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Rentenmärkte: Die real negativen Geldmarktzinsen werden zur Belastung


24.06.13 10:41
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Es genügte die Ankündigung eines kommenden Einstiegs in den Ausstieg von QE3, um die Börsen weltweit auf Talfahrt zu schicken, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Die Leitzinsen würden aber wohl noch zwölf Monate auf jetzigem Stand bleiben. Sie hätten in den Industrieländern und in den Schwellenländern historische Tiefstände erreicht. Ziehe man von den Geldmarktzinsen noch die Inflationserwartungen ab, dann ergebe sich in den Industrieländern eine negative Realverzinsung und in den Schwellenländern eine von rund 0%. Dahinter stehe die Absicht der Zentralbanken, Anlagen an den Geldmärkten möglichst unattraktiv zu gestalten, damit das Geld in die Realwirtschaft fließe und das Wirtschaftswachstum fördere.

Doch obwohl dieser Zustand jetzt schon fast vier Jahre anhalte, könne von einem sich selbst tragenden Konjunkturaufschwung nirgends die Rede sein. Wenn ein Unternehmen bei 2% nicht investiere, dann werde es das auch nicht bei 1% oder 0,25% tun. Insofern sei die Forderung nach einer Leitzinssenkung durch die EZB eigentlich absurd. Es würden von den niedrigen oder negativen Realzinsen in erster Linie die öffentlichen Schuldner profitieren. Die Schulden würden bei negativen Zinsen automatisch jedes Jahr sinken. Einen Anreiz zum Sparen und zum Abbau der Verschuldung liefere dieses Zinsszenario überhaupt nicht. Im Gegenteil, es ermuntere die Anhänger des "deficit spending" dazu, noch mehr Schulden aufzunehmen. Es sei der Weg des scheinbar geringsten Widerstandes, ohne dabei an die steigende Belastung künftiger Generationen zu denken nach dem Motto: "nach mir die Sintflut".

Da es nun einmal kein Perpetuum Mobile gebe, müsse ein anderer Sektor durch den negativen Realzins belastet sein. Das seien die Sparer. Sie müssten die Last tragen, indem sie in realer Rechnung quasi enteignet würden. Allzu niedrige Leitzinsen hätten eben auch gravierende Nachteile. Ersparnisse und Pensionen würden weniger Erträge erzielen und den Konsum bremsen. Um das auszugleichen, nehme die Risikoaversion der Anleger ab. Die gesamte Zinsstrukturkurve werde verzerrt, Kredite würden nicht mehr optimal in produktive und aussichtsreiche Investitionen fließen und könnten dadurch neue Krisen auslösen. Niedrige langfristige Zinsen würden die Risiken nicht richtig einpreisen und zu waghalsigen Investitionen verführen.

Regierungen, Institutionen und Finanzmarktteilnehmer müssten erkennen, welche Herausforderungen auf sie zukämen, wie es die BIS formuliere, bei einer unvermeidlichen und wünschenswerten Normalisierung der Zinsstruktur. Portfolios müssten jetzt schon auf die kommenden Belastungen ausgerichtet werden. (Ausgabe vom 23.06.2013) (24.06.2013/alc/a/a)