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Rentenmarkt: Welche Vorteile bieten Express-Aktienanleihen?
18.04.12 10:58
ZertifikateAnleger
Kiel (www.anleihencheck.de) - Harte Zeiten für Sparer in Deutschland: Die Rendite für zehnjährige deutsche Bundesanleihen ist gestern auf das Rekordtief von 1,628 Prozent gefallen, so die Experten vom "ZertifikateAnleger".
Die Angst vor einer Verschärfung der Finanzlage in Spanien habe offenbar viele Investoren in die als sicher geltenden deutschen Staatsanleihen getrieben. Dieses Zinsniveau reiche nicht einmal aus, um die aktuelle Inflation auszugleichen. Wer dem "Renditegrab fürs liebe Geld" (Börse ARD) entkommen wolle, habe es schwer: Ohne erhöhtes Risiko seien Alternativen kaum zu finden.
Zumindest den Wunsch nach fixen Kuponzahlungen würden auf dem Derivatemarkt die Aktienanleihen erfüllen. Laut Branchenverband DDV habe sich im Februar das ausstehende Volumen in dieser Produktklasse um rund 234 Millionen Euro erhöht. Das entspreche einem Zuwachs von mehr als sechs Prozent.
Aktienanleihen seien Wertpapiere, bei denen die emittierende Bank dem Anleger einen Zinskupon in fest stehender Höhe auszahle. Zwar würden sich Aktienanleihen auch auf einen Basiswert beziehen, die Zinszahlung sei jedoch von dessen Kursentwicklung unabhängig. Risikolos sei die Anlage damit nicht: Die Entwicklung des Basiswertes bestimme, ob die Anleger bei Fälligkeit den Nominalwert zurückerhalten würden.
Dazu werde bei Emission von klassischen Aktienanleihen ein Basispreis festgelegt, der als Richtmarke für die Tilgung diene. Notiere der Basiswert bei Fälligkeit auf oder über dem Basispreis, erhalte der Anleger den Nominalbetrag zurück. Liege er drunter, bekomme der Anleger in der Grundvariante das Aktienpaket ins Depot gebucht. Wie viele Aktien es seien, bestimme das Bezugsrecht, das bei Emission bereits feststehe.
Im schlimmsten Fall gehe dem Anleger der eingesetzte Nominalwert komplett verloren. Vor dem Kauf einer Aktienanleihe müssten sich Interessierte daher unbedingt mit dem Basiswert auseinandersetzen und sich eine Meinung zu dessen Kurspotenzial bilden, sage Dominik Auricht, Experte für Anlage- und Hebelprodukte bei der HypoVereinsbank onemarkets. "Die entscheidende Frage ist: Bin ich bereit, im Zweifel vom Gläubiger zum Aktionär zu werden?"
Gerade in Korrekturphasen würden viele Investoren die Möglichkeiten schätzten, die Aktienanleihen bieten würden. Dies gelte umso mehr, wenn die Anleihe zusätzlich mit einer Sicherheitsschwelle ausgestattet sei, sage Auricht. Die Rückzahlung bei Fälligkeit erfolge bei Aktienanleihen Plus Pro, die bei der HVB unter dem Titel "Aktienanleihe Protect" laufen würden, genau dann zum Nominalbetrag, wenn der Basiswert am Stichtag bei Fälligkeit auf oder über einer festgelegten Sicherheischwelle notiere. Diese liege in der Regel deutlich unterhalb des Referenzpreises vom Start der Anleihe.
Doch auch die Sicherheitsschwelle ändere nichts an einer wesentlichen Eigenschaft von Aktienanleihen: Die Besitzer würden zwar regelmäßige Kuponzahlungen erhalten, würden aber bei Fälligkeit nicht an möglichen Kurssteigerungen des Basiswertes beteiligt. Aktienanleihen seien Investments, die vor allem in Seitwärtsmärkten ihre Stärke ausspielen würden.
Damit im Falle einer Hausse an der Börse das investierte Geld nicht unnötig länger gebunden sei, würden Banken derzeit verstärkt Aktienanleihen mit Chance auf vorzeitige Rückzahlung anbieten, so genannte Express-Aktienanleihen. Diese Idee sei keinesfalls neu: So habe beispielsweise die Commerzbank schon 2009 Derivate dieser Art aufgelegt. Im gegenwärtigen Markturnfeld könnte die Struktur wieder verstärkt Investoren ansprechen, meine Dominik Auricht.
Insgesamt 40 "Express-Aktienanleihen Protect" auf elf verschiedene Aktien habe die HVB onemarkets aktuell im Programm. Noch voraussichtlich bis zum 11. Mai biete sie beispielsweise eine "Express Aktienanleihe Protect" (ISIN DE000HV51E34/ WKN HV51E3) auf die Aktie von Continental (ISIN DE0005439004/ WKN 543900) zur Zeichnung an. Die Eckdaten: drei Jahre Laufzeit, Zinskupon in Höhe von sieben Prozent per anno bezogen auf den Nominalwert, Sicherheitsschwelle bei 60 Prozent des Referenzpreises bei Emission.
Das Prinzip dieses Produktes entspreche dem einer "Aktienanleihe Protect", wobei zusätzlich an feststehenden Überprüfungsterminen während der Laufzeit kontrolliert werde, ob der Wert der zugrunde liegenden Aktie das Kursniveau bei Start der Anleihe erreiche oder übertreffe. Sei dies der Fall, werde die Anleihe vorzeitig fällig. Der Anleger bekomme den Nominalwert zurück und könne sein Kapital neu investieren. Alle weiteren Zinszahlungen, die beim Zertifikat vorgesehen gewesen seien, würden entfallen.
Neben der HypoVereinsbank habe auch die LBBW jetzt Aktienanleihen mit Expressmechanismus in ihr Angebot aufgenommen. "Wir haben überlegt, wie wir Anlegern, die an fixen Kuponzahlungen interessiert sind, derzeit attraktive Angebote machen können", sage Torsten Bischoff, Zertifikateexperte der Landesbank Baden-Württemberg. "Aktienanleihen erfreuen sich derzeit großer Beliebtheit, und warum sollen wir den Klassiker nicht besser machen, wenn es Sinn macht?"
Im Unterschied zur HVB entsprächen die Produkte der LBBW nicht Aktienanleihen Plus Pro, sondern klassischen Aktienanleihen, nur eben mit zusätzlichem Expressmechanismus. Drei Anleihen - erste Anleihe (ISIN DE000LB0MAX0/ WKN LB0MAX) auf BASF (ISIN DE000BASF111/ WKN BASF11), zweite (ISIN DE000LB0MAY8/ WKN LB0MAY) auf Daimler (ISIN DE0007100000/ WKN 710000) und dritte (ISIN DE000LB0MAZ5/ WKN LB0MAZ) auf Deutsche Bank (ISIN DE0005140008/ WKN 514000) - biete der Emittent zur Zeichnung an, die Zinskupons lägen zwischen 3,5 und 5,15 Prozent per anno. Der Basispreis sei mit 70 beziehungsweise 60 Prozent des jeweiligen Startwertes festgelegt worden und liege damit nicht so tief wie die Sicherheitsschwellen bei den HVB-Angeboten. Dafür würden mögliche Verluste bei Fälligkeit bei den LBBW-Anleihen dadurch reduziert, dass sich das Bezugsverhältnis auf den Basispreis beziehe und nicht auf den Kurs bei Start des Zertifikats.
An diesen Beispielen lasse sich erkennen, dass Interessierte viel mehr beachten sollten als nur die Höhe des Zinskupons und die Laufzeit. Sie sollten auch daran denken, dass sie im Gegensatz zum Direktinvestment auf Dividendenzahlungen verzichten würden. Zudem würden sie neben dem Kursrisiko das Ausfallrisiko des jeweiligen Emittenten tragen. Der Preis der Express-Aktien-Anleihen könne während der Laufzeit deutlich unter dem Startpreis liegen. Faktoren, die den Kurs der Anleihe beeinflussen würden, seien neben dem Wert der zugrunde liegenden Aktie die Volatilität des Aktienkurses und das allgemeine Zinsniveau. (Ausgabe 8 vom 17.04.2012) (18.04.2012/alc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.
Die Angst vor einer Verschärfung der Finanzlage in Spanien habe offenbar viele Investoren in die als sicher geltenden deutschen Staatsanleihen getrieben. Dieses Zinsniveau reiche nicht einmal aus, um die aktuelle Inflation auszugleichen. Wer dem "Renditegrab fürs liebe Geld" (Börse ARD) entkommen wolle, habe es schwer: Ohne erhöhtes Risiko seien Alternativen kaum zu finden.
Zumindest den Wunsch nach fixen Kuponzahlungen würden auf dem Derivatemarkt die Aktienanleihen erfüllen. Laut Branchenverband DDV habe sich im Februar das ausstehende Volumen in dieser Produktklasse um rund 234 Millionen Euro erhöht. Das entspreche einem Zuwachs von mehr als sechs Prozent.
Aktienanleihen seien Wertpapiere, bei denen die emittierende Bank dem Anleger einen Zinskupon in fest stehender Höhe auszahle. Zwar würden sich Aktienanleihen auch auf einen Basiswert beziehen, die Zinszahlung sei jedoch von dessen Kursentwicklung unabhängig. Risikolos sei die Anlage damit nicht: Die Entwicklung des Basiswertes bestimme, ob die Anleger bei Fälligkeit den Nominalwert zurückerhalten würden.
Dazu werde bei Emission von klassischen Aktienanleihen ein Basispreis festgelegt, der als Richtmarke für die Tilgung diene. Notiere der Basiswert bei Fälligkeit auf oder über dem Basispreis, erhalte der Anleger den Nominalbetrag zurück. Liege er drunter, bekomme der Anleger in der Grundvariante das Aktienpaket ins Depot gebucht. Wie viele Aktien es seien, bestimme das Bezugsrecht, das bei Emission bereits feststehe.
Im schlimmsten Fall gehe dem Anleger der eingesetzte Nominalwert komplett verloren. Vor dem Kauf einer Aktienanleihe müssten sich Interessierte daher unbedingt mit dem Basiswert auseinandersetzen und sich eine Meinung zu dessen Kurspotenzial bilden, sage Dominik Auricht, Experte für Anlage- und Hebelprodukte bei der HypoVereinsbank onemarkets. "Die entscheidende Frage ist: Bin ich bereit, im Zweifel vom Gläubiger zum Aktionär zu werden?"
Gerade in Korrekturphasen würden viele Investoren die Möglichkeiten schätzten, die Aktienanleihen bieten würden. Dies gelte umso mehr, wenn die Anleihe zusätzlich mit einer Sicherheitsschwelle ausgestattet sei, sage Auricht. Die Rückzahlung bei Fälligkeit erfolge bei Aktienanleihen Plus Pro, die bei der HVB unter dem Titel "Aktienanleihe Protect" laufen würden, genau dann zum Nominalbetrag, wenn der Basiswert am Stichtag bei Fälligkeit auf oder über einer festgelegten Sicherheischwelle notiere. Diese liege in der Regel deutlich unterhalb des Referenzpreises vom Start der Anleihe.
Damit im Falle einer Hausse an der Börse das investierte Geld nicht unnötig länger gebunden sei, würden Banken derzeit verstärkt Aktienanleihen mit Chance auf vorzeitige Rückzahlung anbieten, so genannte Express-Aktienanleihen. Diese Idee sei keinesfalls neu: So habe beispielsweise die Commerzbank schon 2009 Derivate dieser Art aufgelegt. Im gegenwärtigen Markturnfeld könnte die Struktur wieder verstärkt Investoren ansprechen, meine Dominik Auricht.
Insgesamt 40 "Express-Aktienanleihen Protect" auf elf verschiedene Aktien habe die HVB onemarkets aktuell im Programm. Noch voraussichtlich bis zum 11. Mai biete sie beispielsweise eine "Express Aktienanleihe Protect" (ISIN DE000HV51E34/ WKN HV51E3) auf die Aktie von Continental (ISIN DE0005439004/ WKN 543900) zur Zeichnung an. Die Eckdaten: drei Jahre Laufzeit, Zinskupon in Höhe von sieben Prozent per anno bezogen auf den Nominalwert, Sicherheitsschwelle bei 60 Prozent des Referenzpreises bei Emission.
Das Prinzip dieses Produktes entspreche dem einer "Aktienanleihe Protect", wobei zusätzlich an feststehenden Überprüfungsterminen während der Laufzeit kontrolliert werde, ob der Wert der zugrunde liegenden Aktie das Kursniveau bei Start der Anleihe erreiche oder übertreffe. Sei dies der Fall, werde die Anleihe vorzeitig fällig. Der Anleger bekomme den Nominalwert zurück und könne sein Kapital neu investieren. Alle weiteren Zinszahlungen, die beim Zertifikat vorgesehen gewesen seien, würden entfallen.
Neben der HypoVereinsbank habe auch die LBBW jetzt Aktienanleihen mit Expressmechanismus in ihr Angebot aufgenommen. "Wir haben überlegt, wie wir Anlegern, die an fixen Kuponzahlungen interessiert sind, derzeit attraktive Angebote machen können", sage Torsten Bischoff, Zertifikateexperte der Landesbank Baden-Württemberg. "Aktienanleihen erfreuen sich derzeit großer Beliebtheit, und warum sollen wir den Klassiker nicht besser machen, wenn es Sinn macht?"
Im Unterschied zur HVB entsprächen die Produkte der LBBW nicht Aktienanleihen Plus Pro, sondern klassischen Aktienanleihen, nur eben mit zusätzlichem Expressmechanismus. Drei Anleihen - erste Anleihe (ISIN DE000LB0MAX0/ WKN LB0MAX) auf BASF (ISIN DE000BASF111/ WKN BASF11), zweite (ISIN DE000LB0MAY8/ WKN LB0MAY) auf Daimler (ISIN DE0007100000/ WKN 710000) und dritte (ISIN DE000LB0MAZ5/ WKN LB0MAZ) auf Deutsche Bank (ISIN DE0005140008/ WKN 514000) - biete der Emittent zur Zeichnung an, die Zinskupons lägen zwischen 3,5 und 5,15 Prozent per anno. Der Basispreis sei mit 70 beziehungsweise 60 Prozent des jeweiligen Startwertes festgelegt worden und liege damit nicht so tief wie die Sicherheitsschwellen bei den HVB-Angeboten. Dafür würden mögliche Verluste bei Fälligkeit bei den LBBW-Anleihen dadurch reduziert, dass sich das Bezugsverhältnis auf den Basispreis beziehe und nicht auf den Kurs bei Start des Zertifikats.
An diesen Beispielen lasse sich erkennen, dass Interessierte viel mehr beachten sollten als nur die Höhe des Zinskupons und die Laufzeit. Sie sollten auch daran denken, dass sie im Gegensatz zum Direktinvestment auf Dividendenzahlungen verzichten würden. Zudem würden sie neben dem Kursrisiko das Ausfallrisiko des jeweiligen Emittenten tragen. Der Preis der Express-Aktien-Anleihen könne während der Laufzeit deutlich unter dem Startpreis liegen. Faktoren, die den Kurs der Anleihe beeinflussen würden, seien neben dem Wert der zugrunde liegenden Aktie die Volatilität des Aktienkurses und das allgemeine Zinsniveau. (Ausgabe 8 vom 17.04.2012) (18.04.2012/alc/a/a)
Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:
Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 28,91 € | 28,055 € | 0,855 € | +3,05% | 17.04./22:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| DE0005140008 | 514000 | 40,43 $ | 22,99 $ | |
Werte im Artikel




