Rumänien: Zentralbank zieht das Tempo der Leitzinsanhebungen an


08.07.22 11:15
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die rumänische Volkswirtschaft zählt in der EU zu denjenigen, die am besten durch die Pandemie gekommen sind: Bereits 2021 wurde das Vorkrisenniveau beim BIP erreicht, berichten die Analysten der DekaBank.

Auch im ersten Quartal 2022 habe Rumänien dank der soliden Inlandsnachfrage noch eine beachtliche Wachstumsrate von 5,2% gegenüber dem Vorquartal ausgewiesen. Angesichts der anhaltenden makroökonomischen Ungleichgewichte Rumäniens sei das starke konsumgetriebene Wachstum eher keine gute Nachricht. Schien das Inflationsproblem in Rumänien im Vergleich zu den anderen Ländern der Region zunächst noch moderat, hat der Preisschub bei den Lebensmittel- und Energiepreisen die Inflationsrate deutlich in die Höhe getrieben, obwohl die Preisanstiege bei der Energie seitens der Politik teilweise eingedämmt wurden, so die Analysten der DekaBank. Die Zentralbanken der anderen mitteleuropäischen Länder hätten angesichts des Währungsabwertungsdruck mit einem höheren Tempo an Leitzinsanhebungen reagiert.

Auch die Rumänische Zentralbank ziehe nun nach: Am 6. Juli sei der Leitzins um 100 Bp auf 4,75% angehoben worden, auch wenn die Zentralbank nach wie vor exogene Preisschocks als Inflationsursache anführe. Das Zinsniveau bleibe allerdings weiterhin unterdurchschnittlich für die Region. Sollten die Märkte auch Rumänien unter Druck setzen, werde die Zentralbank daher mit drastischen Anhebungen reagieren müssen. Das Land weise seit Jahren ein Leistungsbilanzdefizit aus, und auch die Haushaltskonsolidierung zähle nicht zu den Stärken der zahlreichen Regierungen der vergangenen Jahre. Dieses Jahr dürfte das Budgetdefizit aufgrund der bereits angekündigten und möglichen weiteren Stützungsmaßnahmen für die Wirtschaft im Allgemeinen und einkommensschwache Haushalte im Besonderen höher als die geplanten 6,2% des BIP ausfallen.

Die russische Invasion in der Ukraine stelle einen erheblichen makroökonomischen Gegenwind dar, da sie die kurzfristigen Risiken für Wachstum, Inflation und die öffentlichen Finanzen erhöhe. Die Handels- und Exportbeziehungen (einschließlich Energie) mit Russland seien begrenzt. Rumänien sei eines der wenigen EU-Länder, die einen Großteil ihres Gasbedarfs (80%) durch eigene Förderung abdecken würden. Doch ein starker Anstieg der Rohstoffpreise, angebotsseitige Störungen und ein schwächeres Wachstum der anderen EU-Staaten, den wichtigsten Handelspartnern Rumäniens, würden sich negativ auswirken. Auf der Gegenseite würden die EU-Mittel aus der Aufbau- und Resilienzfazilität mit voraussichtlich 4 Mrd. Euro (3,8% des BIP) sowie der verbesserten Absorption der üblichen EU-Fördermittel einen wichtigen Beitrag zur Investitionstätigkeit leisten.

Die drei großen Ratingagenturen seien sich in Bezug auf die Einstufung der Bonität Rumäniens auf der untersten Stufe des Investment-Grade-Bereichs einig, Fitch vergebe allerdings einen negativen Ratingausblick. Rumänien blicke auf einige sehr turbulente politische Jahre zurück. Die große Koalition aus der MitteLinks-PSD und der Mitte-Rechts-PNL, die sich nach der Regierungskrise im Herbst 2021 gebildet habe, habe sich bislang trotz enormer Meinungsverschiedenheiten in der Vergangenheit als stabil erwiesen. Allerdings stehe bislang die Krisenbewältigung, zunächst die Pandemie und nun der Ukraine-Krieg, im Vordergrund, während der Fortschritt bei den strukturellen Reformen (z.B. Rentenreform) weiterhin auf sich warten lasse. Dank dem geringen Wachstumseinbruch in der Corona-Krise halte sich der Anstieg der öffentlichen Verschuldung in Relation zum BIP in Grenzen, doch die inhärente politische Instabilität sowie die hartnäckigen Zwillingsdefizite würden ein Einschwenken auf einen positiven Ratingtrend verhindern. (Ausgabe vom 07.07.2022) (08.07.2022/alc/a/a)






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