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Rumänien: Kurs auf Leitzinssenkungen schon im Frühjahr
12.03.24 12:40
DekaBank
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die regionale Konjunkturschwäche hat im letzten Quar tal 2023 Rumänien erreicht: Das reale BIP ist im Vergleich zum Vorquartal um 0,5% geschrumpft, so die Analysten der DekaBank.
Im Vorjahresvergleich sei die Wirtschaftsleistung (saisonbereinigt) lediglich um 1,1% yoy gewachsen. Der private Konsum und die Investitionstätigkeit seien dabei im noch im positiven Terrain geblieben, die Konsumausgaben des Staates und die Exportschwäche hätten negativ zu Buche geschlagen. Der Rückgang der Inflationsraten sei in Rumänien etwas weniger ausgeprägt als in anderen Ländern der Region. Im Januar 2024 seien die Verbraucherpreise aufgrund von Sondereffekten gar angestiegen: auf 7,4% yoy von 6,6% yoy im Dezember 2023. Die Kerninflation habe mit 8,2% yoy ebenfalls deutlich oberhalb des Zentralbankziels von 2,5% +/-1 Pp gelegen. Die Rumänische Zentralbank erwarte, dass die Verbraucherpreisdynamik Ende 2024 4,7% yoy betrage und erst am Jahresende 2025 die obere Grenze des Zielkorridors erreiche. Doch die Rumänische Zentralbank, für die die Stabilität des Leu-Wechselkurses im Fokus stehe, positioniere sich langsam für die erwartete Leitzinssenkung der EZB im Juni 2024. Bei der Vorstellung des Inflationsberichts im Februar habe Gouverneur Isarescu angedeutet, dass die Zentralbank lediglich eine Bestätigung dafür sehen wolle, dass der Disinflationsprozess nach dem Anstieg im Januar wieder Fahrt aufnehme, bevor sie eine Leitzinssenkung erwäge. Das spreche für den ersten Zinsschritt bereits im Mai.
Die Analysten der DekaBank schätzen den Spielraum für Leitzinssenkungen dieses Jahr allerdings mit höchstens 100 Bp ausgehend vom aktuellen Zinsniveau von 7,0% als gering ein, denn angesichts der fiskalischen Expansion im Superwahljahr und der Möglichkeit der Abschaffung der Energiesubventionen aus dem Jahre 2022 würden weiterhin pro-inflationäre Risiken dominieren.
Die EU-Mittel aus der Aufbau- und Resilienzfazilität mit voraussichtlich 4 Mrd. Euro (3,8% des BIP) sowie die verbesserte Absorption der üblichen EU Fördermittel würden einen wichtigen Beitrag zur Investitionstätigkeit leisten. Die Schwäche der europäischen Industrie dürfte allerdings 2024 die rumänische Konjunktur weiterhin belasten. Rumänien sei eines der wenigen EU-Länder, die einen Großteil ihres Gasbedarfs (80%) durch eigene Förderung abdecken würden. Somit müsse das Land sich nach dem voraussichtlichen Ende des Gastransits über die Ukraine ab 2025 keine Gedanken über Alternativrouten machen.
Rumänien verzeichne nach wie vor hohe Budget- und Leistungsbilanzdefizite, doch dank der hohen Zuteilung der Mittel aus der Aufbau- und Resilienzfazilität der EU könne das Leistungsbilanzdefizit teilweise finanziert werden. Die fiskalische Glaubwürdigkeit sei das größere Problem, denn Rumänien habe historisch häufig die Budgetziele verfehlt. Im vergangenen Jahr sei dies erneut der Fall gewesen: Das Budgetdefizit habe voraussichtlich 6,3% der BIP statt der ursprünglich angesetzten 4,4% betragen. Der Wahlzyklus und die für dieses Jahr angesetzten deutlichen Rentenerhöhungen würden die Konsolidierung erschweren. Die Kosten der geplanten Rentenreform dürften ab 2025 mit auf 1,7% zu Buche schlagen. Die Präsidentschaftswahlen im September und die Parlamentswahlen im Dezember 2024 würden einen zusätzlichen Unsicherheitsfaktor bringen. Die große Koalition zwischen der sozialdemokratischen PSD und der liberalen PNL habe in den vergangenen Jahren deutlich besser als erwartet funktioniert, doch der Wahlkampf könnte zu neuen Turbulenzen führen. Ein weiteres Risiko ergebe sich aus der steigenden Popularität der rechten Parteien. Die Bonität Rumäniens werde derzeit von allen drei großen Ratingagenturen an der unteren Stufe des Investment Grade mit einem stabilen Ausblick gesehen. Die gestiegene Unsicherheit in Bezug auf die Fiskalpolitik sei bei den Ratingagenturen bereits auf Kritik gestoßen. Eine Herabstufung in den spekulativen Bereich bleibe aus heutiger Sicht aber lediglich ein Risikoszenario. (12.03.2024/alc/a/a)
Im Vorjahresvergleich sei die Wirtschaftsleistung (saisonbereinigt) lediglich um 1,1% yoy gewachsen. Der private Konsum und die Investitionstätigkeit seien dabei im noch im positiven Terrain geblieben, die Konsumausgaben des Staates und die Exportschwäche hätten negativ zu Buche geschlagen. Der Rückgang der Inflationsraten sei in Rumänien etwas weniger ausgeprägt als in anderen Ländern der Region. Im Januar 2024 seien die Verbraucherpreise aufgrund von Sondereffekten gar angestiegen: auf 7,4% yoy von 6,6% yoy im Dezember 2023. Die Kerninflation habe mit 8,2% yoy ebenfalls deutlich oberhalb des Zentralbankziels von 2,5% +/-1 Pp gelegen. Die Rumänische Zentralbank erwarte, dass die Verbraucherpreisdynamik Ende 2024 4,7% yoy betrage und erst am Jahresende 2025 die obere Grenze des Zielkorridors erreiche. Doch die Rumänische Zentralbank, für die die Stabilität des Leu-Wechselkurses im Fokus stehe, positioniere sich langsam für die erwartete Leitzinssenkung der EZB im Juni 2024. Bei der Vorstellung des Inflationsberichts im Februar habe Gouverneur Isarescu angedeutet, dass die Zentralbank lediglich eine Bestätigung dafür sehen wolle, dass der Disinflationsprozess nach dem Anstieg im Januar wieder Fahrt aufnehme, bevor sie eine Leitzinssenkung erwäge. Das spreche für den ersten Zinsschritt bereits im Mai.
Die EU-Mittel aus der Aufbau- und Resilienzfazilität mit voraussichtlich 4 Mrd. Euro (3,8% des BIP) sowie die verbesserte Absorption der üblichen EU Fördermittel würden einen wichtigen Beitrag zur Investitionstätigkeit leisten. Die Schwäche der europäischen Industrie dürfte allerdings 2024 die rumänische Konjunktur weiterhin belasten. Rumänien sei eines der wenigen EU-Länder, die einen Großteil ihres Gasbedarfs (80%) durch eigene Förderung abdecken würden. Somit müsse das Land sich nach dem voraussichtlichen Ende des Gastransits über die Ukraine ab 2025 keine Gedanken über Alternativrouten machen.
Rumänien verzeichne nach wie vor hohe Budget- und Leistungsbilanzdefizite, doch dank der hohen Zuteilung der Mittel aus der Aufbau- und Resilienzfazilität der EU könne das Leistungsbilanzdefizit teilweise finanziert werden. Die fiskalische Glaubwürdigkeit sei das größere Problem, denn Rumänien habe historisch häufig die Budgetziele verfehlt. Im vergangenen Jahr sei dies erneut der Fall gewesen: Das Budgetdefizit habe voraussichtlich 6,3% der BIP statt der ursprünglich angesetzten 4,4% betragen. Der Wahlzyklus und die für dieses Jahr angesetzten deutlichen Rentenerhöhungen würden die Konsolidierung erschweren. Die Kosten der geplanten Rentenreform dürften ab 2025 mit auf 1,7% zu Buche schlagen. Die Präsidentschaftswahlen im September und die Parlamentswahlen im Dezember 2024 würden einen zusätzlichen Unsicherheitsfaktor bringen. Die große Koalition zwischen der sozialdemokratischen PSD und der liberalen PNL habe in den vergangenen Jahren deutlich besser als erwartet funktioniert, doch der Wahlkampf könnte zu neuen Turbulenzen führen. Ein weiteres Risiko ergebe sich aus der steigenden Popularität der rechten Parteien. Die Bonität Rumäniens werde derzeit von allen drei großen Ratingagenturen an der unteren Stufe des Investment Grade mit einem stabilen Ausblick gesehen. Die gestiegene Unsicherheit in Bezug auf die Fiskalpolitik sei bei den Ratingagenturen bereits auf Kritik gestoßen. Eine Herabstufung in den spekulativen Bereich bleibe aus heutiger Sicht aber lediglich ein Risikoszenario. (12.03.2024/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 2,15 % | 2,15 % | - % | 0,00% | 31.05./17:30 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| XFARIV001614 | 2,65 % | 2,15 % | ||


