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Rentenmarkt im Zeichen von Ölpreis und US-Arbeitsmarkt
06.04.23 10:15
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Volatilität an den Anleihemärkten blieb auch in dieser Woche hoch, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.
Zwar sei mit Blick auf den Bankenstress etwas Ruhe an den Märkten eingekehrt, aber die Renditen der Staatsanleihen würden weit unter den Niveaus rangieren, die kurz vor der Regionalbankenkrise in den USA erreicht worden seien. Die Renditen auf zehnjährige T-Notes lägen aktuell bei 3,35% und die für zehnjährige Bunds bei 2,25% und damit auch im Vorwochenvergleich mit einer Tendenz nach unten. Auffällig sei die Bewegung der zweijährigen Renditen gewesen, die in den USA innerhalb von wenigen Tagen um rund 25 Basispunkte nachgegeben und damit die zunehmende Erwartung widergespiegelt hätten, dass die FED bald den Leitzins senken könnte, statt ihn anzuheben.
Dabei sei es nicht so gewesen, dass die Inflationsdaten den Anlegern eine klare Orientierung gegeben hätten. So sei die PCE-Inflation in den USA im Februar gefallen, die Kernrate jedoch nur marginal um 0,07 Prozentpunkte. In der Eurozone, wo der Rückgang der zweijährigen Bundrenditen wesentlich weniger ausgeprägt ausgefallen sei, sei die Gesamtinflationsrate sehr deutlich gefallen (von 8,5 auf 6,9%). Aber die Kernrate der Inflation sei erneut gestiegen (von 5,6 auf 5,7%).
Für Bewegung habe jedoch insbesondere die überraschende Entscheidung der OPEC+ gesorgt, die Ölfördermengen drastisch reduzieren zu wollen. Ab Mai sollten die Produktionsquoten um insgesamt 1,15 Million Barrel pro Tag zurückgenommen werden. Allein Saudi-Arabien plane nach eigenen Angaben eine Förderkürzung von 500.000 Barrel pro Tag. Die WTI-Rohöl-Futures hätten sich am Dienstag über der Marke von 81 USD pro Barrel gehalten, nachdem sie in der vorangegangenen Sitzung um mehr als 6% gestiegen seien.
Dass diese Nachricht von einem Rückgang der zweijährigen T-Notes-Renditen begleitet worden sei, spreche dafür, dass der inflationäre Effekt dieser Entscheidung weniger stark gewichtet werde und viele Anleger die negativen konjunkturellen Auswirkungen des OPEC-Beschlusses für wichtiger halten würden. Das sei bislang nicht die Position der Analysten.
Der Absturz der Renditen sei dann am Mittwoch massiv weiter gegangen. Für schlechte Stimmung in der US-Industrie hätten vor allem der im März eingetrübten ISM-Einkaufsmanagerindex, der im Vormonatsvergleich um 1,6 Punkte nachgelassen habe, sowie die Zahl der offenen Stellen in den USA gesorgt, die im Februar um 632.000 auf 9,9 Millionen gesunken sei, das sei der niedrigste Stand seit Mai 2021 und habe unter den Markterwartungen von 10,4 Millionen gelegen. Nun würden die Anleger daraus deuten, dass die Abkühlung der Konjunktur begonnen haben könnte und eine Rezession unmittelbar bevorstehe. Am Mittwoch allein seien die Renditen der zweijährigen T-Notes um etwa 20 BP auf 3,84% gefallen und die der zweijährigen Bunds immerhin um 15 BP auf 2,59%, ohne dass dazu negative Konjunkturdaten nötig gewesen wären.
In den USA scheine für die Märkte unter diesen Umständen eine Zinserhöhung bei der FOMC unwahrscheinlich, die Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung im Mai liege nun unter 50% und in der übernächsten Sitzung werde schon mit einer Zinssenkung gerechnet, sei aus den Terminmärkten abzuleiten. Nach dem vielen Hin und Her der letzten Wochen dürfe man hinterfragen, ob da die Märkte schon ihr letztes Wort gesprochen hätten. Die Analysten würden weiterhin von einer Zinserhöhung durch die FED im Mai ausgehen. So dürfte der höhere Ölpreis, wenn er sich auf diesem Niveau halte oder sogar weiter steige, den Basiseffekt beim Inflationsrückgang reduzieren, sodass die Teuerungsrate nicht so stark sinke.
In Frankfurt scheine das Führungsteam der EZB weiterhin vorwiegend mit der Inflation zu ringen. Denn EZB-Direktorin Isabel Schnabel habe bei einer Konferenz der National Association for Business Economics (NABE) in Washington angemerkt, dass die Kerninflation sich als hartnäckiger als die Gesamtinflation erweise und "natürlich verursacht das auch einige Kopfschmerzen für Notenbanker". Eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte bei der Sitzung Anfang Mai sei sehr wahrscheinlich. Ob es die letzte sein werde, sei keineswegs ausgemacht, auch wenn in den USA bereits über Senkungen spekuliert werde.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Staatspräsident Emmanuel Macron würden gemeinsam nach Peking reisen, um den chinesischen Präsidenten Xi zu treffen. Das jährliche Frühjahrstreffen der Weltbank und des IWF starte am 10. April in Washington. Das einwöchige Treffen biete internationalen Entscheidungsträgern die Möglichkeit zum Austausch über relevante Themen. Zu diesem Anlass werde der IWF auch seine neuen Wirtschafsprognosen im "World Economic Outlook" präsentieren. Außerdem würden wohl die Reden der FED-Mitglieder Bullard (St. Louis, 06.04.) und Kashkari (Minneapolis, 12.04.) besonders aufmerksam verfolgt, um zu sehen, wie der als sehr hawkish geltende Teil der FED die kürzlich veröffentlichten schwachen Konjunkturdaten für das FOMC-Meeting im Mai einschätze.
Datenseitig würden die Inflationszahlen (12.04.) in den USA erwartet, die aufgrund von Basiseffekten sinken dürften. Das Nowcast-Modell indiziere einen Rückgang von 6% im Februar auf 5,5% im März. Am 13.04. werde dann die Industrieproduktion in der Eurozone folgen, welche gestiegen sein dürfte, da bereits veröffentlichte Zahlen in Frankreich und Spanien dies nahelegen würden. Besonders heiß dürfte das Verbrauchervertrauen gemessen durch die Uni Michigan erwartet werden, da unklar sei, wie die Konsumenten auf die aufflammenden Rezessionsängste an den Märkten reagieren würden. (Ausgabe vom 05.04.2023) (06.04.2023/alc/a/a)
Zwar sei mit Blick auf den Bankenstress etwas Ruhe an den Märkten eingekehrt, aber die Renditen der Staatsanleihen würden weit unter den Niveaus rangieren, die kurz vor der Regionalbankenkrise in den USA erreicht worden seien. Die Renditen auf zehnjährige T-Notes lägen aktuell bei 3,35% und die für zehnjährige Bunds bei 2,25% und damit auch im Vorwochenvergleich mit einer Tendenz nach unten. Auffällig sei die Bewegung der zweijährigen Renditen gewesen, die in den USA innerhalb von wenigen Tagen um rund 25 Basispunkte nachgegeben und damit die zunehmende Erwartung widergespiegelt hätten, dass die FED bald den Leitzins senken könnte, statt ihn anzuheben.
Dabei sei es nicht so gewesen, dass die Inflationsdaten den Anlegern eine klare Orientierung gegeben hätten. So sei die PCE-Inflation in den USA im Februar gefallen, die Kernrate jedoch nur marginal um 0,07 Prozentpunkte. In der Eurozone, wo der Rückgang der zweijährigen Bundrenditen wesentlich weniger ausgeprägt ausgefallen sei, sei die Gesamtinflationsrate sehr deutlich gefallen (von 8,5 auf 6,9%). Aber die Kernrate der Inflation sei erneut gestiegen (von 5,6 auf 5,7%).
Für Bewegung habe jedoch insbesondere die überraschende Entscheidung der OPEC+ gesorgt, die Ölfördermengen drastisch reduzieren zu wollen. Ab Mai sollten die Produktionsquoten um insgesamt 1,15 Million Barrel pro Tag zurückgenommen werden. Allein Saudi-Arabien plane nach eigenen Angaben eine Förderkürzung von 500.000 Barrel pro Tag. Die WTI-Rohöl-Futures hätten sich am Dienstag über der Marke von 81 USD pro Barrel gehalten, nachdem sie in der vorangegangenen Sitzung um mehr als 6% gestiegen seien.
Der Absturz der Renditen sei dann am Mittwoch massiv weiter gegangen. Für schlechte Stimmung in der US-Industrie hätten vor allem der im März eingetrübten ISM-Einkaufsmanagerindex, der im Vormonatsvergleich um 1,6 Punkte nachgelassen habe, sowie die Zahl der offenen Stellen in den USA gesorgt, die im Februar um 632.000 auf 9,9 Millionen gesunken sei, das sei der niedrigste Stand seit Mai 2021 und habe unter den Markterwartungen von 10,4 Millionen gelegen. Nun würden die Anleger daraus deuten, dass die Abkühlung der Konjunktur begonnen haben könnte und eine Rezession unmittelbar bevorstehe. Am Mittwoch allein seien die Renditen der zweijährigen T-Notes um etwa 20 BP auf 3,84% gefallen und die der zweijährigen Bunds immerhin um 15 BP auf 2,59%, ohne dass dazu negative Konjunkturdaten nötig gewesen wären.
In den USA scheine für die Märkte unter diesen Umständen eine Zinserhöhung bei der FOMC unwahrscheinlich, die Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung im Mai liege nun unter 50% und in der übernächsten Sitzung werde schon mit einer Zinssenkung gerechnet, sei aus den Terminmärkten abzuleiten. Nach dem vielen Hin und Her der letzten Wochen dürfe man hinterfragen, ob da die Märkte schon ihr letztes Wort gesprochen hätten. Die Analysten würden weiterhin von einer Zinserhöhung durch die FED im Mai ausgehen. So dürfte der höhere Ölpreis, wenn er sich auf diesem Niveau halte oder sogar weiter steige, den Basiseffekt beim Inflationsrückgang reduzieren, sodass die Teuerungsrate nicht so stark sinke.
In Frankfurt scheine das Führungsteam der EZB weiterhin vorwiegend mit der Inflation zu ringen. Denn EZB-Direktorin Isabel Schnabel habe bei einer Konferenz der National Association for Business Economics (NABE) in Washington angemerkt, dass die Kerninflation sich als hartnäckiger als die Gesamtinflation erweise und "natürlich verursacht das auch einige Kopfschmerzen für Notenbanker". Eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte bei der Sitzung Anfang Mai sei sehr wahrscheinlich. Ob es die letzte sein werde, sei keineswegs ausgemacht, auch wenn in den USA bereits über Senkungen spekuliert werde.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Staatspräsident Emmanuel Macron würden gemeinsam nach Peking reisen, um den chinesischen Präsidenten Xi zu treffen. Das jährliche Frühjahrstreffen der Weltbank und des IWF starte am 10. April in Washington. Das einwöchige Treffen biete internationalen Entscheidungsträgern die Möglichkeit zum Austausch über relevante Themen. Zu diesem Anlass werde der IWF auch seine neuen Wirtschafsprognosen im "World Economic Outlook" präsentieren. Außerdem würden wohl die Reden der FED-Mitglieder Bullard (St. Louis, 06.04.) und Kashkari (Minneapolis, 12.04.) besonders aufmerksam verfolgt, um zu sehen, wie der als sehr hawkish geltende Teil der FED die kürzlich veröffentlichten schwachen Konjunkturdaten für das FOMC-Meeting im Mai einschätze.
Datenseitig würden die Inflationszahlen (12.04.) in den USA erwartet, die aufgrund von Basiseffekten sinken dürften. Das Nowcast-Modell indiziere einen Rückgang von 6% im Februar auf 5,5% im März. Am 13.04. werde dann die Industrieproduktion in der Eurozone folgen, welche gestiegen sein dürfte, da bereits veröffentlichte Zahlen in Frankreich und Spanien dies nahelegen würden. Besonders heiß dürfte das Verbrauchervertrauen gemessen durch die Uni Michigan erwartet werden, da unklar sei, wie die Konsumenten auf die aufflammenden Rezessionsängste an den Märkten reagieren würden. (Ausgabe vom 05.04.2023) (06.04.2023/alc/a/a)


