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Rentenmarkt: EZB zeigt sich besorgt über Inflationsentwicklung
25.10.12 16:09
Postbank Research
Bonn (www.anleihencheck.de) - Die Renditen deutscher Bundesanleihen haben sich in den vergangenen Wochen über alle Laufzeiten hinweg um etwa 10 bis 20 Basispunkte erhöht, so die Analysten von Postbank Research.
Das absolute Renditeniveau bleibe damit aber immer noch vergleichsweise niedrig. 10-jährige Staatsanleihen würden aktuell bei knapp 1,6%, 5-jährige bei 0,57% rentieren, 2-jährige würden gar nur eine Rendite von 0,08% erwirtschaften. Bei US-Staatsanleihen sei eine weitgehend parallele Entwicklung zu beobachten gewesen, sodass sich der Renditeabstand zu deutschen Bundesanleihen kaum verändert habe.
Insgesamt sei der Monat Oktober durch eine weitere leichte Entspannung mit Blick auf die Staatsschuldenkrise im Euroraum gekennzeichnet gewesen. Die EU-Regierungen hätten auf einem Gipfel die Pläne für die Einführung einer gemeinsamen Bankenaufsicht weiter vorangetrieben. So sollten bis Jahresende die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine EU-weite Aufsicht stehen. Wann genau die EZB ihre Aufgabe als Aufseher wahrnehmen werde, bleibe hingegen noch offen. Von den Märkten seien die Beschlüsse dennoch als ein weiterer Baustein zur Lösung der Schuldenkrise begrüßt worden. Denn die Etablierung einer gemeinsamen Bankenaufsicht werde insbesondere von deutscher Seite als Vorbedingung für Anleihekäufe durch die EZB angesehen.
Für Beruhigung an den Märkten dürften außerdem Äußerungen deutscher Regierungsvertreter zu Griechenland gesorgt haben. So habe Finanzminister Schäuble einen Staatsbankrott und damit letztendlich auch einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone ausgeschlossen. Zuletzt hätten sich auch die Hinweise darauf verdichtet, dass Griechenland mehr Zeit für die Umsetzung der vereinbarten Reformen eingeräumt werden könnte.
Die Anleihen der hochverschuldeten Eurostaaten hätten erheblich von den Fortschritten bei der Bekämpfung der Verschuldungskrise profitiert. Die Kosten einer Absicherung gegen einen Zahlungsausfall über so genannte Credit Default Swaps seien auf den niedrigsten Stand seit mehr als zwei Jahren zurückgegangen. Auch die Renditeniveaus für Staatsanleihen der betreffenden Länder hätten sich im Vormonat noch einmal leicht reduziert. Das verbesserte Kapitalmarktumfeld habe es einigen GIIPS-Staaten ermöglicht, neue Anleihen zu günstigen Konditionen zu platzieren.
Bei aller Euphorie über die unbestreitbaren Fortschritte bei der Lösung der Staatsschuldenkrise dürfe jedoch eines nicht vergessen werden: Eine nachhaltige Entspannung werde erst dann eintreten, wenn die hochverschuldeten Eurostaaten sichtbare Erfolge bei der Konsolidierung ihrer Staatshaushalte und der Implementierung weiterer notwendiger Reformen vorweisen würden. Hier sei noch ein weiter Weg zurückzulegen. Das laufende Haushaltsdefizit sei in fast allen Mitgliedsländern der Eurozone immer noch viel zu hoch. Eine schnelle Konsolidierung werde durch eine anhaltende und vielfach scharfe Rezession in einigen Staaten erheblich erschwert.
Die jüngsten Konjunkturdaten für den Euroraum seien nicht geeignet gewesen, diesbezüglich für Beruhigung zu sorgen. Wichtige Stimmungsindikatoren für die Wirtschaft würden sich nach wie vor unterhalb der Expansionsschwelle befinden, sodass in einigen Euro-Staaten ein weiteres Schrumpfen der Wirtschaft zu erwarten sei. Der Rückgang der Staatsausgaben und sinkende Löhne in Verbindung mit einem rasanten Anstieg der Arbeitslosigkeit würden die Binnennachfrage noch auf absehbare Zeit dämpfen.
Die nach wie vor gute Exportentwicklung bilde ein gewisses Gegengewicht, könne die Rückgänge der Binnennachfrage aber nicht vollständig ausgleichen. Immerhin seien in wichtigen Industriestaaten und Schwellenländern außerhalb der Eurozone konjunkturelle Stabilisierungstendenzen erkennbar. Insbesondere die fortgesetzte Erholung am US-amerikanischen Wohnimmobilienmarkt gebe Anlass zur Hoffung, dass die strukturellen Probleme allmählich überwunden würden und die Wirtschaft wieder an Fahrt aufnehmen könne.
Der EZB-Rat habe auf seiner Sitzung Anfang Oktober den Leitzins wie erwartet unverändert bei 0,75% belassen. Im Vergleich zu den vorangegangenen Sitzungen hätten sich die Währungshüter etwas besorgter über die Inflationsentwicklung gezeigt, indem Präsident Draghi betont habe, man werde sehr genau auf Zweitrundeneffekte achten. Hintergrund für diese Einschätzung dürfte der überraschende starke Anstieg der Verbraucherpreise im September gewesen sein.
Darüber hinaus habe sich Draghi auch zu dem im September beschlossenen "Outright Monetary Transactions"-Programm (OMT) geäußert. Allein die Ankündigung habe zu einer Entspannung an den Finanzmärkten geführt, so Draghi. Ferner habe er gesagt, dass das Programm nun jederzeit angewendet werden könne. Er habe zugleich einen Appell an die Politik gesendet, die nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um die fiskalpolitischen und strukturellen Defizite innerhalb der Währungsunion abzubauen. Gleichzeitig habe er jedoch auch ausdrücklich die verabschiedeten Reformen in Spanien sowie die Erfolge Portugals bei der Krisenbekämpfung gelobt.
Die Analysten würden an ihrer Einschätzung festhalten, dass die EZB den Leitzins auf Sicht von drei Monaten noch auf 0,5% senken werde, würden angesichts der aktuellen Inflationszahlen aber ein Aufwärtsrisiko für ihre Prognose sehen. (Perspektiven November 2012) (25.10.2012/alc/a/a)
Das absolute Renditeniveau bleibe damit aber immer noch vergleichsweise niedrig. 10-jährige Staatsanleihen würden aktuell bei knapp 1,6%, 5-jährige bei 0,57% rentieren, 2-jährige würden gar nur eine Rendite von 0,08% erwirtschaften. Bei US-Staatsanleihen sei eine weitgehend parallele Entwicklung zu beobachten gewesen, sodass sich der Renditeabstand zu deutschen Bundesanleihen kaum verändert habe.
Insgesamt sei der Monat Oktober durch eine weitere leichte Entspannung mit Blick auf die Staatsschuldenkrise im Euroraum gekennzeichnet gewesen. Die EU-Regierungen hätten auf einem Gipfel die Pläne für die Einführung einer gemeinsamen Bankenaufsicht weiter vorangetrieben. So sollten bis Jahresende die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine EU-weite Aufsicht stehen. Wann genau die EZB ihre Aufgabe als Aufseher wahrnehmen werde, bleibe hingegen noch offen. Von den Märkten seien die Beschlüsse dennoch als ein weiterer Baustein zur Lösung der Schuldenkrise begrüßt worden. Denn die Etablierung einer gemeinsamen Bankenaufsicht werde insbesondere von deutscher Seite als Vorbedingung für Anleihekäufe durch die EZB angesehen.
Für Beruhigung an den Märkten dürften außerdem Äußerungen deutscher Regierungsvertreter zu Griechenland gesorgt haben. So habe Finanzminister Schäuble einen Staatsbankrott und damit letztendlich auch einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone ausgeschlossen. Zuletzt hätten sich auch die Hinweise darauf verdichtet, dass Griechenland mehr Zeit für die Umsetzung der vereinbarten Reformen eingeräumt werden könnte.
Die Anleihen der hochverschuldeten Eurostaaten hätten erheblich von den Fortschritten bei der Bekämpfung der Verschuldungskrise profitiert. Die Kosten einer Absicherung gegen einen Zahlungsausfall über so genannte Credit Default Swaps seien auf den niedrigsten Stand seit mehr als zwei Jahren zurückgegangen. Auch die Renditeniveaus für Staatsanleihen der betreffenden Länder hätten sich im Vormonat noch einmal leicht reduziert. Das verbesserte Kapitalmarktumfeld habe es einigen GIIPS-Staaten ermöglicht, neue Anleihen zu günstigen Konditionen zu platzieren.
Die jüngsten Konjunkturdaten für den Euroraum seien nicht geeignet gewesen, diesbezüglich für Beruhigung zu sorgen. Wichtige Stimmungsindikatoren für die Wirtschaft würden sich nach wie vor unterhalb der Expansionsschwelle befinden, sodass in einigen Euro-Staaten ein weiteres Schrumpfen der Wirtschaft zu erwarten sei. Der Rückgang der Staatsausgaben und sinkende Löhne in Verbindung mit einem rasanten Anstieg der Arbeitslosigkeit würden die Binnennachfrage noch auf absehbare Zeit dämpfen.
Die nach wie vor gute Exportentwicklung bilde ein gewisses Gegengewicht, könne die Rückgänge der Binnennachfrage aber nicht vollständig ausgleichen. Immerhin seien in wichtigen Industriestaaten und Schwellenländern außerhalb der Eurozone konjunkturelle Stabilisierungstendenzen erkennbar. Insbesondere die fortgesetzte Erholung am US-amerikanischen Wohnimmobilienmarkt gebe Anlass zur Hoffung, dass die strukturellen Probleme allmählich überwunden würden und die Wirtschaft wieder an Fahrt aufnehmen könne.
Der EZB-Rat habe auf seiner Sitzung Anfang Oktober den Leitzins wie erwartet unverändert bei 0,75% belassen. Im Vergleich zu den vorangegangenen Sitzungen hätten sich die Währungshüter etwas besorgter über die Inflationsentwicklung gezeigt, indem Präsident Draghi betont habe, man werde sehr genau auf Zweitrundeneffekte achten. Hintergrund für diese Einschätzung dürfte der überraschende starke Anstieg der Verbraucherpreise im September gewesen sein.
Darüber hinaus habe sich Draghi auch zu dem im September beschlossenen "Outright Monetary Transactions"-Programm (OMT) geäußert. Allein die Ankündigung habe zu einer Entspannung an den Finanzmärkten geführt, so Draghi. Ferner habe er gesagt, dass das Programm nun jederzeit angewendet werden könne. Er habe zugleich einen Appell an die Politik gesendet, die nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um die fiskalpolitischen und strukturellen Defizite innerhalb der Währungsunion abzubauen. Gleichzeitig habe er jedoch auch ausdrücklich die verabschiedeten Reformen in Spanien sowie die Erfolge Portugals bei der Krisenbekämpfung gelobt.
Die Analysten würden an ihrer Einschätzung festhalten, dass die EZB den Leitzins auf Sicht von drei Monaten noch auf 0,5% senken werde, würden angesichts der aktuellen Inflationszahlen aber ein Aufwärtsrisiko für ihre Prognose sehen. (Perspektiven November 2012) (25.10.2012/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 2,70 % | 1,90 % | 0,80 % | +42,11% | 27.03./22:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| 2,70 % | 1,80 % | |||


