Erweiterte Funktionen

Rentenmärkte: US-Zinsstruktur 10-2-Jahre invers - Rezessionssignal?


16.08.19 11:10
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Staatsanleiherenditen befinden sich auf beiden Seiten des Atlantiks unverändert im Rückwärtsgang, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Anfang Juli sei es noch einmal zu einer Gegenbewegung gekommen, doch seitdem seien die Renditen per saldo gefallen. Die zehnjährigen Treasuries hätten sich bis Anfang August noch recht wacker über der 2%-Hürde gehalten, doch mit der erneuten Verschärfung im Handelskonflikt zwischen den USA und China - die USA hätten Zölle in Höhe von 10% auf die restlichen chinesischen Importe von rund 300 Mrd. US-Dollar erhoben - seien die Renditen ins Taumeln geraten. Zuletzt hätten sie ein Niveau unter der Marke von 1,60% markiert.

Damit sei die US-Zinsstrukturkurve erstmals seit 2007 auch im Bereich 10-2 Jahre invertiert, zuvor sei die Inversion der Zinskurve bereits im Vergleich anderer Laufzeiten zu beobachten gewesen. Die so genannte Inversion zeige an, dass die Märkte mittel- bis langfristig deutlich niedrigere Zinsen erwarten würden als kurzfristig. Die Inversion der Zinsstrukturkurve im Bereich 10-2 Jahre sei historisch betrachtet für die USA ein recht zuverlässiges Signal für eine nahende Rezession in 4-8 Quartalen. Die zehnjährige Bund-Rendite falle von einem Rekordtief auf das nächste und liege aktuell bei -0,65%. Die zweijährige Bund-Rendite nähere sich mit knapp -0,90% ihrem bisherigen Rekordtief bei rund 1%.

Die zuletzt zu beobachtende Flucht in Sicherheit sei durch enttäuschende Konjunkturdaten aus Deutschland und China ausgelöst worden. So sei das deutsche BIP im zweiten Quartal um 0,1% gegenüber dem Vorquartal gesunken, nach einem Zuwachs von 0,4% von Januar bis März. Gemäß der ersten Schätzung sei die rückläufige Wirtschaftsleistung vor allem auf einen bremsenden Außenhandel - die Exporte seien stärker gefallen als die Importe - und sinkende Bauinvestitionen zurückzuführen. Beim Außenhandel würden sich die Auswirkungen des Handelskonfliktes zwischen den USA und China zeigen, der die Weltwirtschaft schwäche. Zudem sorge der Brexit für Verunsicherung. Dagegen hätten der Staat und die privaten Haushalte ihre Konsumausgaben gesteigert und auch die Unternehmensinvestitionen hätten zulegen können.

In China sei die Industrieproduktion im Juli nur noch um 4,8% gegenüber dem Vorjahresmonat gewachsen - der schwächste Monatswert seit 17 Jahren. Beim Konsum sei ebenfalls ein Schwächesignal gesendet worden. Die Einzelhandelsumsätze seien im Juli um 7,6% MoM gestiegen, nachdem sie im Vormonat noch deutlich stärker hätten zulegen können.

Die Flucht in Sicherheit habe aber nicht nur Staatsanleihekurven in den negativen Bereich verschoben - neben der deutschen seien die niederländische, die schweizerische und die dänische Zinskurve komplett negativ - , sondern auch bei Unternehmensanleihen und sogar bei High Yieldern gebe es negative Renditen. Die schwächelnden Konjunkturdaten dürften die Nachfrage nach sicheren Anlagen weiter forcieren, die Renditen von Staatsanleihen weiter in den negativen Bereich drücken und in dieser Folge auch vermehrt Negativrenditen in anderen Anleihesegmenten hervorrufen.

In der nächsten Woche seien vor allem die Einkaufsmanagerindices aus der Eurozone für das Verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor (August) interessant. Sie dürften allerdings Zeugnis davon ablegen, dass momentan noch kein konjunktureller Aufwind zu erkennen sei. Insbesondere das Verarbeitende Gewerbe sollte deutlich auf Rezessionskurs bleiben. Im Vergleich dazu sei der Dienstleistungssektor immer noch gut aufgestellt - hier befinde sich der Index für die Eurozone spürbar über 50 Punkte.

Ebenfalls zu beachten seien die Minutes der Zinssitzungen von EZB und FED von Ende Juli, die in der folgenden Woche veröffentlicht würden. Die FED habe auf dieser Sitzung erstmals wieder das Zinsniveau um 25 BP auf 2,00 bis 2,25% gesenkt und bereits ein Ende ihrer Bilanzsummenreduzierung für August angekündigt. Die EZB habe sich auf ihrem Treffen noch mit einem ersten Zinsschritt zurückgehalten, doch erwartet werde ein solcher nun bei der nächsten Sitzung im September (Reduzierung des Einlagezinssatzes um 10 BP).

Spannend dürfte jedoch die mit den entsprechenden Entscheidungen einhergehende Diskussion gewesen sein, die Aufschluss über die weitere Gestaltung der Geldpolitik geben dürfte. Beispielsweise habe es zwei Gegenstimmen von Notenbankern bei der FED-Entscheidung gegeben, die Zinsen zu senken. Die Analysten würden allerdings noch mit zwei weiteren Zinssenkungen um jeweils 25 BP auf dann 1,50 bis 1,75% für die Bandbreite der FED Funds Rate bis Jahresende rechnen.

Insgesamt würden die Analysten auf Sicht der nächsten Wochen erwarten, dass die Renditen noch weiter unter Abwärtsdruck geraten sollten. (Ausgabe vom 15.08.2019) (16.08.2019/alc/a/a)