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Rentenmarkt zwischen Konjunkturbelebung, niedriger Inflation und Ukraine-Sorgen
09.04.14 17:02
Nord LB
Hannover (www.anleihencheck.de) - Die deutsche Industrie kann mit dem bisherigen Jahresverlauf sehr zufrieden sein, so die Analysten der Nord LB.
Auch im Februar habe der Output noch einmal zugelegt (+0,4% M/M), die Jahresrate liege aktuell bei 4,8% Y/Y. Immerhin habe nun bereits den vierten Monat infolge die Industrieproduktion ausgeweitet werden können. Auch im Februar sei das Wetter außergewöhnlich mild geblieben, was vor allem dem Bausektor zugute gekommen sei. Der ungewöhnlich hohe Produktionswert aus dem Januar habe hier annähernd gehalten werden können (-0,1% M/M). Vom Bausektor werde im ersten Quartal somit ein deutlicher Wachstumsbeitrag für das Bruttoinlandsprodukt ausgehen. Spiegelbildlich dämpfe der milde Winter die Energieerzeugung (-0,9% M/M), was jedoch im gesamten Output des Produzierenden Gewerbes nur wenig ins Gewicht falle. Die Industrie habe erneut zugelegt und bleibe auf einem Wachstumspfad, auch wenn der Output wie schon im Vormonat nur leicht habe zulegen können (+0,5% M/M).
Grundsätzlich bleibe das Bild für die deutsche Industrie - und damit auch für die Gesamtwirtschaft - positiv. Die Auftragseingänge würden kontinuierlich zulegen und auch das Geschäftsklima notiere auf einem sehr hohen Niveau. Die jüngsten Rückgänge bei den Stimmungsindikatoren - auch die Aprilumfrage von Sentix reihe sich hier ein - sollten aus Sicht der Analysten nicht überdramatisiert werden, da dies vor allem eine Reaktion auf die Unsicherheiten durch den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine sein dürfte. Sofern sich keine weitere Eskalation in dieser Frage ergebe, sollten sich schon bald die positiven wirtschaftlichen Perspektiven wieder durchsetzen und die Stimmungslage verbessern.
Die Analysten der Nord LB bleiben jedenfalls - auch vor dem Hintergrund eines kräftigen BIP-Zuwachses zum Jahresauftakt - bei ihrer Prognose vom 2%-Wirtschaftswachstum in Deutschland für das laufende Jahr. Die Konjunkturlokomotive werde damit wie erwartet die Eurozone mit nach oben ziehen, dies werde bereits in den Zahlen für das 1. Quartal zum Ausdruck kommen.
Das Zinsniveau reagiere auf die deutlich anziehende Konjunktur bisher noch nicht in besonderem Maße, sehe man einmal von anhaltend rückläufigen Risikoprämien für südeuropäische Staaten ab. Die Bundrenditen würden sich derzeit vielmehr in einem Spannungsfeld zwischen einer durchaus robusteren Konjunktur auf der einen Seite und einem sehr gedämpften Inflationsdruck auf der anderen Seite bewegen. Zwar dürfte den Marktteilnehmern bewusst sein, dass die Preisdaten am aktuellen Rand auch durch einige Sondereffekte nach unten verzerrt ausgefallen seien. Solange die Inflationsrate jedoch so deutlich unter dem mittelfristigen Zielwert der EZB von knapp 2% Y/Y liege, werde wohl auch das Deflationsgespenst immer wieder beschworen werden. Hinzu komme, dass nicht ausgeschlossen werden könne, dass sich eine längere Phase sehr niedriger Inflation irgendwann doch auch in geringeren mittelfristigen Inflationserwartungen niederschlage. Auch EZB-Präsident Mario Draghi habe auf diese Problematik bei der Presskonferenz anlässlich des jüngsten Zinsentscheids in der vergangenen Woche hingewiesen.
Zu allem Überfluss hätten die Sorgen über eine mögliche weitere Eskalation des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine zuletzt zusätzliche Nahrung erhalten, vor allem aufgrund der neuen Spannungen im Osten der Ukraine. Hiermit steige das Risiko schärferer Wirtschaftssanktionen gegen Russland, was den konjunkturellen Aufschwung in Europa zumindest belasten dürfte. Vor diesem Hintergrund sei das derzeit gedämpfte Renditeniveau von knapp 1,6% bei zehnjährigen Bunds trotz des Ausblicks auf 2%-Wirtschaftswachstum in 2014 gut zu erklären.
Am Primärmarkt würden zwei Emissionen in dieser Woche besonders ins Auge fallen. Zum einen habe die Deutsche Finanzagentur am Dienstag einen Inflation-Linker begeben. Ungewöhnlich hieran sei die lange Laufzeit des Papiers gewesen, die bei einer Fälligkeit am 15. April 2030 immerhin 16 Jahre betrage. Im Ergebnis seien knapp EUR 1,8 Mrd. zugeteilt worden, wobei sich eine reale Emissionsrendite von 0,42% ergeben habe. Eine Anleihe mit vergleichbarer Laufzeit ohne Inflationsschutz rentiere am Markt aktuell mit etwas über 2%.
Dies seien jedoch nur wenig spektakuläre Neuigkeiten im Vergleich zu den sich verdichtenden Anzeichen einer Anleiheemission im Kapitalmarktsegment durch Griechenland. Erstmals seit vier Jahren möchten sich die Hellenen am Markt langfristig refinanzieren. Die Auktion für die fünfjährige Anleihe solle noch diese Woche durchgeführt werden und immerhin ein Volumen von EUR 2 Mrd. bis EUR 3 Mrd. einspielen. Die Griechen möchten die derzeit günstige Situation offenbar nutzen, um einen handfesten Beleg vonseiten der Kapitalmärkte für eine Besserung der Lage im eigenen Land zu erhalten.
Allerdings scheine die Schuldenkrise an den Märkten derzeit generell kaum noch eine Rolle zu spielen. Hinzu komme der starke Kapitalabzug aus den Emerging Markets, insbesondere zuletzt auch aus Russland. Wie dem auch sei, angesichts der aktuellen Marktdaten - zehnjährige griechische Anleihen würden aktuell deutlich unter 6% rentieren und für 6-Monatspapiere hätten die Griechen gestern nur noch eine Rendite von 3,01% bieten müssen - dürfte die geplante Auktion nicht nur gelingen, sondern auch hinsichtlich der Bewertung aus Sicht der griechischen Schuldenmanager erfolgreich verlaufen. Eine Rendite unter 5% ist im gegenwärtigen Marktumfeld aus Sicht der Analysten der Nord LB möglich - ob dies jedoch auch nachhaltig ist, darf man durchaus noch bezweifeln. (09.04.2014/alc/a/a)
Auch im Februar habe der Output noch einmal zugelegt (+0,4% M/M), die Jahresrate liege aktuell bei 4,8% Y/Y. Immerhin habe nun bereits den vierten Monat infolge die Industrieproduktion ausgeweitet werden können. Auch im Februar sei das Wetter außergewöhnlich mild geblieben, was vor allem dem Bausektor zugute gekommen sei. Der ungewöhnlich hohe Produktionswert aus dem Januar habe hier annähernd gehalten werden können (-0,1% M/M). Vom Bausektor werde im ersten Quartal somit ein deutlicher Wachstumsbeitrag für das Bruttoinlandsprodukt ausgehen. Spiegelbildlich dämpfe der milde Winter die Energieerzeugung (-0,9% M/M), was jedoch im gesamten Output des Produzierenden Gewerbes nur wenig ins Gewicht falle. Die Industrie habe erneut zugelegt und bleibe auf einem Wachstumspfad, auch wenn der Output wie schon im Vormonat nur leicht habe zulegen können (+0,5% M/M).
Grundsätzlich bleibe das Bild für die deutsche Industrie - und damit auch für die Gesamtwirtschaft - positiv. Die Auftragseingänge würden kontinuierlich zulegen und auch das Geschäftsklima notiere auf einem sehr hohen Niveau. Die jüngsten Rückgänge bei den Stimmungsindikatoren - auch die Aprilumfrage von Sentix reihe sich hier ein - sollten aus Sicht der Analysten nicht überdramatisiert werden, da dies vor allem eine Reaktion auf die Unsicherheiten durch den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine sein dürfte. Sofern sich keine weitere Eskalation in dieser Frage ergebe, sollten sich schon bald die positiven wirtschaftlichen Perspektiven wieder durchsetzen und die Stimmungslage verbessern.
Die Analysten der Nord LB bleiben jedenfalls - auch vor dem Hintergrund eines kräftigen BIP-Zuwachses zum Jahresauftakt - bei ihrer Prognose vom 2%-Wirtschaftswachstum in Deutschland für das laufende Jahr. Die Konjunkturlokomotive werde damit wie erwartet die Eurozone mit nach oben ziehen, dies werde bereits in den Zahlen für das 1. Quartal zum Ausdruck kommen.
Zu allem Überfluss hätten die Sorgen über eine mögliche weitere Eskalation des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine zuletzt zusätzliche Nahrung erhalten, vor allem aufgrund der neuen Spannungen im Osten der Ukraine. Hiermit steige das Risiko schärferer Wirtschaftssanktionen gegen Russland, was den konjunkturellen Aufschwung in Europa zumindest belasten dürfte. Vor diesem Hintergrund sei das derzeit gedämpfte Renditeniveau von knapp 1,6% bei zehnjährigen Bunds trotz des Ausblicks auf 2%-Wirtschaftswachstum in 2014 gut zu erklären.
Am Primärmarkt würden zwei Emissionen in dieser Woche besonders ins Auge fallen. Zum einen habe die Deutsche Finanzagentur am Dienstag einen Inflation-Linker begeben. Ungewöhnlich hieran sei die lange Laufzeit des Papiers gewesen, die bei einer Fälligkeit am 15. April 2030 immerhin 16 Jahre betrage. Im Ergebnis seien knapp EUR 1,8 Mrd. zugeteilt worden, wobei sich eine reale Emissionsrendite von 0,42% ergeben habe. Eine Anleihe mit vergleichbarer Laufzeit ohne Inflationsschutz rentiere am Markt aktuell mit etwas über 2%.
Dies seien jedoch nur wenig spektakuläre Neuigkeiten im Vergleich zu den sich verdichtenden Anzeichen einer Anleiheemission im Kapitalmarktsegment durch Griechenland. Erstmals seit vier Jahren möchten sich die Hellenen am Markt langfristig refinanzieren. Die Auktion für die fünfjährige Anleihe solle noch diese Woche durchgeführt werden und immerhin ein Volumen von EUR 2 Mrd. bis EUR 3 Mrd. einspielen. Die Griechen möchten die derzeit günstige Situation offenbar nutzen, um einen handfesten Beleg vonseiten der Kapitalmärkte für eine Besserung der Lage im eigenen Land zu erhalten.
Allerdings scheine die Schuldenkrise an den Märkten derzeit generell kaum noch eine Rolle zu spielen. Hinzu komme der starke Kapitalabzug aus den Emerging Markets, insbesondere zuletzt auch aus Russland. Wie dem auch sei, angesichts der aktuellen Marktdaten - zehnjährige griechische Anleihen würden aktuell deutlich unter 6% rentieren und für 6-Monatspapiere hätten die Griechen gestern nur noch eine Rendite von 3,01% bieten müssen - dürfte die geplante Auktion nicht nur gelingen, sondern auch hinsichtlich der Bewertung aus Sicht der griechischen Schuldenmanager erfolgreich verlaufen. Eine Rendite unter 5% ist im gegenwärtigen Marktumfeld aus Sicht der Analysten der Nord LB möglich - ob dies jedoch auch nachhaltig ist, darf man durchaus noch bezweifeln. (09.04.2014/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 2,70 % | 1,90 % | 0,80 % | +42,11% | 27.03./22:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| 2,70 % | 1,80 % | |||


