferungen ab 2020 und den Bau entsprechender Pipelines sein. Der nach zehnjährigen Verhandlungen abgeschlossene Vertrag laufe über 30 Jahre und dürfte Russlands Position gegenüber dem Westen stärken, zumal man mit China auch militärisch wesentlich enger zusammenarbeiten wolle und möglicherweise weitere Verträge über wirtschaftliche Kooperationen folgen würden.
Signifikant sei auch, dass beide Länder den US-Dollar als Abwicklungswährung umgehen würden. Russland habe klar signalisiert, dass dies ein Modell für künftige Verträge mit anderen Staaten sein könnte, beispielsweise dem Iran oder Japan. Nach China setze damit nun auch Russland erste signifikante Schritte gegen die bislang weitgehend unumschränkte Herrschaft des "Petro-Dollars" in der Weltwirtschaft.
Der Aktienmarkt habe all diese Entwicklungen mit einer kräftigen Erholung quittiert. Mit einem Plus von rund 10% im Mai liege der MICEX nun deutlich über dem Wert, den er Anfang März gehabt habe, als Russland militärisch auf der Krim eingegriffen sei. Trotz der langfristig teilweise sehr attraktiven Bewertungen sei eine weitere durchgreifende Erholung des Aktienmarktes aber wohl nur dann zu erwarten, wenn es zu einer Konfliktbeilegung zwischen Russland und dem Westen und/oder zu einer deutlichen Konjunkturbelebung komme. (Ausgabe Juni 2014) (13.06.2014/alc/a/a)
Die ukrainische Präsidentschaftswahl Ende Mai habe bereits im ersten Wahlgang mit dem Milliardär Petro Poroschenko einen klaren Sieger hervorgebracht. Russland habe das Ergebnis akzeptiert und habe nun immerhin auch einen klaren Ansprechpartner in Kiew bei den Verhandlungen über offene Gasrechnungen und künftige Gaspreise. Andererseits seien Ost- und Südukraine mehr denn je Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen; die politische Spaltung der Ukraine vertiefe sich eher, als dass sie abnehme.
Richtungsweisend für eine stärkere Orientierung Russlands in Richtung Asien dürfte ein umgerechnet rund 400 Milliarden Dollar schwerer Vertrag mit China über russische Gaslieferungen ab 2020 und den Bau entsprechender Pipelines sein. Der nach zehnjährigen Verhandlungen abgeschlossene Vertrag laufe über 30 Jahre und dürfte Russlands Position gegenüber dem Westen stärken, zumal man mit China auch militärisch wesentlich enger zusammenarbeiten wolle und möglicherweise weitere Verträge über wirtschaftliche Kooperationen folgen würden.
Signifikant sei auch, dass beide Länder den US-Dollar als Abwicklungswährung umgehen würden. Russland habe klar signalisiert, dass dies ein Modell für künftige Verträge mit anderen Staaten sein könnte, beispielsweise dem Iran oder Japan. Nach China setze damit nun auch Russland erste signifikante Schritte gegen die bislang weitgehend unumschränkte Herrschaft des "Petro-Dollars" in der Weltwirtschaft.
Der Aktienmarkt habe all diese Entwicklungen mit einer kräftigen Erholung quittiert. Mit einem Plus von rund 10% im Mai liege der MICEX nun deutlich über dem Wert, den er Anfang März gehabt habe, als Russland militärisch auf der Krim eingegriffen sei. Trotz der langfristig teilweise sehr attraktiven Bewertungen sei eine weitere durchgreifende Erholung des Aktienmarktes aber wohl nur dann zu erwarten, wenn es zu einer Konfliktbeilegung zwischen Russland und dem Westen und/oder zu einer deutlichen Konjunkturbelebung komme. (Ausgabe Juni 2014) (13.06.2014/alc/a/a)


