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Rentenmärkte: Zehnjährige Bund-Renditen wieder über der Nulllinie
20.01.22 16:00
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die zehnjährigen Bund-Renditen haben erstmals seit März 2019 wieder die 0%-Marke überschritten, auch wenn sie heute (20.01.2022) Schwierigkeiten haben, das Niveau zu halten, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank.
Natürlich werde hier in erster Linie eine psychologische Marke überschritten. Aber mehr denn je stelle sich die Frage, ob der Renditeanstieg weitergehe. Angetrieben werde die Bewegung von den USA, wo die zehnjährigen T-Notes derzeit bei 1,83% rentieren würden, 13 Basispunkte höher als vor einer Woche. Während die EZB in den vergangenen Jahren in der Lage gewesen sei, durch eine flexible Handhabung ihrer Anleiheankäufe temporäre Renditeanstiege aus den USA abzuwehren bzw. abzudämpfen, werde dies im jetzigen Umfeld hoher Inflation schwieriger. Denn die EZB könnte angesichts der hohen Teuerungsrate kaum rechtfertigen, die Anleiheankäufe wieder hochzufahren, um einem Renditeanstieg aus den USA zu begegnen.
Dies gelte umso mehr, als von der Inflationsfront eher beunruhigende Zahlen gemeldet würden. In Deutschland seien die Produzentenpreise im Dezember um 24,1% gegenüber dem Vormonat gestiegen, der Ölpreis sei auf über 87 US-Dollar/Barrel geklettert und laut ifo-Institut würden 44% aller Unternehmen beabsichtigen, die Preise in den nächsten Monaten zu erhöhen. In der Tat sei zu erwarten, dass insbesondere zum Jahreswechsel viele Verträge angepasst und die Preise angehoben würden.
Dieser Entwicklungen ungeachtet habe die EZB-Chefin Christine Lagarde gestern (19.01.) erneut betont, dass man es mit Zinserhöhungen nicht eilig habe. Man wäre im Konjunkturzyklus nicht so weit fortgeschritten wie die USA und daher müsse man auch nicht so "schnell und rabiat" wie die US-Notenbank agieren. Das decke sich mit den Äußerungen von Ratsmitglied Isabel Schnabel, die am vergangenen Wochenende vor einer verfrühten Zinserhöhung gewarnt und gesagt habe, dass man perspektivisch das Inflationsziel sogar wieder unterschreiten könnte. Allerdings habe sich Schnabel ein Hintertürchen offen gelassen und betont, dass, wenn die EZB zu der Ansicht komme, dass das Inflationsziel von 2% dauerhaft überschritten werden könne, man "schnell und entschlossen" handeln werde.
Bislang würden die Analysten bei ihrer Prognose bleiben, dass die EZB in diesem Jahr den Leitzins unverändert lasse, aber die Risiken für eine frühere Zinserhöhung seien gestiegen. Letzteres würde allerdings voraussetzen, dass auch der Abbau der Anleiheankäufe rascher vonstattengehe, da das Ende der Nettoanleiheankäufe in der so genannten Forward-Guidance stets als Voraussetzung für Zinserhöhungen genannt worden sei.
Die Renditen könnten erneut unter Abwärtsdruck geraten, falls die Russland-Ukraine-Krise eskalieren sollte. Zwar hätte eine Invasion Russlands in die Ukraine zunächst einen inflationären Effekt, da sowohl die Erdgas- als auch die Ölpreise steigen dürften. Aber die Verunsicherung der Märkte treibe üblicherweise die Anleger in die sicheren Häfen, und als solche würden Bunds weiterhin gesehen.
Omikron bleibe auf der Tagesordnung. In Deutschland würden die Infektionsraten weiterhin rasant steigen, die Siebentagesinzidenz liege bei knapp 640 pro 100.000 Einwohner, die Intensivbettenbelegung sei immer noch rückläufig. In Frankreich habe der Virologe Arnaut Fontanet gesagt, dass das Schlimmste überwunden sei. Bei der Intensivbettenbelegung deute sich in Frankreich offensichtlich eine Wende an und die Siebentagesinzidenz gehe jetzt steil nach unten, auch wenn die Zahl der Infizierten noch wesentlich höher als in Deutschland sei. Das sei eine positive Entwicklung, die sich auch konjunkturell in der Eurozone bald niederschlagen dürfte.
In der kommenden Woche finde die FOMC-Sitzung statt, bei der die FED die Marktteilnehmer auf eine erste Zinsanhebung im März vorbereiten dürfte, nachdem dies mittlerweile an den Märkten eingepreist sei (26.01.). Am Montag finde wieder ein Bund-Länder-Treffen wegen Corona statt, bei dem jedoch keine signifikanten Einschränkungen mehr beschlossen werden dürften. Datenseitig sei vor allem auf die PMI-Einkaufsmanagerindices unter anderem für die Eurozone (laufender Monat, 24.01.) sowie den ifo-Index (laufender Monat, 25.01.) zu achten. (20.01.2022/alc/a/a)
Natürlich werde hier in erster Linie eine psychologische Marke überschritten. Aber mehr denn je stelle sich die Frage, ob der Renditeanstieg weitergehe. Angetrieben werde die Bewegung von den USA, wo die zehnjährigen T-Notes derzeit bei 1,83% rentieren würden, 13 Basispunkte höher als vor einer Woche. Während die EZB in den vergangenen Jahren in der Lage gewesen sei, durch eine flexible Handhabung ihrer Anleiheankäufe temporäre Renditeanstiege aus den USA abzuwehren bzw. abzudämpfen, werde dies im jetzigen Umfeld hoher Inflation schwieriger. Denn die EZB könnte angesichts der hohen Teuerungsrate kaum rechtfertigen, die Anleiheankäufe wieder hochzufahren, um einem Renditeanstieg aus den USA zu begegnen.
Dies gelte umso mehr, als von der Inflationsfront eher beunruhigende Zahlen gemeldet würden. In Deutschland seien die Produzentenpreise im Dezember um 24,1% gegenüber dem Vormonat gestiegen, der Ölpreis sei auf über 87 US-Dollar/Barrel geklettert und laut ifo-Institut würden 44% aller Unternehmen beabsichtigen, die Preise in den nächsten Monaten zu erhöhen. In der Tat sei zu erwarten, dass insbesondere zum Jahreswechsel viele Verträge angepasst und die Preise angehoben würden.
Bislang würden die Analysten bei ihrer Prognose bleiben, dass die EZB in diesem Jahr den Leitzins unverändert lasse, aber die Risiken für eine frühere Zinserhöhung seien gestiegen. Letzteres würde allerdings voraussetzen, dass auch der Abbau der Anleiheankäufe rascher vonstattengehe, da das Ende der Nettoanleiheankäufe in der so genannten Forward-Guidance stets als Voraussetzung für Zinserhöhungen genannt worden sei.
Die Renditen könnten erneut unter Abwärtsdruck geraten, falls die Russland-Ukraine-Krise eskalieren sollte. Zwar hätte eine Invasion Russlands in die Ukraine zunächst einen inflationären Effekt, da sowohl die Erdgas- als auch die Ölpreise steigen dürften. Aber die Verunsicherung der Märkte treibe üblicherweise die Anleger in die sicheren Häfen, und als solche würden Bunds weiterhin gesehen.
Omikron bleibe auf der Tagesordnung. In Deutschland würden die Infektionsraten weiterhin rasant steigen, die Siebentagesinzidenz liege bei knapp 640 pro 100.000 Einwohner, die Intensivbettenbelegung sei immer noch rückläufig. In Frankreich habe der Virologe Arnaut Fontanet gesagt, dass das Schlimmste überwunden sei. Bei der Intensivbettenbelegung deute sich in Frankreich offensichtlich eine Wende an und die Siebentagesinzidenz gehe jetzt steil nach unten, auch wenn die Zahl der Infizierten noch wesentlich höher als in Deutschland sei. Das sei eine positive Entwicklung, die sich auch konjunkturell in der Eurozone bald niederschlagen dürfte.
In der kommenden Woche finde die FOMC-Sitzung statt, bei der die FED die Marktteilnehmer auf eine erste Zinsanhebung im März vorbereiten dürfte, nachdem dies mittlerweile an den Märkten eingepreist sei (26.01.). Am Montag finde wieder ein Bund-Länder-Treffen wegen Corona statt, bei dem jedoch keine signifikanten Einschränkungen mehr beschlossen werden dürften. Datenseitig sei vor allem auf die PMI-Einkaufsmanagerindices unter anderem für die Eurozone (laufender Monat, 24.01.) sowie den ifo-Index (laufender Monat, 25.01.) zu achten. (20.01.2022/alc/a/a)


