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Rentenmärkte: US-Zölle und deutsche Investitionsoffensive sorgen für Volatilität
25.03.25 13:00
Candriam
Brüssel (www.anleihencheck.de) - In den letzten Wochen waren die Anleihemärkte erheblichen Schwankungen ausgesetzt, was vor allem auf eine Flut von Ankündigungen aus dem Weißen Haus zurückzuführen war, so Nicolas Jullien, Global Head of Fixed Income bei Candriam.
Die von US-Präsident Donald Trump verhängten neuen Zölle hätten für Unsicherheit an den Märkten gesorgt - darunter 25 Prozent auf Importe aus Kanada und Mexiko, die am 4. März in Kraft getreten seien, sowie eine zusätzliche Abgabe von 10 Prozent auf chinesische Importe. In Europa würden die politischen Ereignisse die Märkte in Atem halten. Die mit Spannung erwarteten Wahlen in Deutschland seien mit einem Sieg der Konservativen (CDU) zu Ende gegangen, und der Bundestag habe sehr bedeutende fiskalische Mittel in Höhe von über 900 Milliarden Euro beschlossen. Dieses für das europäische Wachstum positive Ereignis werde durch die mögliche Ankündigung von Trumps Zöllen gegen die EU konterkariert, die sich negativ auf das Wachstum auswirken dürften.
Die Zinskurven in Europa seien aufgrund des erhöhten Bedarfs an Verteidigungsausgaben und der damit verbundenen Emission von Staatsanleihen steiler geworden. Das von Deutschland zugesagte Konjunkturpaket in Höhe von 900 Milliarden Euro sei sehr umfangreich und habe sich bereits auf die Zinsmärkte ausgewirkt. Die Kurve sei in den letzten Tagen deutlich steiler geworden - am langen Ende der Kurve mit über 50 Basispunkten deutlich stärker als am kurzen Ende. Dementsprechend habe die deutsche Zinskurve bei 10-jährigen Laufzeiten den stärksten Anstieg verzeichnet, sodass sich am langen Ende der Kurve mit Renditen von knapp 3 Prozent eine Chance aufgetan habe. Tatsächlich habe die 10-jährige deutsche Staatsanleihe nach der Ankündigung den größten Zinsanstieg an einem Tag seit der Wiedervereinigung verzeichnet.
Die Märkte würden eindeutig auf Trumps Zölle gegen Europa warten und Jullien gehe davon aus, dass sie sofort Wirkung zeigen und das Wachstum, das sich in der Eurozone bereits verlangsamt habe, negativ beeinflussen würden. Auf der anderen Seite werde die deutsche Regierung Anleihen ausgeben müssen, um die umfangreichen fiskalischen Konjunkturmaßnahmen zu finanzieren. Dies dürfte die 10-Jahres-Zinsen in die Höhe treiben. Jullien gehe jedoch davon aus, dass die Anleiheemissionen nicht sofort erfolgen, sondern über die Jahre 2026 bis 2028 verteilt werden. Daher sei es unwahrscheinlich, dass dieser Aufwärtsdruck so schnell entstehe, und der Markt könnte dieses Risiko überbewertet haben. Vor diesem Hintergrund dürfte das lange Ende der deutschen Zinskurve eine gute Quelle für Carry von knapp 3 Prozent und eine gewisse potenzielle Renditekompression bieten. In der zweiten Märzwoche habe Jullien die deutsche Bundesanleihe taktisch wieder übergewichtet, um von dem höheren Renditeübertrag in Höhe von fast 0,5 Prozent zu profitieren, der inzwischen eingetreten sei. Er bleibe bei seiner Short-Position im Bereich der 30-jährigen Bundesanleihen. Jullien rechne zwar mit Trumps Zöllen, aber auch mit viel Volatilität und Diskussionen rund um das Ereignis, weshalb er flexibel und taktisch vorgehen wolle.
Die Rentenmärkte seien weiterhin durch eine starke Investitionsnachfrage gestützt worden, und die Primärmarktaktivitäten seien stark gezeichnet gewesen, wobei die meisten Transaktionen mit geringen bis gar keinen Spreadaufschlägen auf den Markt gekommen seien. Insbesondere US-Blue-Chip-Unternehmen wie zum Beispiel T-Mobile, IBM und einige große Wall-Street-Banken hätten Euro-Schulden aufgenommen. Angelockt worden seien sie durch die niedrigeren Kreditkosten, welche eine natürliche Absicherung für Unternehmen darstellen würden, die nicht in Dollar refinanzieren müssten und gleichzeitig von einer Diversifizierung ihrer Investorenbasis profitieren könnten. Die Ergebnisse der Berichtssaison für das vierte Quartal 2024 in Europa und - in geringerem Maße - in den USA seien je nach Sektor unterschiedlich ausgefallen, was die Bedeutung einer selektiven Emittentenauswahl in einem Markt mit komprimierten Spreads unterstreiche. In den letzten Tagen sei die Gesamtperformance europäischer Anleihen relativ kontrolliert gewesen - obwohl negativ. Euro-Investment-Grade habe seit dem 28. Februar 1,5 Prozent verloren, was hauptsächlich auf den starken Anstieg der Renditen bei gleichbleibenden Spreads zurückzuführen sei. Euro-High-Yield habe rund 1,0 Prozent verloren, da sich die Spreads ebenfalls ausgeweitet hätten, die Gesamtrendite jedoch aufgrund des höheren Renditeübertrags weniger gelitten habe.
Die von Trump angedrohten Zölle und die bereits schwache makroökonomische Lage dürften die Fundamentaldaten der Kreditmärkte belasten und die Spreads kurzfristig erhöhen. Die fiskalische Unterstützung Deutschlands dürfte eher ab 2026 greifen und daher die Spreads bis 2025 kaum belasten. Was die Bewertungen betreffe, so hätten sich die Renditen von Investment-Grade - und in geringerem Maße auch von High-Yield - verbessert. Dies sei eine gute Carry-Gelegenheit für Anleger. Allerdings seien die Spreads so eng wie seit Jahrzehnten nicht mehr und daher sehr anfällig für einen Zinsanstieg. Die technischen Fundamentaldaten von Investment-Grade dürften kurzfristig gut bleiben, da Anleger weiterhin in diese qualitativ hochwertige Anlageklasse investieren würden, um sich Renditeüberträge zu sichern. Trotz des hohen Volumens schienen die Emissionen gut absorbiert worden zu sein und die Nachfrage dürfte anhalten. Bei Hochzinsanleihen sei jedoch nicht nur mit Mittelabflüssen zu rechnen, sondern es sei auch möglich, dass die Emissionstätigkeit wieder zunehme und sich die technischen Daten weiter verschlechtern.
Vor diesem Hintergrund halte Jullien Euro-Investment-Grade weiterhin für eine starke Anlageklasse, die von Renditeüberträgen und Qualität profitiere. Für die nahe Zukunft sehe er jedoch die negativen Auswirkungen der Trump-Zölle und bleibe daher taktisch neutral, da er auf günstige Einstiegszeitpunkte warte. Bei Hochzinsanleihen habe Jullien eine negative Haltung eingenommen, da sowohl die Spreads als auch die Renditen das Potenzial hätten, sich von den derzeit restriktiven Niveaus auszuweiten. Jullien gehe in jedem Fall selektiv vor und konzentriere sich auf Bottom-up-Research, um die besten Gelegenheiten zu finden, die sich an den Märkten bieten würden. Jullien beabsichtige, den Bau- und Werkstoffsektor genau zu beobachten, während er gleichzeitig ein wachsames Auge auf deutsche Kredite habe, die von der aktuellen Situation profitieren könnten.
US-Anleihen seien über weite Teile des Qualitätsspektrums zweifellos teuer. Trotzdem fühle sich Jullien mit einem neutralen Engagement in Investment-Grade-Anleihen wohl. Der Grund dafür seien die hohen Gesamtrenditen und der Puffer gegen mögliche Spreadausweitungen, den dieser hohe Renditeübertrag biete. Die Bewertungen von Hochzinsanleihen seien wahrscheinlich noch großzügiger, auch wenn sie sich etwas ausgeweitet hätten. Die Fundamentaldaten seien nach wie vor gut, würden aber schwächer tendieren. Die hohen Renditen und die kurze Duration würden jedoch ein hohes Maß an Schutz bieten. Vor diesem Hintergrund bleibt Nicolas Jullien, Global Head of Fixed Income bei Candriam, untergewichtet. (25.03.2025/alc/a/a)
Die von US-Präsident Donald Trump verhängten neuen Zölle hätten für Unsicherheit an den Märkten gesorgt - darunter 25 Prozent auf Importe aus Kanada und Mexiko, die am 4. März in Kraft getreten seien, sowie eine zusätzliche Abgabe von 10 Prozent auf chinesische Importe. In Europa würden die politischen Ereignisse die Märkte in Atem halten. Die mit Spannung erwarteten Wahlen in Deutschland seien mit einem Sieg der Konservativen (CDU) zu Ende gegangen, und der Bundestag habe sehr bedeutende fiskalische Mittel in Höhe von über 900 Milliarden Euro beschlossen. Dieses für das europäische Wachstum positive Ereignis werde durch die mögliche Ankündigung von Trumps Zöllen gegen die EU konterkariert, die sich negativ auf das Wachstum auswirken dürften.
Die Zinskurven in Europa seien aufgrund des erhöhten Bedarfs an Verteidigungsausgaben und der damit verbundenen Emission von Staatsanleihen steiler geworden. Das von Deutschland zugesagte Konjunkturpaket in Höhe von 900 Milliarden Euro sei sehr umfangreich und habe sich bereits auf die Zinsmärkte ausgewirkt. Die Kurve sei in den letzten Tagen deutlich steiler geworden - am langen Ende der Kurve mit über 50 Basispunkten deutlich stärker als am kurzen Ende. Dementsprechend habe die deutsche Zinskurve bei 10-jährigen Laufzeiten den stärksten Anstieg verzeichnet, sodass sich am langen Ende der Kurve mit Renditen von knapp 3 Prozent eine Chance aufgetan habe. Tatsächlich habe die 10-jährige deutsche Staatsanleihe nach der Ankündigung den größten Zinsanstieg an einem Tag seit der Wiedervereinigung verzeichnet.
Die Rentenmärkte seien weiterhin durch eine starke Investitionsnachfrage gestützt worden, und die Primärmarktaktivitäten seien stark gezeichnet gewesen, wobei die meisten Transaktionen mit geringen bis gar keinen Spreadaufschlägen auf den Markt gekommen seien. Insbesondere US-Blue-Chip-Unternehmen wie zum Beispiel T-Mobile, IBM und einige große Wall-Street-Banken hätten Euro-Schulden aufgenommen. Angelockt worden seien sie durch die niedrigeren Kreditkosten, welche eine natürliche Absicherung für Unternehmen darstellen würden, die nicht in Dollar refinanzieren müssten und gleichzeitig von einer Diversifizierung ihrer Investorenbasis profitieren könnten. Die Ergebnisse der Berichtssaison für das vierte Quartal 2024 in Europa und - in geringerem Maße - in den USA seien je nach Sektor unterschiedlich ausgefallen, was die Bedeutung einer selektiven Emittentenauswahl in einem Markt mit komprimierten Spreads unterstreiche. In den letzten Tagen sei die Gesamtperformance europäischer Anleihen relativ kontrolliert gewesen - obwohl negativ. Euro-Investment-Grade habe seit dem 28. Februar 1,5 Prozent verloren, was hauptsächlich auf den starken Anstieg der Renditen bei gleichbleibenden Spreads zurückzuführen sei. Euro-High-Yield habe rund 1,0 Prozent verloren, da sich die Spreads ebenfalls ausgeweitet hätten, die Gesamtrendite jedoch aufgrund des höheren Renditeübertrags weniger gelitten habe.
Die von Trump angedrohten Zölle und die bereits schwache makroökonomische Lage dürften die Fundamentaldaten der Kreditmärkte belasten und die Spreads kurzfristig erhöhen. Die fiskalische Unterstützung Deutschlands dürfte eher ab 2026 greifen und daher die Spreads bis 2025 kaum belasten. Was die Bewertungen betreffe, so hätten sich die Renditen von Investment-Grade - und in geringerem Maße auch von High-Yield - verbessert. Dies sei eine gute Carry-Gelegenheit für Anleger. Allerdings seien die Spreads so eng wie seit Jahrzehnten nicht mehr und daher sehr anfällig für einen Zinsanstieg. Die technischen Fundamentaldaten von Investment-Grade dürften kurzfristig gut bleiben, da Anleger weiterhin in diese qualitativ hochwertige Anlageklasse investieren würden, um sich Renditeüberträge zu sichern. Trotz des hohen Volumens schienen die Emissionen gut absorbiert worden zu sein und die Nachfrage dürfte anhalten. Bei Hochzinsanleihen sei jedoch nicht nur mit Mittelabflüssen zu rechnen, sondern es sei auch möglich, dass die Emissionstätigkeit wieder zunehme und sich die technischen Daten weiter verschlechtern.
Vor diesem Hintergrund halte Jullien Euro-Investment-Grade weiterhin für eine starke Anlageklasse, die von Renditeüberträgen und Qualität profitiere. Für die nahe Zukunft sehe er jedoch die negativen Auswirkungen der Trump-Zölle und bleibe daher taktisch neutral, da er auf günstige Einstiegszeitpunkte warte. Bei Hochzinsanleihen habe Jullien eine negative Haltung eingenommen, da sowohl die Spreads als auch die Renditen das Potenzial hätten, sich von den derzeit restriktiven Niveaus auszuweiten. Jullien gehe in jedem Fall selektiv vor und konzentriere sich auf Bottom-up-Research, um die besten Gelegenheiten zu finden, die sich an den Märkten bieten würden. Jullien beabsichtige, den Bau- und Werkstoffsektor genau zu beobachten, während er gleichzeitig ein wachsames Auge auf deutsche Kredite habe, die von der aktuellen Situation profitieren könnten.
US-Anleihen seien über weite Teile des Qualitätsspektrums zweifellos teuer. Trotzdem fühle sich Jullien mit einem neutralen Engagement in Investment-Grade-Anleihen wohl. Der Grund dafür seien die hohen Gesamtrenditen und der Puffer gegen mögliche Spreadausweitungen, den dieser hohe Renditeübertrag biete. Die Bewertungen von Hochzinsanleihen seien wahrscheinlich noch großzügiger, auch wenn sie sich etwas ausgeweitet hätten. Die Fundamentaldaten seien nach wie vor gut, würden aber schwächer tendieren. Die hohen Renditen und die kurze Duration würden jedoch ein hohes Maß an Schutz bieten. Vor diesem Hintergrund bleibt Nicolas Jullien, Global Head of Fixed Income bei Candriam, untergewichtet. (25.03.2025/alc/a/a)


