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Rettungsanker EZB?
06.06.19 12:00
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Steigende Konjunkturrisiken, rückläufige Inflationsraten und -erwartungen lassen die Marktteilnehmer wieder einmal erwartungsvoll zur EZB schielen, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.
Präsentiere sie sich erneut als Krisenmanager?
Er wachse schon wieder, der Druck auf die EZB. Denn heute, am 06.06., stehe wieder eine Zinssitzung an und das Umfeld habe sich zuletzt weiter verschlechtert. Erst im März habe die Notenbank mit der Verkündung neuer gezielter Langfristtender (TLTRO III) und der Verschiebung einer ersten Zinsanhebung in der Eurozone ihre Geldpolitik gelockert. Die Verschärfung des Handelskonfliktes zwischen den USA und China in den vergangenen Wochen habe die Abwärtsrisiken für die Weltwirtschaft spürbar erhöht. Ein Rezessionsszenario nehme konkretere Gestalt an. In dieses Fahrwasser würde natürlich auch die Eurozone geraten, mit einer deutlich schwächelnden Konjunkturentwicklung.
Zu den steigenden Konjunkturrisiken für die Eurozone würden zudem die weiter nachgebenden Inflationsraten kommen. So liege die Headline-Inflation im Mai nur noch bei 1,2% und damit deutlich unterhalb des Inflationsziels der EZB bei knapp 2%. Die Kernteuerung sei auf 0,8% gesunken. Im Herbst 2018 habe die Headline-Inflation noch bei rund 2,0% gelegen, die Kernteuerung bei rund 1,0%. Die EZB habe bislang immer ihre Zuversicht ausgedrückt, dass mit der sinkenden Arbeitslosenquote in der Eurozone der Lohndruck zunehme und sich das mittelfristig in wieder steigenden Inflationsraten äußere.
Doch mit den zunehmenden Konjunkturrisiken dürfte sich dieser Inflationsausblick nach unten verschieben. Darüber hinaus würden die Inflationserwartungen sinken - etwas, was von den Währungshütern noch sehr viel kritischer gesehen werden könnte. Die 5y5y Forward-Inflationserwartungen lägen nur noch bei 1,3%, ein spürbarer Rückgang im Vergleich zu 1,7% im Herbst 2018. Auch die langfristigen Inflationserwartungen der professionellen Forecaster seien rückläufig. Noch sei der Rückgang der 5y5y Inflationserwartungen nicht so gravierend wie vor dem Beschluss der öffentlichen Anleihekäufe. Damals habe die Notenbank diesen Schritt mit den spürbar gesunkenen Inflationserwartungen begründet. Doch der Rückgang könne sich auch weiter fortsetzen.
Was mache die EZB aus dieser Gemengelage? Grundsätzlich gebe es zwei Möglichkeiten. Sie könnte (zunächst) durch die gestiegenen Abwärtsrisiken für die Inflation hindurchsehen und betonen, dass sie diese genau beobachte, aber an mittelfristig wieder höhere Teuerungsraten glaube. Kurzfristig könnten die Inflationsraten daher vom Preisziel der Notenbank abweichen. Die höheren Konjunkturrisiken würde sie ebenfalls im Blick behalten, noch seien es aber nur Risiken und ihre derzeitige Geldpolitik sei schon ausreichend locker.
Die andere Möglichkeit sei, dass die Notenbank die zunehmenden Risiken kritisch sehe und ihre Handlungsbereitschaft betone. Dabei sei noch nicht mit der Ankündigung von konkreten Schritten zu rechnen, denn dafür dürfte die Konsensbildung im EZB-Rat über die genauen Maßnahmen noch nicht weit genug fortgeschritten sein. Zudem dürften die zur Veröffentlichung anstehenden Prognosen (Inflation, BIP) die letzten Entwicklungen noch nicht abbilden.
Schaue man sich die Reaktionsfunktion der EZB in den vergangenen Jahren an, so sei diese eine des Krisenmanagements. Es sei also davon auszugehen, dass die Notenbanker mit weiteren geldpolitischen Maßnahmen auf die derzeitigen Entwicklungen reagieren würden - vor allem, wenn diese sich als nachhaltiger erweisen würden. Doch das Krisenmanagement werde schwieriger, denn der Instrumentenkoffer sei nicht mehr so prall gefüllt. Neue Nettoanleihekäufe? Möglich, aber nur, wenn die EZB ihre bisherigen Bedingungen für die Käufe ändere (33% Limit jeweils pro Emittent und Anleihe bei Käufen).
Senkung des Einlagezinssatzes und/oder Leitzinses? Möglich, aber wohl nur mit einer Staffelung des Einlagezinssatzes, um die Banken etwas zu entlasten. Letztlich dürften wohl nur neue Nettoanleihekäufe über genügend Durchschlagskraft verfügen. EZB-Präsident Mario Draghi könnte dafür grundsätzlich den Boden bereiten. Den Beschluss dazu dürfte er ggf. jedoch der Person überlassen, die das Ruder bei der EZB im November übernehme. Die Marktteilnehmer müssten sich daher noch gedulden. (06.06.2019/alc/a/a)
Präsentiere sie sich erneut als Krisenmanager?
Er wachse schon wieder, der Druck auf die EZB. Denn heute, am 06.06., stehe wieder eine Zinssitzung an und das Umfeld habe sich zuletzt weiter verschlechtert. Erst im März habe die Notenbank mit der Verkündung neuer gezielter Langfristtender (TLTRO III) und der Verschiebung einer ersten Zinsanhebung in der Eurozone ihre Geldpolitik gelockert. Die Verschärfung des Handelskonfliktes zwischen den USA und China in den vergangenen Wochen habe die Abwärtsrisiken für die Weltwirtschaft spürbar erhöht. Ein Rezessionsszenario nehme konkretere Gestalt an. In dieses Fahrwasser würde natürlich auch die Eurozone geraten, mit einer deutlich schwächelnden Konjunkturentwicklung.
Zu den steigenden Konjunkturrisiken für die Eurozone würden zudem die weiter nachgebenden Inflationsraten kommen. So liege die Headline-Inflation im Mai nur noch bei 1,2% und damit deutlich unterhalb des Inflationsziels der EZB bei knapp 2%. Die Kernteuerung sei auf 0,8% gesunken. Im Herbst 2018 habe die Headline-Inflation noch bei rund 2,0% gelegen, die Kernteuerung bei rund 1,0%. Die EZB habe bislang immer ihre Zuversicht ausgedrückt, dass mit der sinkenden Arbeitslosenquote in der Eurozone der Lohndruck zunehme und sich das mittelfristig in wieder steigenden Inflationsraten äußere.
Was mache die EZB aus dieser Gemengelage? Grundsätzlich gebe es zwei Möglichkeiten. Sie könnte (zunächst) durch die gestiegenen Abwärtsrisiken für die Inflation hindurchsehen und betonen, dass sie diese genau beobachte, aber an mittelfristig wieder höhere Teuerungsraten glaube. Kurzfristig könnten die Inflationsraten daher vom Preisziel der Notenbank abweichen. Die höheren Konjunkturrisiken würde sie ebenfalls im Blick behalten, noch seien es aber nur Risiken und ihre derzeitige Geldpolitik sei schon ausreichend locker.
Die andere Möglichkeit sei, dass die Notenbank die zunehmenden Risiken kritisch sehe und ihre Handlungsbereitschaft betone. Dabei sei noch nicht mit der Ankündigung von konkreten Schritten zu rechnen, denn dafür dürfte die Konsensbildung im EZB-Rat über die genauen Maßnahmen noch nicht weit genug fortgeschritten sein. Zudem dürften die zur Veröffentlichung anstehenden Prognosen (Inflation, BIP) die letzten Entwicklungen noch nicht abbilden.
Schaue man sich die Reaktionsfunktion der EZB in den vergangenen Jahren an, so sei diese eine des Krisenmanagements. Es sei also davon auszugehen, dass die Notenbanker mit weiteren geldpolitischen Maßnahmen auf die derzeitigen Entwicklungen reagieren würden - vor allem, wenn diese sich als nachhaltiger erweisen würden. Doch das Krisenmanagement werde schwieriger, denn der Instrumentenkoffer sei nicht mehr so prall gefüllt. Neue Nettoanleihekäufe? Möglich, aber nur, wenn die EZB ihre bisherigen Bedingungen für die Käufe ändere (33% Limit jeweils pro Emittent und Anleihe bei Käufen).
Senkung des Einlagezinssatzes und/oder Leitzinses? Möglich, aber wohl nur mit einer Staffelung des Einlagezinssatzes, um die Banken etwas zu entlasten. Letztlich dürften wohl nur neue Nettoanleihekäufe über genügend Durchschlagskraft verfügen. EZB-Präsident Mario Draghi könnte dafür grundsätzlich den Boden bereiten. Den Beschluss dazu dürfte er ggf. jedoch der Person überlassen, die das Ruder bei der EZB im November übernehme. Die Marktteilnehmer müssten sich daher noch gedulden. (06.06.2019/alc/a/a)


