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Rentenmärkte sind mit Kursgewinnen in das Jahr gestartet


13.01.15 14:51
Bank J. Safra Sarasin AG

Basel (www.anleihencheck.de) - Die Rentenmärkte sind erneut gegen alle Prognosen mit Kursgewinnen in das Jahr gestartet, so die Analysten der Bank J. Safra Sarasin AG.

Ein Grund dafür sei sicherlich die höhere Risikoaversion im Umfeld der Diskussion über einen möglichen Zahlungsausfall des griechischen Staates und eines Austritts aus der Europäischen Währungsunion gewesen. Wesentlicher dürften allerdings die erneut gesunkenen Inflationsraten sein. In Euroland seien diese im Dezember nun erstmals seit 2009 wieder in den negativen Bereich gefallen. In der Schweiz habe sich die negative Rate sogar auf -0,3% verstärkt und selbst im konjunkturell besser dastehenden UK werde die Inflation im Dezember bei lediglich 0,7% erwartet.

Und wenn zur Wochenmitte die entsprechenden Zahlen aus den USA bekannt gegeben würden, dann sei auch dort mit einem Rückgang zu rechnen. Zwar sei der jüngste Rückgang der Inflationsraten klar auf die stark fallenden Ölpreise zurückzuführen und sollte in einem Jahr wieder aus den Inflationsraten wieder herauswachsen. Allerdings bleibe ein Risiko bestehen: Haushalte würden Erwartungen bezüglich der zukünftigen Inflationsentwicklung sehr stark an dem ausrichten, was sie in der Vergangenheit erfahren hätten.

Dementsprechend habe die am Donnerstag veröffentlichte Umfrage der EU Kommission gezeigt, dass die Konsumenten ihre Erwartungen bezüglich der Preisentwicklung in den nächsten zwölf Monaten nochmals nach unten revidiert hätten. Arbeitnehmer und Arbeitgeber würden ähnlich reagieren. Symptomatisch sei daher auch, dass die Durchschnittslöhne beim am Freitag veröffentlichten US-Arbeitsmarktbericht trotz eines weiteren starken Stellenaufbaus zurückgegangen seien. Und genau darin liege die Gefahr in den meisten Industrieländern.

So seien auch die längerfristigen Inflationserwartungen weniger stabil als noch vor einigen Wochen und Monaten. Entsprechend schwieriger werde es für die Europäische Zentralbank (EZB), ihre Inflationsnorm von knapp 2% zu erreichen. Dies gelte umso mehr, da es absehbar sei, dass die Inflationsraten auch im ganzen ersten Quartal im negativen Bereich bleiben würden. Für das gesamte Jahr 2015 sei ein Wert von durchschnittlich lediglich 0,2% wahrscheinlich. Gekoppelt mit einem schwachen Wachstum bedeute dies ein nur geringfügiges Wachstum von Einkommen und Gewinnen.

Für die in Euroland teilweise hoch verschuldeten Haushalte und Unternehmen werde es so schwieriger, ihre Kredite zu bedienen und ihre Schuldenquoten zu reduzieren. Dies wiederum belaste das Investitions- und Konsumklima, sodass Fortschritte am Arbeitsmarkt sich ebenfalls zäher gestalten würden. Vor diesem Hintergrund sei es zu verstehen, dass die EZB wie auch andere Zentralbanken massive Anstrengungen unternehmen würden, die Preisentwicklung zu beschleunigen. Die Rentenmärkte würden genau das reflektieren und vermutlich noch einige Zeit extrem niedrige Renditeniveaus aufweisen. (13.01.2015/alc/a/a)