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Rückkehr der Inflation ein Hirngespinst?
28.05.21 09:15
Carmignac Gestion
Luxemburg (www.anleihencheck.de) - Vorhersagen der Inflationsentwicklung sind wie Vorhersagen von Devisenkursen schwierig für Volkswirte, so Didier Saint-Georges, Mitglied des Investmentkomitees bei Carmignac.
Es seien so viele Kriterien im Spiel, die sich gegenseitig beeinflussen und im Laufe der Zeit verändern würden. Bei diesen Themen seien Vorhersagen der künftigen Entwicklung häufig eine zweischneidige Angelegenheit.
Einen kräftigen Inflationsanstieg habe man beispielsweise in den Monaten nach der Finanzkrise von 2008 erwartet. Aus damaliger Sicht seien die von den Zentralbanken weltweit aufgelegten Hilfsprogramme für den Aufkauf von Finanzanlagen gigantisch gewesen. Die meisten Volkswirte seien seinerzeit der Ansicht gewesen, dass das Anwerfen der Gelddruckmaschinen zu einem beträchtlichen Inflationsrisiko führe. Dieses Szenario habe sich in den vergangenen zehn Jahren nicht bewahrheitet, im Gegenteil: Keine Preissteigerungen und das schleppende Wirtschaftswachstum hätten die Norm gebildet. Überschuldete Volkswirtschaften seien so abgestraft worden und Unternehmen hätten ihre Preise nicht erhöhen können.
Alle Gründe dieser anhaltenden Deflation im Detail darzustellen, würde den Rahmen dieses kurzen Kommentars sprengen. Aber eine ganz wichtige Tatsache, der man sich bewusst sein müsse, sei, dass der Großteil dieser "Geldschöpfung" nie in der Realwirtschaft angekommen sei. Einerseits seien die Banken kaum bereit gewesen, das Risiko einzugehen, ihren Kunden Darlehen einzuräumen. Diese Zurückhaltung sei durch die Verschärfung der Regulierung nach der Krise von 2008 noch gefördert worden. Und andererseits seien Privatpersonen und Unternehmen ebenfalls vorsichtig gewesen, weshalb die von den Zentralbanken bereitgestellten Gelder weder den Konsum noch die Investitionen angekurbelt hätten. Im Grunde sei diese Liquidität im Finanzsystem hängengeblieben. So seien es Aktien und Anleihen gewesen, die ziemlich dramatisch angestiegen seien, und nicht die Preise der Konsumgüter. Die großen Gewinner der vergangenen zwölf Jahre seien die Anleger gewesen.
Das Gespenst einer Inflationswelle werde zwölf Jahre später erneut heraufbeschworen. Gemessen am vergangenen Jahr liege es klar auf der Hand, dass das Phänomen kurzfristig unabwendbar sei: Die Verbraucherpreise würden in den kommenden Wochen höher sein als im Frühjahr 2020, als viele Konsumenten das Haus nicht hätten verlassen dürfen. Zudem könnte das Phänomen verstärkt und länger anhalten. Der Grund? In dem Moment, in dem sich die Nachfrage erhole, sei das Angebot der Unternehmen nach wie vor durch die Lockdown-Vorschriften eingeschränkt, die sich seit einem Jahr auf die Produktion ausgewirkt hätten. Der weltweit spürbare Preisanstieg bestimmter Rohstoffe in den vergangenen zwölf Monaten, wie Kupfer oder Halbleiter, rufe das eiserne Gesetz von Angebot und Nachfrage für Preise von Waren und Dienstleistungen ins Gedächtnis. In den USA sei die Wirtschaft bereits weitestgehend geöffnet und das Phänomen sei sichtbar. Der Preisindex für April habe alle Prognosen der Volkswirte übertroffen.
Die wichtigste Frage bleibe jedoch, wie sich die Inflation über den kurzfristigen Zeitraum hinaus entwickle. Könnte die größtenteils überschätzte Tendenz der Inflationsentwicklung der Volkswirte zu Beginn des vorigen Jahres dieses Mal zu einer Unterschätzung für die Zukunft führen? Für Sparer sei diese Fragestellung von größter Bedeutung, da sich zwischen der Handhabung der Krise von 2008 und der von 2020 etwas grundlegend geändert habe.
Dieses Mal habe man aus dem "Fehler" von 2009 gelernt. Damit die Krise der Realwirtschaft zugutekomme, und nicht nur den Finanzwerten, und dadurch Ungleichheiten entstünden, hätten die Staaten Verantwortung übernommen. Dieses Mal seien fast durchgängig Hilfspakete geschnürt worden, die gewährleistet hätten, dass die "Geldschöpfung" (Zuschüsse, garantierte Kredite, Subventionen, öffentliche Investitionen usw.) Einzelpersonen und Unternehmen zur Verfügung gestanden habe. Die Zentralbanken seien nicht mehr die Einzigen, die das Sagen hätten. In den USA habe Größe und Umfang des Engagements der Biden-Administration Roosevelts Konjunkturpaket in den 1930er Jahren übertroffen. Es sei fast so, als ob Joe Biden die liberale Wirtschaftsideologie der vergangenen vierzig Jahre umstoße. In den USA habe Ronald Reagan diese Politik ins Leben gerufen, die von Margaret Thatcher in Europa unterstützt worden sei und weniger Staat, Regulierung, Steuern und mehr Globalisierung zum Ziel gehabt habe. Der Verdacht sei daher berechtigt, dass der lang anhaltende Trend der Deflation der letzten Jahrzehnte unterminiert werden könnte. Die fehlende Inflation habe noch bis vor kurzem zu einem ununterbrochenen Zinsrückgang geführt.
Eine Bestätigung hierfür erhalten wir allerdings nicht sofort, so die Experten von Carmignac. Die Überschuldung des vergangenen Jahrzehnts sei kein unerhebliches Hindernis für den Anstieg der Inflation und der Zinsen. Das Risiko sei in Europa weitaus geringer. Hier erscheine aufgrund der Unterbeschäftigung, der strukturellen Wachstumsbremsen und der relativ moderaten Konjunkturprogramme eine Änderung der Inflationsentwicklung weniger wahrscheinlich.
In den kommenden Monaten würden sich die Gemüter wahrscheinlich infolge der Wiedereröffnung der Wirtschaft und der vielfältigen Unterbrechungen der Lieferketten auf einen Anstieg der Inflationsrate gefasst machen müssen. Selbst wenn diese Inflation zum Teil nur vorübergehend ist, so hat uns die Vergangenheit gelehrt, dass eine nachhaltige Rückkehr der Inflation von Finanzanlagen hin zur Realwirtschaft kategorisch mit Vorsicht zu prognostizieren ist, so die Experten von Carmignac. Dennoch müssten die Märkte diese Möglichkeit ernsthaft in Erwägung ziehen. Die herkömmlichen Modelle der Volkswirte, anhand denen sie in einem solchen neuen Zusammenhang die künftige Inflation antizipieren könnten, würden dazu sicherlich nicht ausreichen. Dieses Risiko allein rechtfertige eine erhöhte Wachsamkeit der Sparer. Ihre Anlagen, die seit Jahren stillschweigend in niedrig verzinste Anleihen investiert worden seien, würden durch eine Rückkehr der Inflation deutlich benachteiligt. (28.05.2021/alc/a/a)
Es seien so viele Kriterien im Spiel, die sich gegenseitig beeinflussen und im Laufe der Zeit verändern würden. Bei diesen Themen seien Vorhersagen der künftigen Entwicklung häufig eine zweischneidige Angelegenheit.
Einen kräftigen Inflationsanstieg habe man beispielsweise in den Monaten nach der Finanzkrise von 2008 erwartet. Aus damaliger Sicht seien die von den Zentralbanken weltweit aufgelegten Hilfsprogramme für den Aufkauf von Finanzanlagen gigantisch gewesen. Die meisten Volkswirte seien seinerzeit der Ansicht gewesen, dass das Anwerfen der Gelddruckmaschinen zu einem beträchtlichen Inflationsrisiko führe. Dieses Szenario habe sich in den vergangenen zehn Jahren nicht bewahrheitet, im Gegenteil: Keine Preissteigerungen und das schleppende Wirtschaftswachstum hätten die Norm gebildet. Überschuldete Volkswirtschaften seien so abgestraft worden und Unternehmen hätten ihre Preise nicht erhöhen können.
Alle Gründe dieser anhaltenden Deflation im Detail darzustellen, würde den Rahmen dieses kurzen Kommentars sprengen. Aber eine ganz wichtige Tatsache, der man sich bewusst sein müsse, sei, dass der Großteil dieser "Geldschöpfung" nie in der Realwirtschaft angekommen sei. Einerseits seien die Banken kaum bereit gewesen, das Risiko einzugehen, ihren Kunden Darlehen einzuräumen. Diese Zurückhaltung sei durch die Verschärfung der Regulierung nach der Krise von 2008 noch gefördert worden. Und andererseits seien Privatpersonen und Unternehmen ebenfalls vorsichtig gewesen, weshalb die von den Zentralbanken bereitgestellten Gelder weder den Konsum noch die Investitionen angekurbelt hätten. Im Grunde sei diese Liquidität im Finanzsystem hängengeblieben. So seien es Aktien und Anleihen gewesen, die ziemlich dramatisch angestiegen seien, und nicht die Preise der Konsumgüter. Die großen Gewinner der vergangenen zwölf Jahre seien die Anleger gewesen.
Die wichtigste Frage bleibe jedoch, wie sich die Inflation über den kurzfristigen Zeitraum hinaus entwickle. Könnte die größtenteils überschätzte Tendenz der Inflationsentwicklung der Volkswirte zu Beginn des vorigen Jahres dieses Mal zu einer Unterschätzung für die Zukunft führen? Für Sparer sei diese Fragestellung von größter Bedeutung, da sich zwischen der Handhabung der Krise von 2008 und der von 2020 etwas grundlegend geändert habe.
Dieses Mal habe man aus dem "Fehler" von 2009 gelernt. Damit die Krise der Realwirtschaft zugutekomme, und nicht nur den Finanzwerten, und dadurch Ungleichheiten entstünden, hätten die Staaten Verantwortung übernommen. Dieses Mal seien fast durchgängig Hilfspakete geschnürt worden, die gewährleistet hätten, dass die "Geldschöpfung" (Zuschüsse, garantierte Kredite, Subventionen, öffentliche Investitionen usw.) Einzelpersonen und Unternehmen zur Verfügung gestanden habe. Die Zentralbanken seien nicht mehr die Einzigen, die das Sagen hätten. In den USA habe Größe und Umfang des Engagements der Biden-Administration Roosevelts Konjunkturpaket in den 1930er Jahren übertroffen. Es sei fast so, als ob Joe Biden die liberale Wirtschaftsideologie der vergangenen vierzig Jahre umstoße. In den USA habe Ronald Reagan diese Politik ins Leben gerufen, die von Margaret Thatcher in Europa unterstützt worden sei und weniger Staat, Regulierung, Steuern und mehr Globalisierung zum Ziel gehabt habe. Der Verdacht sei daher berechtigt, dass der lang anhaltende Trend der Deflation der letzten Jahrzehnte unterminiert werden könnte. Die fehlende Inflation habe noch bis vor kurzem zu einem ununterbrochenen Zinsrückgang geführt.
Eine Bestätigung hierfür erhalten wir allerdings nicht sofort, so die Experten von Carmignac. Die Überschuldung des vergangenen Jahrzehnts sei kein unerhebliches Hindernis für den Anstieg der Inflation und der Zinsen. Das Risiko sei in Europa weitaus geringer. Hier erscheine aufgrund der Unterbeschäftigung, der strukturellen Wachstumsbremsen und der relativ moderaten Konjunkturprogramme eine Änderung der Inflationsentwicklung weniger wahrscheinlich.
In den kommenden Monaten würden sich die Gemüter wahrscheinlich infolge der Wiedereröffnung der Wirtschaft und der vielfältigen Unterbrechungen der Lieferketten auf einen Anstieg der Inflationsrate gefasst machen müssen. Selbst wenn diese Inflation zum Teil nur vorübergehend ist, so hat uns die Vergangenheit gelehrt, dass eine nachhaltige Rückkehr der Inflation von Finanzanlagen hin zur Realwirtschaft kategorisch mit Vorsicht zu prognostizieren ist, so die Experten von Carmignac. Dennoch müssten die Märkte diese Möglichkeit ernsthaft in Erwägung ziehen. Die herkömmlichen Modelle der Volkswirte, anhand denen sie in einem solchen neuen Zusammenhang die künftige Inflation antizipieren könnten, würden dazu sicherlich nicht ausreichen. Dieses Risiko allein rechtfertige eine erhöhte Wachsamkeit der Sparer. Ihre Anlagen, die seit Jahren stillschweigend in niedrig verzinste Anleihen investiert worden seien, würden durch eine Rückkehr der Inflation deutlich benachteiligt. (28.05.2021/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 2,70 % | 1,90 % | 0,80 % | +42,11% | 17.04./22:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| 2,70 % | 1,80 % | |||


