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Rentenmärkte: Verblüffende Resilienz der US-Wirtschaf


20.07.23 15:45
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Staatsanleiherenditen der USA und Deutschlands haben sich in den vergangenen Tagen weiter nach unten bewegt, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.

Die Anleger würden damit auf eine abschwächende Konjunktur reagieren, vor allem in China und Europa, die gut in das Bild zu dem Inflationsrückgang in den USA passe. Damit scheine ein Großteil des Marktes davon überzeugt zu sein, dass im Juli-Meeting die FED und die EZB ihre Terminal rate erreichen würden. Die zehnjährigen T-Notes würden aktuell bei 3,78% und die der Bunds bei 2,42% rentieren.

Die Märkte seien von der Schwäche der chinesischen Wirtschaft im zweiten Quartal überrascht worden. Gegenüber dem Vorquartal sei das BIP um 0,8 Prozent gewachsen, nach einem Plus von 2,2 Prozent im ersten Quartal. Die zweitgrößte Wirtschaft der Welt leide stark unter der abkühlenden globalen und nationalen Nachfrage und einem taumelnden Bausektor, dem der Staat nichts entgegensetzen könne oder wolle. Auch in Europa sehe die konjunkturelle Lage schwach aus. Insbesondere das Verarbeitende Gewerbe leide. Die Industrieproduktion habe im Mai lediglich ein marginales Wachstum von +0,2% im Vergleich zum Vormonat verzeichnen können. Auch wenn drei der vier größten Ökonomien in der EU (Frankreich, Italien und Spanien) bei der Produktion Wachstum aufgewiesen hätten, wirke die Schrumpfung bei der größten EU-Volkswirtschaft, Deutschland (um -0,4% MoM), schwer.

Auch in der US-Wirtschaft könne die Industrieproduktion sich nicht vor der globalen Schwäche schützen. Die Juni-Produktion habe mit 0,5% im Monatsvergleich deutlich nachgelassen. Analysten hätten hingegen eine Stagnation der US-Produktion erwartet. Ansonsten sei die Resilienz der US-Wirtschaft verblüffend. Der Uni-Michigan-Index, der die Stimmung der US-Verbraucher messe, sei im Juli mehr als erwartet um knapp 8 Indexpunkte auf 72,6 angestiegen (Reuters: 65,5). Die Einzelhandelsumsätze im Juni seien ebenfalls gestiegen, wenngleich sie etwas hinter den Erwartungen zurückgeblieben seien (0,2% MoM gegenüber erwarteten 0,5%).

Die Anleger seien davon überzeugt, dass die EZB und die FED den Leitzins in der nächsten Woche um 25 Basispunkte anheben würden, die Wahrscheinlichkeit einer FED-Zinserhöhung im Juli liege derzeit bei 97%. Das stimme auch mit den Signalen der FOMC-Mitglieder überein, die recht hawkische Worte im Vorfeld des Juli-Meetings gefunden hätten. Die US-Notenbank Federal Reserve habe aus Sicht der Chefin ihrer Filiale in San Francisco, Mary Daly, den Kampf gegen die Inflation noch nicht gewonnen. "Es ist zu früh, um zu sagen, dass wir den Sieg über die Inflation erklärt haben", habe Daly dem Nachrichtensender CNBC gesagt. Auch die EZB dürfte am 27. Juli mit einer Zinsanhebung Washington folgen. Bundesbankpräsident Joachim Nagel habe seine Einschätzung bekräftigt, dass die Zinsen in Europa zur Bekämpfung der Inflation weiter steigen würden. "Ich gehe davon aus, dass wir die Leitzinsen anheben werden", habe Nagel dem Redaktionsnetzwerk Deutschland mit Blick auf die EZB-Sitzung am 27. Juli gesagt. Auch die Analysten der Hamburg Commercial Bank rechnen fest mit einer Anhebung der Leitzinsen um 25 BP in Washington und Frankfurt bei den anstehenden Meetings nächste Woche.

Datenseitig schauen wir auf die Juli-Werte des HCOB Flash PMI, die am 24.7 veröffentlicht werden, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank. Diese seien für die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage der Eurozone besonders wichtig. Außerdem würden am 25.07. die Juli-Zahlen des ifo-Geschäftsklimaindex herauskommen, diese seien in den vergangenen zwei Monaten stark zurückgegangen. Nächste Woche stünden außerdem Juli-Inflationszahlen in Deutschland, Frankreich und Spanien an. Für Deutschland prognostiziert unser Nowcast einen weiteren Rückgang von 6,4% YoY im Juni auf 6% YoY, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank. Am 27.07. würden in den USA BIP-Wachstumszahlen für das zweite Quartal diesen Jahres erwartet. Wenn unser Nowcast mit den erwarteten +1,5% QoQ richtig liegt, dann können wir von einer resilienten US-Wirtschaft sprechen, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank. (20.07.2023/alc/a/a)