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Rentenmärkte: Volatilität sehr hoch


28.10.24 10:01
National-Bank AG

Essen (www.anleihencheck.de) - Die Volatilität an den internationalen Rentenmärkten blieb bis zuletzt sehr hoch: Nach dem großen Zinsschritt von 50 Basispunkten hatten sich die Märkte auf einen immer steileren Abwärtspfad für die Notenbankzinsvorgaben eingeschossen, so die Analysten der National-Bank AG.

Die jüngsten Daten vom US-Arbeitsmarkt hätten dann zu erheblichen Erwartungskorrekturen und einem spürbaren Zinsanstieg am langen Ende geführt. Als ob er es geahnt hätte, habe Fed-Chef Powell im Vorfeld der Veröffentlichung der jüngsten Arbeitsmarktdaten Spekulationen auf einen weiteren großen Zinsschritt auf der nächsten Sitzung der US-Notenbank gedämpft und habe auf die nach der letzten Sitzung veröffentlichten Projektionen verwiesen.

Sofern sich die Wirtschaft wie erwartet entwickle, deuteten diese auf zwei weitere Zinssenkungen mit jeweils 25 Basispunkten hin: Die Fed halte sich sinnvollerweise alle Optionen offen, auf Änderungen im wirtschaftlichen Umfeld zu reagieren. Insgesamt würden aber klar die Abwärtsperspektiven für die Notenbankvorgaben dominieren, vor allem da das Leitzinsniveau im Rahmen der Bekämpfung des Covid-Schocks sehr weit über die historische Norm angehoben worden sei.

Wie von den Analysten erwartet, habe die EZB mit Blick auf den auch weiterhin sehr schwachen konjunkturellen Ausblick ihren Zinssenkungskurs weiter akzentuiert: Abermals seien die Zinssätze nunmehr um jeweils 25 Basispunkte gesenkt worden. Der Einlagensatz stehe damit bei 3,25%.

Auch die EZB werde zwar weiter datenabhängig reagieren, Frau Lagarde habe zuletzt aber die Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum auffällig deutlich in den Vordergrund gestellt: Insbesondere die jüngst moderateren Daten zur Kernpreisinflation sprächen in Kombination mit der anhaltenden Unterschreitung des gesamtwirtschaftlichen Trendpfades mittlerweile auch aus der Sicht der EZB dafür, dass die Abwärtsrisiken für die Inflation immer schwerer wiegen würden. Hier würden sich die Anzeichen dafür mehren, dass sich ein grundlegender Wandel der Mehrheiten im EZB abzeichne. Im Ergebnis materialisieren sich nunmehr unsere Erwartungen einer mehr und mehr an Fahrt aufnehmenden Leitzinswende auch der EZB, so die Analysten der National-Bank AG.

Nach wie vor würden insbesondere auch die Wahrscheinlichkeitsmassen an den globalen Rentenmärkten für deutlich niedrigere Zinssätze rund um den Globus sprechen. Ungebrochen würden die meisten Modelle für die gleichgewichtigen Realzinsen darauf hinweisen, dass der säkulare Abwärtstrend bei den gleichgewichtigen Realzinsen selbst für die US-Wirtschaft voll intakt sei. Die Analysten würden davon ausgehen, dass der US-Kapitalmarktzins auf Sicht von 12 Monaten Niveaus um 3,5% erreichen werde, Tendenz weiter abwärts.

Im Euroraum sei die Wachstumsdynamik so schwach, dass sich die Disinflation fortsetzen dürfte, es bleibe allerdings abzuwarten, wie lange es dauere, bis sich die schwache wirtschaftliche Entwicklung auf die Beschäftigung und somit auf die Lohndynamik auswirke. Insgesamt beließen die Analysten die Schätzungen für die Zinssätze für die 10-jährigen Bundesanleihen bei Werten um 1,9%.

Trotz der wirtschaftlich schwierigen Lage in der Eurozone blieben die Risikoprämien mit Werten um 55 Basispunkte strukturell niedrig. Der jüngst leichte Anstieg dürfte auch auf die geopolitischen Belastungen im Nahen Osten zurückzuführen sein, also eher temporärer Natur sein. Gemessen an unseren Simulationen hielten die Analysten auch dieses Niveau für zu gering. Mit Blick auf die EZB-Leitzinswende und die sich zumindest perspektivisch wieder etwas festigenden konjunkturellen Perspektiven für die Eurozone habe sich das Chance-Risiko-Verhältnis aber klar verbessert. Gleichwohl bleibe die US-Zinsstrukturkurve für entsprechende Investments durchwegs attraktiver - zumal mit Blick auf die langfristige Aufwertungserwartung für den US-Dollar. (Ausgabe vom 25.10.2024) (28.10.2024/alc/a/a)