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Rollentausch: Schwellenländeranleihen erweisen sich als stabil


17.02.22 10:00
State Street Global Advisors

Boston (www.anleihencheck.de) - Der Beginn eines Zinserhöhungszyklus der Federal Reserve (FED) ist für Anleger in Schwellenländeranleihen (EMD) in der Regel eine ziemlich traumatische Erfahrung, so die Experten von State Street Global Advisors in ihrem aktuellen "SPDR Strategie Espresso".

Der Bloomberg EM Local Currency Liquid Government Index sei im Vorfeld der Zinserhöhung im Dezember 2015 um mehr als 13% gegenüber den Durchschnittswerten des ersten Halbjahres 2015 gefallen. Die Befürchtung, dass sich dies wiederholen könnte, und die unerwartete Stärke des US-Dollar hätten die Anleger im Jahr 2021 an der Seitenlinie gehalten. Der Bond Compass für Q1 2022 zeige, dass Geldanleger zwischen Frühjahr 2021 und Jahresende Netto-Verkäufer von Schwellenländeranleihen in Landeswährung im Vergleich zu den Benchmarks gewesen seien.

Der Beginn des Jahres 2022 stelle so etwas wie einen Rollentausch dar. Die Ängste vor einer aggressiven Straffung der FED hätten zugenommen, doch die Schulden der Schwellenländer hätten sich als stabil erwiesen. Es seien die entwickelten Märkte (DM), die sowohl an den Anleihe- als auch an den Aktienmärkten erhebliche Volatilität und Kursverluste zu verzeichnen gehabt hätten. Die zu Jahresbeginn gestiegene Risikobereitschaft möge einige Anleger dazu ermutigt haben, wieder in Schwellenländermärkte einzusteigen. Aktuell gebe es jedoch einige Gründe, warum die Kräfte, die Schwellenländer 2021 erschüttert hätten, nun nachlassen könnten.

Die FED und andere DM-Zentralbanken stünden aktuell unter Druck, weil der Markt denke, dass sie im Trend zurücklägen. Die Inflation habe sich nicht (wie erwartet) als vorübergehend erwiesen, sondern sei stärker als erwartet angestiegen, und viele Zentralbanken hätten trotz angespannter Arbeitsmärkte ihre extrem restriktiven politischen Einstellungen beibehalten. Die Zentralbanken der Schwellenländer hätten jedoch auf die Inflation reagiert und die Zinssätze trotz der in vielen Fällen recht schwerwiegenden wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie von ihren Tiefstständen angehoben. Der Höhepunkt des Zinsstraffungsdrucks sei Mitte Dezember 2021 erreicht worden und lasse nun langsam nach.

Es möge verfrüht sein, ein Ende des Inflationsanstiegs auszurufen, der die Zentralbanken so beunruhigt habe. Allerdings gibt es einige Anzeichen dafür, dass der Höhepunkt des Inflationsdrucks in vielen Schwellenländern nun hinter uns liegen könnte, so die Experten von State Street Global Advisors. Wie State Street Global Markets in einem kürzlich veröffentlichten Bericht hervorgehoben habe, deute der Indikator für den Preisdruck (PriceStats®) darauf hin, dass der Inflationsimpuls in mehreren großen Schwellenländern etwas nachlasse.

Die wichtigsten Erkenntnisse seien, dass die Preise für Non-Food-Supermärkte in China nach wie vor niedrig seien, dass die Inflation in Südkorea und Mexiko Ende 2021 ihren Höchststand erreicht haben könnte und dass die PriceStats-Reihe in Brasilien einen deutlichen Rückgang verzeichnet habe. Während also die hohen Energiepreise und die Unterbrechung der Lieferkette die Inflation auf einem hohen Niveau halten würden, gebe es einige Anzeichen dafür, dass der Druck zu Beginn des Jahres 2022 nachlassen dürfte.

Die Stärke des US-Dollar sei den Schwellenländeranlegern im Jahr 2021 ein ständiger Dorn im Auge gewesen. Im Laufe des Jahres habe die Abwertung der Schwellenländerwährungen gegenüber dem US-Dollar die Performance des Bloomberg EM Local Currency Liquid Government Index um 5,5% belastet. Der DXY (der handelsgewichtete USD) habe Anfang 2022 aufgrund von Befürchtungen über eine aggressive Straffung der FED-Politik den höchsten Stand seit Mitte 2020 erreicht.

Seitdem sei der Preis des im Dezember zu erwartenden FED Funds Future weiter gesunken, was darauf hindeute, dass die FED in diesem Jahr eine weitere Straffung vornehmen werde. Der US-Dollar sei jedoch zurückgefallen. Zwar würde eine große Risikoverringerung den US-Dollar begünstigen, doch deute die geringe Zugkraft durch gestiegene Zinserwartungen darauf hin, dass der US-Dollar nur schwer nach oben drängen könne. Außer die FED löse einen echten Schock aus, z.B. eine Straffung der Politik in größeren Schritten als die erwarteten 50 Basispunkte.

Die Anleiherenditen würden weltweit steigen, aber die Kunst für festverzinsliche Anleger bestehe darin, sich höhere Renditen zu sichern und gleichzeitig zu versuchen, das Risiko sinkender Vermögenswerte zu minimieren. DM-Anleger würden wahrscheinlich weiterhin vorsichtig sein, wenn es darum gehe, Long-Positionen aufzubauen und höhere Renditen zu erzielen, bevor mehr Klarheit über die Inflationsentwicklung bestehe.

Im Gegensatz dazu hätten sich die EM-Anleihen als bemerkenswert stabil erwiesen. Die Renditen des Bloomberg EM Local Currency Liquid Government Index hätten sich seit Ende 2021 um etwa 10 Basispunkte auf 5,3% erhöht, während der Bloomberg US Treasury Index um mehr als 50 Basispunkte auf 1,75% gestiegen sei. Mit der Entscheidung für Staatsanleihen der Schwellenländer im Vergleich zu US-Treasuries würden Anleger einen Renditevorteil von über 350 Basispunkten erzielen und auf der Grundlage der Kursentwicklung der letzten Wochen auch eine stabilere Gesamtrendite erzielen.

Die Schwellenländer hätten weiterhin mit dem Problem der Pandemie und der hohen Inflation zu kämpfen. Das Risiko bestehe auch darin, dass man nicht wisse, wohin sich der US-Dollar entwickeln werde. Die bisher im Jahr 2022 gezeigte Widerstandsfähigkeit deutet jedoch darauf hin, dass die Zentralbanken der Schwellenländer im Kampf gegen die Inflation einen Vorsprung zu haben scheinen, was Anleihen und Lokalwährungen eine gewisse Stabilität verleiht, so die Experten von State Street Global Advisors.

Stabilität in Verbindung mit Renditeniveaus, die auf dem höchsten Stand seit Mitte 2019 seien, sollte das Vertrauen stärken, dass sich EM-Lokalwährungsanleihen im Jahr 2022 gut entwickeln könnten, wenn die Inflation zu sinken beginne. Für Anleger, die weniger zuversichtlich seien, dass der Inflationsdruck nachlasse, könnten indexgebundene Anleihen einen gewissen Schutz bieten. (Ausgabe vom 16.02.2022) (17.02.2022/alc/a/a)