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Rentenmärkte: US-Inflation festigt Erwartung eines kleinen Zinsschrittes
12.09.24 13:30
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen sind in den letzten Tagen weiter gesunken, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.
Die Rendite der US-Treasury Notes liege aktuell bei 3,68%, während die der deutschen Bundesanleihen bei 2,13% notiere. Die Zeichen einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in den USA würden sich zunehmend verdichten. Die jüngsten Arbeitsmarktdaten seien schwach ausgefallen, was die Märkte zu der Annahme einer möglichen Rezession in den kommenden Monaten veranlasst und zu einem signifikanten Rückgang der Renditen geführt habe. Die gemischten US-Inflationsdaten hätten dann für einen leichten Auftrieb bei den Renditen gesorgt.
In der Eurozone sei die Lage noch klarer: Die zweite Schätzung des BIP-Wachstums sei nach unten revidiert worden, die Einzelhandelsumsätze würden auf anhaltende Konsumschwäche hindeuten, und die deutsche Industrieproduktion zeige besorgniserregende Schwächen. Daher werde die EZB bei ihrem heutigen Meeting (12.09.) voraussichtlich die Zinsen um 25 Basispunkte senken. HCOB Economics werde nach der Pressekonferenz und den neuen EZB-Prognosen entscheiden, ob die bisherigen Prognose (keine weiteren Zinssenkungen in diesem Jahr) angepasst werde.
Für die US-Notenbank, die am 18. September tage, sei eine Zinssenkung um 25 Basispunkte weitgehend sicher. Stärkere Zinssenkungen um 50 Basispunkte erscheinen aufgrund der hartnäckigen Kerninflation unwahrscheinlich, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG. Diese Einschätzung werde durch aktuelle Aussagen wichtiger FED-Mitglieder gestützt. HCOB Economics gehe davon aus, dass die FED weiterhin vorsichtig agieren werde und eine moderate Zinssenkung im September-Meeting in Betracht ziehen werde.
Der US-Arbeitsmarkt habe im August 2024 ein uneinheitliches Bild geliefert: Die durchschnittlichen Stundenlöhne seien um 0,4% auf 35,21 USD gestiegen und hätten damit die Erwartungen übertroffen (YoY +3,8% vs. 3,7% prognostiziert). Gleichzeitig habe das Beschäftigungswachstum mit nur 142.000 neuen Stellen gegenüber den erwarteten 160.000 enttäuscht, und die Zahlen für Juni und Juli seien nach unten korrigiert worden. Das monatliche Stellenwachstum habe somit deutlich unter dem 12-Monats-Durchschnitt von 202.000 gelegen. Die Arbeitslosenquote sei mit 4,22% im Wesentlichen unverändert geblieben. HCOB Economics sehe in diesen Zahlen noch keine klaren Anzeichen für eine Rezession, doch die gemischten Signale würden die Erwartungen für die FED-Sitzung am 18. September beeinflussen.
Die Inflation in den USA habe sich im August auf 2,5% (von 2,9% im Juli) verlangsamt und damit unter den Erwartungen von 2,6% gelegen. Dennoch bleibe die Kerninflation ein Sorgenfaktor: Sie sei unverändert bei 3,3% geblieben und die monatliche Kernrate sei von 0,2% auf 0,3% gestiegen, was über den Konsenserwartungen gelegen habe. Diese widersprüchlichen Daten würden die Erwartungen einer Zinssenkung um 50 Basispunkte dämpfen. Stattdessen deute alles auf eine vorsichtigere Herangehensweise hin. Die FED dürfte daher eine moderate Zinssenkung um 25 Basispunkte favorisieren, um weiteren Spielraum für zukünftige geldpolitische Entscheidungen zu bewahren.
In der Eurozone bleibe die wirtschaftliche Dynamik schwach. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Euroraum sei in den drei Monaten bis Juni 2024 gegenüber dem Vorquartal um nur 0,2% gestiegen. Damit habe es leicht unter den ursprünglichen Schätzungen von 0,3% gelegen und sei zudem schwächer als das Wachstum von 0,3% im ersten Quartal gewesen. Die Einzelhandelsumsätze im Euroraum seien im Juli 2024 zwar um 0,1% gegenüber dem Vormonat gestiegen, was den Konsens der Märkte getroffen und den Rückgang von 0,4% im Vormonat etwas abgemildert habe, doch würden diese Zahlen dennoch eine schwache Konsumnachfrage signalisieren.
Besonders problematisch sei die Situation in der größten Volkswirtschaft der Eurozone, Deutschland. Die deutsche Industrieproduktion sei im Juli 2024 überraschend stark um 2,4% im Vergleich zum Vormonat geschrumpft, während der Markt lediglich von einem Rückgang um 0,3% ausgegangen sei. Ein Blick auf den weniger volatilen Dreimonatsvergleich zeige, dass die Produktion im Zeitraum von Mai bis Juli 2024 um 2,7% niedriger ausgefallen sei als in den drei vorherigen Monaten. Auf Jahressicht betrachtet sei die Industrieproduktion im Juli um 5,3% gesunken, was eine deutliche Verschlechterung im Vergleich zu einem Rückgang von 3,7% im Juni darstelle.
Da die EZB-Ratsmitglieder im Vorfeld der Sitzung am 12. September keine öffentlichen Stellungnahmen abgeben dürften, würden derzeit klare geldpolitische Signale fehlen. Eine Zinssenkung um 25 Basispunkte gelte jedoch als nahezu sicher. Die Futuremärkte würden bis Jahresende bereits zweieinhalb weitere Zinsschritte einpreisen und somit eine verstärkte Lockerungsbereitschaft der EZB erwarten.
In den USA hätten zuletzt wichtige Stimmen der Federal Reserve auf bevorstehende Zinssenkungen hingedeutet. Gouverneur Christopher Waller habe erklärt, die Zeit sei reif, mit einer Serie von Zinssenkungen zu beginnen, und sich offen für deren Umfang und Tempo gezeigt. Ähnlich habe sich John Williams, Präsident der Federal Reserve Bank of New York, geäußert, der auf die nachlassende Inflation und die weiterhin niedrige Arbeitslosenquote verwiesen habe. Die Märkte hätten positiv reagiert und würden nun mehrere Zinssenkungen bis Jahresende einpreisen.
Datenseitig würden sich in den USA die Blicke auf das Verbrauchervertrauen der Universität Michigan (16.09.) richten. Angesichts der jüngsten Schwäche des Arbeitsmarkts sei von Interesse, ob auch der Konsum, der in den letzten Quartalen ein starker Treiber des BIP-Wachstums gewesen sei, Anzeichen von Schwäche zeige.
Besonders aufschlussreich dürften die Augustdaten der Einzelhandelsumsätze (17.09.) sein, bei denen der Konsens von einem Rückgang um 0,1% im Monatsvergleich ausgehe. Diese Zahlen könnten die Entscheidung der FED, die Zinsen um 25 Basispunkte zu senken, weiter bestätigen. In der Eurozone stünden in den kommenden Tagen nur wenige wichtige Veröffentlichungen an.
In Deutschland würden am 17. September die ZEW-Konjunkturerwartungen für September erwartet. Hier würden die Anleger auf erste Anzeichen einer Stabilisierung der derzeit desaströsen wirtschaftlichen Lage hoffen. Außerdem stünden am 18.09. jeweils für den Juli der Auftragsbestand der deutschen Industrie und die Bauanträge an, die weitere Hinweise auf eine mögliche Wende in der deutschen Wirtschaft geben könnte. (12.09.2024/alc/a/a)
Die Rendite der US-Treasury Notes liege aktuell bei 3,68%, während die der deutschen Bundesanleihen bei 2,13% notiere. Die Zeichen einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in den USA würden sich zunehmend verdichten. Die jüngsten Arbeitsmarktdaten seien schwach ausgefallen, was die Märkte zu der Annahme einer möglichen Rezession in den kommenden Monaten veranlasst und zu einem signifikanten Rückgang der Renditen geführt habe. Die gemischten US-Inflationsdaten hätten dann für einen leichten Auftrieb bei den Renditen gesorgt.
In der Eurozone sei die Lage noch klarer: Die zweite Schätzung des BIP-Wachstums sei nach unten revidiert worden, die Einzelhandelsumsätze würden auf anhaltende Konsumschwäche hindeuten, und die deutsche Industrieproduktion zeige besorgniserregende Schwächen. Daher werde die EZB bei ihrem heutigen Meeting (12.09.) voraussichtlich die Zinsen um 25 Basispunkte senken. HCOB Economics werde nach der Pressekonferenz und den neuen EZB-Prognosen entscheiden, ob die bisherigen Prognose (keine weiteren Zinssenkungen in diesem Jahr) angepasst werde.
Für die US-Notenbank, die am 18. September tage, sei eine Zinssenkung um 25 Basispunkte weitgehend sicher. Stärkere Zinssenkungen um 50 Basispunkte erscheinen aufgrund der hartnäckigen Kerninflation unwahrscheinlich, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG. Diese Einschätzung werde durch aktuelle Aussagen wichtiger FED-Mitglieder gestützt. HCOB Economics gehe davon aus, dass die FED weiterhin vorsichtig agieren werde und eine moderate Zinssenkung im September-Meeting in Betracht ziehen werde.
Der US-Arbeitsmarkt habe im August 2024 ein uneinheitliches Bild geliefert: Die durchschnittlichen Stundenlöhne seien um 0,4% auf 35,21 USD gestiegen und hätten damit die Erwartungen übertroffen (YoY +3,8% vs. 3,7% prognostiziert). Gleichzeitig habe das Beschäftigungswachstum mit nur 142.000 neuen Stellen gegenüber den erwarteten 160.000 enttäuscht, und die Zahlen für Juni und Juli seien nach unten korrigiert worden. Das monatliche Stellenwachstum habe somit deutlich unter dem 12-Monats-Durchschnitt von 202.000 gelegen. Die Arbeitslosenquote sei mit 4,22% im Wesentlichen unverändert geblieben. HCOB Economics sehe in diesen Zahlen noch keine klaren Anzeichen für eine Rezession, doch die gemischten Signale würden die Erwartungen für die FED-Sitzung am 18. September beeinflussen.
Die Inflation in den USA habe sich im August auf 2,5% (von 2,9% im Juli) verlangsamt und damit unter den Erwartungen von 2,6% gelegen. Dennoch bleibe die Kerninflation ein Sorgenfaktor: Sie sei unverändert bei 3,3% geblieben und die monatliche Kernrate sei von 0,2% auf 0,3% gestiegen, was über den Konsenserwartungen gelegen habe. Diese widersprüchlichen Daten würden die Erwartungen einer Zinssenkung um 50 Basispunkte dämpfen. Stattdessen deute alles auf eine vorsichtigere Herangehensweise hin. Die FED dürfte daher eine moderate Zinssenkung um 25 Basispunkte favorisieren, um weiteren Spielraum für zukünftige geldpolitische Entscheidungen zu bewahren.
Besonders problematisch sei die Situation in der größten Volkswirtschaft der Eurozone, Deutschland. Die deutsche Industrieproduktion sei im Juli 2024 überraschend stark um 2,4% im Vergleich zum Vormonat geschrumpft, während der Markt lediglich von einem Rückgang um 0,3% ausgegangen sei. Ein Blick auf den weniger volatilen Dreimonatsvergleich zeige, dass die Produktion im Zeitraum von Mai bis Juli 2024 um 2,7% niedriger ausgefallen sei als in den drei vorherigen Monaten. Auf Jahressicht betrachtet sei die Industrieproduktion im Juli um 5,3% gesunken, was eine deutliche Verschlechterung im Vergleich zu einem Rückgang von 3,7% im Juni darstelle.
Da die EZB-Ratsmitglieder im Vorfeld der Sitzung am 12. September keine öffentlichen Stellungnahmen abgeben dürften, würden derzeit klare geldpolitische Signale fehlen. Eine Zinssenkung um 25 Basispunkte gelte jedoch als nahezu sicher. Die Futuremärkte würden bis Jahresende bereits zweieinhalb weitere Zinsschritte einpreisen und somit eine verstärkte Lockerungsbereitschaft der EZB erwarten.
In den USA hätten zuletzt wichtige Stimmen der Federal Reserve auf bevorstehende Zinssenkungen hingedeutet. Gouverneur Christopher Waller habe erklärt, die Zeit sei reif, mit einer Serie von Zinssenkungen zu beginnen, und sich offen für deren Umfang und Tempo gezeigt. Ähnlich habe sich John Williams, Präsident der Federal Reserve Bank of New York, geäußert, der auf die nachlassende Inflation und die weiterhin niedrige Arbeitslosenquote verwiesen habe. Die Märkte hätten positiv reagiert und würden nun mehrere Zinssenkungen bis Jahresende einpreisen.
Datenseitig würden sich in den USA die Blicke auf das Verbrauchervertrauen der Universität Michigan (16.09.) richten. Angesichts der jüngsten Schwäche des Arbeitsmarkts sei von Interesse, ob auch der Konsum, der in den letzten Quartalen ein starker Treiber des BIP-Wachstums gewesen sei, Anzeichen von Schwäche zeige.
Besonders aufschlussreich dürften die Augustdaten der Einzelhandelsumsätze (17.09.) sein, bei denen der Konsens von einem Rückgang um 0,1% im Monatsvergleich ausgehe. Diese Zahlen könnten die Entscheidung der FED, die Zinsen um 25 Basispunkte zu senken, weiter bestätigen. In der Eurozone stünden in den kommenden Tagen nur wenige wichtige Veröffentlichungen an.
In Deutschland würden am 17. September die ZEW-Konjunkturerwartungen für September erwartet. Hier würden die Anleger auf erste Anzeichen einer Stabilisierung der derzeit desaströsen wirtschaftlichen Lage hoffen. Außerdem stünden am 18.09. jeweils für den Juli der Auftragsbestand der deutschen Industrie und die Bauanträge an, die weitere Hinweise auf eine mögliche Wende in der deutschen Wirtschaft geben könnte. (12.09.2024/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 2,70 % | 1,90 % | 0,80 % | +42,11% | 27.03./22:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| 2,70 % | 1,80 % | |||


