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Rentenmarkt: Die Änderung der politischen Zielfunktion hat Folgen
10.03.25 10:00
Helaba
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Wie erwartet hat die EZB den Einlagensatz erneut auf nunmehr 2,5 % gesenkt, so die Analysten der Helaba.
Dies dürfte noch nicht der Tiefpunkt des Zinssenkungszyklus sein, auch wenn die jüngsten Ankündigungen großer Fiskalpakete in Deutschland, aber auch auf EU-Ebene die Erwartungen diesbezüglich etwas gedämpft hätten.
In unserem Jahresausblick 2025 stand als Überschrift bei Staatsanleihen: "Politik als Risikofaktor", so die die Analysten der Helaba. Nun habe sich die chaotische weltpolitische Lage zumindest auf den Anleihemarkt stärker ausgewirkt, als die Analysten damals im Basisszenario erwartet hätten. Die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen sei nach der Ankündigung Deutschlands, die Schuldenbremse aus nachvollziehbaren Sicherheitsüberlegungen quasi aufzuheben, zeitweise bis in den Bereich von 2,9% gestiegen. Im Wochenvergleich sei dies der stärkste Anstieg seit rund fünf Jahren gewesen.
Die Situation für Staatsanleihen habe sich in zweierlei Hinsicht verschlechtert: Erstens müsse Deutschland in den kommenden Jahren bei entsprechender Gesetzesänderung deutlich mehr Papiere emittieren, als bisher erwartet worden sei. Damit komme noch mehr Angebot auf den Markt, der sich in den letzten Jahren ohnehin schon deutlich ausgeweitet habe. In den letzten fünf Jahren habe sich das Volumen der US-Treasuries, getrieben durch die stark gestiegene Verschuldung der USA, um fast 70% erhöht. Im gleichen Zeitraum sei das Volumen ausstehender Euro-Staatsanleihen um rund 40% gestiegen. Gleichzeitig würden die europäischen Zentralbanken und die Fed ihre Anleihebestände reduzieren. Zweitens sei mit spürbaren Konjunktureffekten zu rechnen. Die Inflationserwartungen im Euroraum seien zuletzt bereits gestiegen.
In den USA scheine der Rückgang der Anleiherenditen inzwischen an einem Endpunkt angelangt zu sein. Immerhin sei die Rendite 10-jähriger US-Treasuries seit Mitte Januar von 4,8% auf rund 4,2% gesunken. Der Spielraum der Fed für Zinssenkungen werde angesichts anhaltender Inflationsrisiken - Stichwort Handelskrieg - nicht größer. Gleichzeitig könnte aber eine deutliche Anhebung der US-Zölle auf europäische Produkte den Konjunkturerwartungen hierzulande einen empfindlichen Dämpfer versetzen. Auch aus diesem Grund dürfte sich der jüngste Renditeanstieg bei Bundesanleihen nicht fortsetzen. Vielmehr sollte sich die Lage am Euro-Rentenmarkt zumindest zwischenzeitlich etwas entspannen.
Zu erwarten sei, dass sich die lange Achterbahnfahrt der Renditen fortsetze - allerdings auf einem etwas höheren Niveau. Die Analysten würden aufgrund der neuen Situation ihre Renditeprognosen um rund einen Viertel Prozentpunkt erhöhen und für das Jahresende die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen nun bei 2,8% erwarten. Insgesamt werde die Zinsstrukturkurve noch etwas steiler als in dem Jahresausblick der Analysten beschrieben. Gleichzeitig würden sie den Spread zwischen Swapsätzen und Bunds von zehn auf null Basispunkte reduzieren. (Ausgabe vom 07.03.2025) (10.03.2025/alc/a/a)
Dies dürfte noch nicht der Tiefpunkt des Zinssenkungszyklus sein, auch wenn die jüngsten Ankündigungen großer Fiskalpakete in Deutschland, aber auch auf EU-Ebene die Erwartungen diesbezüglich etwas gedämpft hätten.
Die Situation für Staatsanleihen habe sich in zweierlei Hinsicht verschlechtert: Erstens müsse Deutschland in den kommenden Jahren bei entsprechender Gesetzesänderung deutlich mehr Papiere emittieren, als bisher erwartet worden sei. Damit komme noch mehr Angebot auf den Markt, der sich in den letzten Jahren ohnehin schon deutlich ausgeweitet habe. In den letzten fünf Jahren habe sich das Volumen der US-Treasuries, getrieben durch die stark gestiegene Verschuldung der USA, um fast 70% erhöht. Im gleichen Zeitraum sei das Volumen ausstehender Euro-Staatsanleihen um rund 40% gestiegen. Gleichzeitig würden die europäischen Zentralbanken und die Fed ihre Anleihebestände reduzieren. Zweitens sei mit spürbaren Konjunktureffekten zu rechnen. Die Inflationserwartungen im Euroraum seien zuletzt bereits gestiegen.
In den USA scheine der Rückgang der Anleiherenditen inzwischen an einem Endpunkt angelangt zu sein. Immerhin sei die Rendite 10-jähriger US-Treasuries seit Mitte Januar von 4,8% auf rund 4,2% gesunken. Der Spielraum der Fed für Zinssenkungen werde angesichts anhaltender Inflationsrisiken - Stichwort Handelskrieg - nicht größer. Gleichzeitig könnte aber eine deutliche Anhebung der US-Zölle auf europäische Produkte den Konjunkturerwartungen hierzulande einen empfindlichen Dämpfer versetzen. Auch aus diesem Grund dürfte sich der jüngste Renditeanstieg bei Bundesanleihen nicht fortsetzen. Vielmehr sollte sich die Lage am Euro-Rentenmarkt zumindest zwischenzeitlich etwas entspannen.
Zu erwarten sei, dass sich die lange Achterbahnfahrt der Renditen fortsetze - allerdings auf einem etwas höheren Niveau. Die Analysten würden aufgrund der neuen Situation ihre Renditeprognosen um rund einen Viertel Prozentpunkt erhöhen und für das Jahresende die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen nun bei 2,8% erwarten. Insgesamt werde die Zinsstrukturkurve noch etwas steiler als in dem Jahresausblick der Analysten beschrieben. Gleichzeitig würden sie den Spread zwischen Swapsätzen und Bunds von zehn auf null Basispunkte reduzieren. (Ausgabe vom 07.03.2025) (10.03.2025/alc/a/a)


