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Rentenmarkt: Auch die derzeit ungeliebten Schwellenländer beachten


24.05.13 15:28
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Wann fängt die amerikanische Notenbank FED an, auf die Bremse zu treten, fragen sich die Analysten der Weberbank.

Mit Argusaugen werde derzeit auf jede Äußerung der einzelnen Notenbankvertreter und allen voran deren Vorsitzendem Ben Bernanke geachtet. So auch wieder in dieser Woche, als er vor den US-Kongress getreten sei, um zur aktuellen Zinspolitik Stellung zu nehmen. Groß seien die Sorgen gewesen, dass die Liquiditätsversorgung verringert werden könnte. Würden doch insbesondere in einem wirtschaftlich fragilen Umfeld die Märkte in höherem Maße an den Stimulierungen der Notenbanken hängen. Doch vorerst könne Entwarnung gegeben werden: Noch sei die Konjunkturentwicklung zu schwach, als dass ein restriktiverer Pfad eingeschlagen werden könne.

Hinzu komme eine nicht zu unterschätzende Gefahr bei der Preisentwicklung. So seien die Verbraucherpreise in den USA zuletzt nur noch mit 1,1% gegenüber dem Vorjahr gestiegen - ein sehr niedriges Niveau, wie es grundsätzlich nur in rezessiven Phasen zu sehen sei. Würde die FED nun mit aller Kraft auf die Liquiditätsbremse treten, würden wahrscheinlich dem Wirtschaftsfahrzeug USA nicht nur alle vier Räder platzen, so dass es liegen bliebe, sondern auch noch eine akute Deflationsgefahr zum Vorschein kommen würden.

Und dass die Konjunktur in den USA noch nicht die gewünschte Dynamik aufgenommen habe, sei nun wahrlich kein Geheimnis. Schwache Vorlaufindikatoren, negative Produktions- bzw. Auftragszahlen und ein kurzfristig stagnierender Konsum würden alles andere als ein erfreuliches Bild zeigen. Wobei die Wirtschaft ja zumindest wachse. Was für das erste Quartal in Europa nicht gelte: Hier sei ein Rückgang gegenüber dem Vorjahresquartal von 1,0% zu verzeichnen gewesen. Und selbst gegenüber dem sehr schwachen vierten Quartal 2012 habe noch eine Verringerung von 0,2% verbucht werden müssen.

Es habe nur wenige Länder wie Deutschland gegeben, die sich ins Plus hätten retten können. Dennoch bleibe trotz der negativen Vorzeichen festzuhalten, dass sich in nahezu allen Staaten der Eurozone Verbesserungstendenzen gezeigt hätten. Insbesondere die letzten Zahlen von der Industrieproduktion würden ein wenig zuversichtlicher für die kommenden Monate stimmen.

Große Hoffnungen würden derzeit die Bewegungen an den internationalen Aktienmärkten prägen. Nachdem nun auch der deutsche Leitindex DAX sich zu neuen Höchstständen aufgeschwungen habe, seien schnell wieder zahlreiche Superlative für die weiteren Perspektiven zu vernehmen. Einige Marktteilnehmer würden bereits von der nun eingesetzten "großen Rotation" sprechen, womit der Tausch von niedrig verzinslichen Wertpapieren in Aktien gemeint sei. Und da die geschätzten Volumina, die sich in Anleihen befinden würden, unvorstellbare Größen einnehmen würden, seien natürlich mit dieser Theorie sehr hohe Erwartungen verbunden. Ob es wirklich dazu komme, werde wahrscheinlich auch erst im Nachhinein feststellbar sein. Zu konstatieren bleibt aber: Wir bewegen uns in zahlreichen Indices, wie beispielsweise dem S&P 500 Index, auf ungewohntem Terrain, so die Analysten der Weberbank.

Noch nie seien so hohe Kursniveaus erreicht worden. Für den DAX gelte dies aber nicht. Und das sollte eigentlich verwundern, denn wie zuvor geschrieben, habe auch der DAX neue Hochs markiert. Dabei sollte aber beachtet werden, dass dies nur auf den so genannten Performanceindex zutreffe. Also denjenigen, der auch die Dividendenzahlungen der Unternehmen mit berücksichtige. Und das sei im internationalen Vergleich eine untypische Betrachtungsweise. Ohne die Ausschüttungen der Unternehmen werde von Preisindices gesprochen. Und hier liege der DAX nicht bei rund 8.300 Punkten, sondern gerade einmal bei rund 4.400 Punkten und damit noch fast 30% unter seinem Hoch aus dem Jahr 2000.

Daraus sind zwei Schlüsse zu ziehen: Zum einen befinden wir uns nicht in der Orientierungslosigkeit, da noch gar keine neuen Hochs erreicht wurden, so die Analysten der Weberbank. Und zum zweiten sollten im internationalen Kontext auch Äpfel mit Äpfeln verglichen und somit Preisindices verwendet werden. Eine dritte und optimistische Schlussfolgerung sollte allerdings auch nicht unterschlagen werden: Diese schließe sich aus dem deutlichen Aufholpotenzial für den DAX Index, bis auch dieser die alten Hochs zumindest erreicht habe.

Mit erfreulichen Aktienmarktbewegungen würden in einigen alten Theorien negative Rentenmarktentwicklungen verbunden. Dass dies in der Vergangenheit immer nur für gewisse Zeiträume gegolten habe, sei hinlänglich bekannt. Aber dennoch hätte nach der sehr langen Phase niedriger Renditen durchaus auch mal eine Korrektur erfolgen können, ausgelöst durch die Preisexplosion am Aktienmarkt. Dem sei aber nicht so gewesen. Öffentliche Anleihen aus Deutschland hätten nur geringe Renditeanstiege verzeichnet, und die am Markt platzierten Neuemissionen seien sogar relativ gut aufgenommen worden. Und das, obwohl uns kein Anleger bekannt ist, der sich nicht über das niedrige Zinsniveau ärgert, so die Analysten der Weberbank.

Verwunderlicher sei aber viel mehr, dass dennoch relativ attraktive Rentensegmente nicht die erwartete Aufmerksamkeit bekommen und sich in ihrer Wertentwicklung in diesem Jahr relativ schwertun würden. Gerade für Anleihen aus Schwellenländern sei dieses Phänomen auffällig und führe dazu, dass die verhältnismäßige Attraktivität deutlich zugelegt habe. Daher empfehlen die Analysten der Weberbank nach wie vor, auch dieses Rentensegment genauer anzuschauen, insbesondere im Vergleich zu Unternehmensanleihen aus Europa. (24.05.2013/alc/a/a)