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Rentenmarkt: Höhere Inflation könnte EZB unter Druck bringen
24.02.17 11:30
Postbank Research
Bonn (www.anleihencheck.de) - Nachdem die zehnjährige Bundrendite Ende Januar mit 0,5% den höchsten Stand seit rund einem Jahr erreicht hatte, setzte im Verlauf des Februars eine moderate Abwärtsbewegung ein, so die Analysten von Postbank Research.
Aktuell würden Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren bei 0,3% rentieren. In den USA sei eine ähnliche Entwicklung der Staatsanleiherenditen zu beobachten gewesen. Im Vormonatsvergleich falle der Rückgang dort aber nicht ganz so groß aus. Fundamentale Impulse für die Renditebewegung am aktuellen Rand würden sich kaum ausmachen lassen. Die Konjunktur präsentiere sich im Euroraum zu Jahresbeginn unverändert in einer erstaunlich robusten Verfassung. Zwar habe es vereinzelt enttäuschende Daten gegeben, insgesamt würden die makroökonomischen Frühindikatoren aber auf eine Fortsetzung des Aufschwungs in diesem Jahr weisen. Die BIP-Wachstumsrate in Deutschland und im gesamten Euroraum dürfte sich dabei unter Berücksichtigung des Arbeitstageeffektes in der Nähe der Vorjahresrate bewegen. In den USA sei dagegen mit einer deutlichen Beschleunigung der Wachstumsdynamik zu rechnen.
Die Inflation habe sich zuletzt stärker erhöht, als noch vor kurzem erwartet worden sei. Im Euroraum habe sie im Januar 2017 bei 1,8% und damit bereits sehr nahe am Inflationsziel der EZB gelegen. Allerdings sei der Anstieg vor allem auf Basiseffekte aus dem Ölpreisanstieg sowie auf höhere Nahrungsmittelpreise zurückzuführen. Die Kerninflation habe zu Jahresbeginn mit 0,9% nach wie vor auf einem moderaten Niveau gelegen. Gleichwohl würden der Anstieg der Energiepreise sowie die Trendwende bei den Erzeuger- und Importpreisen auch bei der Kerninflation einen kontinuierlichen Anstieg erwarten lassen. Die Märkte hätten auf die jüngsten Zahlen mit einer deutlichen Aufwärtskorrektur der Inflationserwartungen reagiert. Innerhalb weniger Monate seien die aus inflationsindexierten Swaps abgeleiteten mittelfristigen Preissteigerungserwartungen von 1,25% auf zuletzt knapp 1,8% angestiegen. Damit lägen auch die Inflationswartungen wieder nahe am EZB-Ziel von knapp 2%. Gleichzeitig hätten sich die Preiserwartungen der Konsumenten im Euroraum sprunghaft erhöht. Das Risiko einer deflationären Entwicklung, das nach Erachten der Analysten ohnehin nie sehr hoch gewesen sei, tendiere dementsprechend gegen Null.
Die Analysten würden erwarten, dass die EWU-Inflation in den kommenden Monaten weitgehend in der Nähe des aktuellen Niveaus verharren werde. Lediglich im Falle eines weiteren deutlichen Anstiegs der Ölpreise, den die Analysten für unwahrscheinlich halten würden, sollte die Inflationsrate signifikant und nachhaltig über die 2%-Marke steigen. Da die höheren Inflationserwartungen am Markt bereits eingepreist seien, sei im weiteren Jahresverlauf von dieser Seite kaum mehr mit Impulsen für die Kapitalmarktrenditen zu rechnen. Allerdings dürfte der Druck auf die EZB, frühzeitig weitere Maßnahmen zur Rückführung ihrer ultraexpansiven Geldpolitik zu ergreifen, bei einem Anstieg der Kerninflation zunehmen.
Die Analysten würden erwarten, dass die Notenbank spätestens gegen Ende des dritten Quartals eine weitere Rückführung ihrer Anleihekäufe beschließen werde. In einem solchen Umfeld würden sie dann ein Potenzial für moderat höhere Renditen sehen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen erwarte man in zwölf Monaten bei 0,6%. Für eine solche Marktentwicklung spreche auch, dass die von Donald Trump angekündigten Konjunkturmaßnahmen im zweiten Halbjahr 2017 greifen und zu einem höheren BIP-Wachstum in den USA führen dürften. Die US-Notenbank könnte sich dann zu einer Verschärfung ihres Zinserhöhungskurses gezwungen sehen, um wachsende Inflationsgefahren einzudämmen. Es sei davon auszugehen, dass höhere US-Zinsen auch zu einem Anstieg der Renditen im Euroraum führen würden.
Nach der durch die überraschende Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten ausgelösten Euphorie scheine an den Märkten zuletzt wieder etwas Risikobewusstsein zurückgekehrt zu sein. Vor allem in Europa würden mit den anstehenden Wahlen in den Niederlanden und in Frankreich potenzielle Gefahren für die Stabilität der Europäischen Union lauern. Weitere substanzielle Risiken gebe es mit Blick auf den veränderten handels- und sicherheitspolitischen Kurs der USA sowie den Brexit, das Hilfspaket für Griechenland und die politische Situation in Italien.
Die erhöhte Unsicherheit spiegle sich in einer Ausweitung der Risikoprämien für Anleihen der EuroPeripheriestaaten wider. Der Spread italienischer und spanischer Staatsanleihen zu deutschen Bundesanleihen habe im Zehn-Jahresbereich in der Spitze um bis zu gut 40 Basispunkte zugenommen. Auch französische Staatsanleihen seien betroffen gewesen, auch wenn die Spreaderhöhung mit rund 25 Basispunkten hier deutlich moderater ausgefallen sei. Angesichts der potenziell enormen Auswirkungen der genannten Risikofaktoren sei die Marktreaktion damit aber verhalten ausgefallen. Im historischen Vergleich lägen die Risikoaufschläge für italienische und spanische Staatsanleihen immer noch auf einem moderaten Niveau. Dies dürfte vor allem auf die massiven Eingriffe der EZB am Markt für Staatsanleihen zurückzuführen sein.
Zudem sei bekannt geworden, dass die Währungshüter auf ihrer geldpolitischen Sitzung im Januar über eine mögliche Abweichung der Anleihekäufe vom EZB-Kapitalschlüssel diskutiert hätten. In der Folge hätten sich die Risikoaufschläge wieder leicht zurückgebildet, da eine solche Maßnahme in erster Linie den Staatsanleihen der Peripherieländer zugutekommen würde. Es sei allerdings nicht zu erwarten, dass die EZB das Grundprinzip des Anleiheerwerbs entsprechend dem Kapitalschlüssel ganz aufgeben werde, da dies kaum mit EU-Recht und den Aufgaben der Notenbank vereinbar wäre. Daher werde im EZB-Rat auch nur eine begrenzte und temporäre Abweichung in Erwägung gezogen. Einen nachhaltigen und massiven Renditerückgang bei Peripherieanleihen infolge einer veränderten geldpolitischen Strategie halte man denn auch für unwahrscheinlich.
Bei den Überlegungen vom Kapitalschlüssel abzuweichen, scheine auch eine Rolle zu spielen, dass vor allem die Notenbanken in den Kernländern der Eurozone immer stärker gezwungen seien, Anleihen mit einer negativen Rendite anzukaufen. Dies werfe auf lange Sicht die Frage nach einer Belastung der Ertragssituation von Notenbanken und damit letztendlich den Kosten für die Steuerzahler auf. Da italienische und spanische Staatsanleihen überwiegend eine positive Rendite aufweisen würden, würde eine Verschiebung der Ankäufe zugunsten der Peripherieländer das Problem zumindest abmildern. (Perspektiven März 2017) (24.02.2017/alc/a/a)
Aktuell würden Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren bei 0,3% rentieren. In den USA sei eine ähnliche Entwicklung der Staatsanleiherenditen zu beobachten gewesen. Im Vormonatsvergleich falle der Rückgang dort aber nicht ganz so groß aus. Fundamentale Impulse für die Renditebewegung am aktuellen Rand würden sich kaum ausmachen lassen. Die Konjunktur präsentiere sich im Euroraum zu Jahresbeginn unverändert in einer erstaunlich robusten Verfassung. Zwar habe es vereinzelt enttäuschende Daten gegeben, insgesamt würden die makroökonomischen Frühindikatoren aber auf eine Fortsetzung des Aufschwungs in diesem Jahr weisen. Die BIP-Wachstumsrate in Deutschland und im gesamten Euroraum dürfte sich dabei unter Berücksichtigung des Arbeitstageeffektes in der Nähe der Vorjahresrate bewegen. In den USA sei dagegen mit einer deutlichen Beschleunigung der Wachstumsdynamik zu rechnen.
Die Inflation habe sich zuletzt stärker erhöht, als noch vor kurzem erwartet worden sei. Im Euroraum habe sie im Januar 2017 bei 1,8% und damit bereits sehr nahe am Inflationsziel der EZB gelegen. Allerdings sei der Anstieg vor allem auf Basiseffekte aus dem Ölpreisanstieg sowie auf höhere Nahrungsmittelpreise zurückzuführen. Die Kerninflation habe zu Jahresbeginn mit 0,9% nach wie vor auf einem moderaten Niveau gelegen. Gleichwohl würden der Anstieg der Energiepreise sowie die Trendwende bei den Erzeuger- und Importpreisen auch bei der Kerninflation einen kontinuierlichen Anstieg erwarten lassen. Die Märkte hätten auf die jüngsten Zahlen mit einer deutlichen Aufwärtskorrektur der Inflationserwartungen reagiert. Innerhalb weniger Monate seien die aus inflationsindexierten Swaps abgeleiteten mittelfristigen Preissteigerungserwartungen von 1,25% auf zuletzt knapp 1,8% angestiegen. Damit lägen auch die Inflationswartungen wieder nahe am EZB-Ziel von knapp 2%. Gleichzeitig hätten sich die Preiserwartungen der Konsumenten im Euroraum sprunghaft erhöht. Das Risiko einer deflationären Entwicklung, das nach Erachten der Analysten ohnehin nie sehr hoch gewesen sei, tendiere dementsprechend gegen Null.
Die Analysten würden erwarten, dass die EWU-Inflation in den kommenden Monaten weitgehend in der Nähe des aktuellen Niveaus verharren werde. Lediglich im Falle eines weiteren deutlichen Anstiegs der Ölpreise, den die Analysten für unwahrscheinlich halten würden, sollte die Inflationsrate signifikant und nachhaltig über die 2%-Marke steigen. Da die höheren Inflationserwartungen am Markt bereits eingepreist seien, sei im weiteren Jahresverlauf von dieser Seite kaum mehr mit Impulsen für die Kapitalmarktrenditen zu rechnen. Allerdings dürfte der Druck auf die EZB, frühzeitig weitere Maßnahmen zur Rückführung ihrer ultraexpansiven Geldpolitik zu ergreifen, bei einem Anstieg der Kerninflation zunehmen.
Nach der durch die überraschende Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten ausgelösten Euphorie scheine an den Märkten zuletzt wieder etwas Risikobewusstsein zurückgekehrt zu sein. Vor allem in Europa würden mit den anstehenden Wahlen in den Niederlanden und in Frankreich potenzielle Gefahren für die Stabilität der Europäischen Union lauern. Weitere substanzielle Risiken gebe es mit Blick auf den veränderten handels- und sicherheitspolitischen Kurs der USA sowie den Brexit, das Hilfspaket für Griechenland und die politische Situation in Italien.
Die erhöhte Unsicherheit spiegle sich in einer Ausweitung der Risikoprämien für Anleihen der EuroPeripheriestaaten wider. Der Spread italienischer und spanischer Staatsanleihen zu deutschen Bundesanleihen habe im Zehn-Jahresbereich in der Spitze um bis zu gut 40 Basispunkte zugenommen. Auch französische Staatsanleihen seien betroffen gewesen, auch wenn die Spreaderhöhung mit rund 25 Basispunkten hier deutlich moderater ausgefallen sei. Angesichts der potenziell enormen Auswirkungen der genannten Risikofaktoren sei die Marktreaktion damit aber verhalten ausgefallen. Im historischen Vergleich lägen die Risikoaufschläge für italienische und spanische Staatsanleihen immer noch auf einem moderaten Niveau. Dies dürfte vor allem auf die massiven Eingriffe der EZB am Markt für Staatsanleihen zurückzuführen sein.
Zudem sei bekannt geworden, dass die Währungshüter auf ihrer geldpolitischen Sitzung im Januar über eine mögliche Abweichung der Anleihekäufe vom EZB-Kapitalschlüssel diskutiert hätten. In der Folge hätten sich die Risikoaufschläge wieder leicht zurückgebildet, da eine solche Maßnahme in erster Linie den Staatsanleihen der Peripherieländer zugutekommen würde. Es sei allerdings nicht zu erwarten, dass die EZB das Grundprinzip des Anleiheerwerbs entsprechend dem Kapitalschlüssel ganz aufgeben werde, da dies kaum mit EU-Recht und den Aufgaben der Notenbank vereinbar wäre. Daher werde im EZB-Rat auch nur eine begrenzte und temporäre Abweichung in Erwägung gezogen. Einen nachhaltigen und massiven Renditerückgang bei Peripherieanleihen infolge einer veränderten geldpolitischen Strategie halte man denn auch für unwahrscheinlich.
Bei den Überlegungen vom Kapitalschlüssel abzuweichen, scheine auch eine Rolle zu spielen, dass vor allem die Notenbanken in den Kernländern der Eurozone immer stärker gezwungen seien, Anleihen mit einer negativen Rendite anzukaufen. Dies werfe auf lange Sicht die Frage nach einer Belastung der Ertragssituation von Notenbanken und damit letztendlich den Kosten für die Steuerzahler auf. Da italienische und spanische Staatsanleihen überwiegend eine positive Rendite aufweisen würden, würde eine Verschiebung der Ankäufe zugunsten der Peripherieländer das Problem zumindest abmildern. (Perspektiven März 2017) (24.02.2017/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 2,70 % | 1,90 % | 0,80 % | +42,11% | 17.04./22:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| 2,70 % | 1,80 % | |||


