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Rentenmärkte: Turbulenzen gehen spurlos an den Benchmark-Anleihen vorbei
24.04.20 10:00
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Ölpreise rutschen tief in den negativen Bereich, die PMI-Einkaufsmanagerindices der Eurozone stürzen ins Bodenlose und der GfK-Konsumentenvertrauensindex erreicht mit -23 Punkten ein dramatisches Allzeittief, und was passiert bei den Benchmarkanleihen aus Deutschland und den USA? So gut wie gar nichts, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.
Die zehnjährigen Renditen würden sich ein paar Basispunkte auf und ab bewegen, bei den zweijährigen Titeln sei etwas mehr Bewegung, aber mit den Dramen, die bei anderen Finanz- und Konjunkturindikatoren abspielen würden, habe das nichts zu tun. Zehnjährige Bundesrenditen lägen bei -43 BP, das sei 1 BP höher als vor einer Woche. Ähnlich ekstatisch sei es bei den T-Notes zugegangen. Hier würden die zehnjährigen Titel bei 0,63% rentieren und man gewinne fast den Eindruck, die Bloomberg-Anzeige sei seit Tagen festgefroren.
Dass das nicht der Fall sei, lasse sich allerdings leicht zeigen, wenn man beispielsweise italienische und portugiesische Renditen aufrufe. Hier sei ein deutlicher Anstieg der Renditen zu beobachten, italienische Anleihen würden bei 2,23% und damit 2,80 Prozentpunkte höher als die korrespondierenden deutschen Bonds rentieren, was einem Anstieg um knapp 40 BP innerhalb weniger Tage entspreche. Hier mache sich die Angst davor bemerkbar, dass Italien sein Investmentgrade-Status von der Ratingagentur Standard & Poors verlieren könnte. Italien sei derzeit mit BBB und einem negativen Ausblick eingestuft und Standard & Poors werde am Freitag (24.04.) das Ergebnis ihrer Bonitätsüberprüfung bekannt geben.
Darüber hinaus seien die Anleihen Italiens möglicherweise auch durch die letzten Äußerungen der EZB-Chefin Christine Lagarde belastet worden. Denn die Notenbankchefin habe klargestellt, dass die EZB für Ankäufe von Staatsanleihen auf dem Primärmarkt nicht zur Verfügung stehe. Helikoptergeld wäre ebenfalls nicht diskutiert worden. Auch wenn diese Instrumente keinesfalls "Teufelszeug" seien, werde ihr Einsatz schlicht nicht von den EZB-Statuten gedeckt. Daher sei es richtig, unmissverständlich klar zu machen, dass die EZB an dieser Front nicht handeln werde. Das Timing sei sicherlich nicht zufällig. Denn am 23. April 2020 würden die Finanzminister der Eurozone konferieren, am 24. April 2020 die der EU.
Disktutiert werde darüber, welche fiskalischen Maßnahmen die EU ergreifen möchte, um die schwächeren Länder in der Union zu unterstützen. Corona-Bonds dürften vom Tisch sein, der von der EU-Kommission vorgeschlagene Restrukturierungsfonds im Volumen von 1,5 Billionen Euro hingegen könnte in den Vorschlag eingehen, den Haushalt kräftig aufzustocken. Würde der Fonds in den Haushalt aufgenommen, hätte dies den Vorteil, dass das Parlament und die Mitgliedsstaaten mehr Mitspracherecht bei der Verwendung der Mittel hätten, da hier etablierte Kontrollmechanismen existieren würden.
Gelänge ein Paket in dieser Größenordnung - hier sei die Rede von rund 10% des BIPs der EU - wäre das ein Erfolg, der sicherlich auch von den Finanzmärkten gutgeheißen und unter anderem den italienischen Bonds helfen würde. Umgekehrt würde eine Aufstockung des Haushalts um nur 500 Mrd. Euro mit Enttäuschung aufgenommen werden.
Am 22. April habe die EZB beschlossen, die Bedingungen für die Einreichung von Sicherheiten bei Repogeschäften zu lockern. Künftig könnten Anleihen von so genannten Fallen Angels als Sicherheiten dienen. Fallen Angels seien Unternehmen, die in diesem Fall durch die Coronakrise ihr Investmentgrade-Rating verloren hätten. Man wolle damit zum einen erreichen, dass Banken weiterhin ohne Probleme Liquidität besorgen könnten. Zum anderen möchte man verhindern, dass in prozyklischer Weise Finanzinstitute die Anleihen von gefallenen Engeln verkaufen würden, wodurch die Anleihemärkte verstärkt unter Druck geraten könnten.
Die kommende Woche sei die Woche der Notenbanken. Sowohl die FED als auch die EZB würden tagen. Da sich in diesen turbulenten Zeiten bereits eingebürgert habe, dann zu handeln, wenn es als notwendig erachtet werde, sei die Spannung eher verhalten. Interessant werde dennoch sein, eine Gesamteinschätzung von den beiden Notenbankchefs zu erhalten. Vielleicht gelinge es Jerome Powell und Christine Lagarde ja, die Stimmung an den Märkten schlicht durch Kommunikation etwas aufzuhellen. Dem Ifo-Index (24.04.) werde das sicherlich nicht gelingen. (Ausgabe vom 23.04.2020) (24.04.2020/alc/a/a)
Die zehnjährigen Renditen würden sich ein paar Basispunkte auf und ab bewegen, bei den zweijährigen Titeln sei etwas mehr Bewegung, aber mit den Dramen, die bei anderen Finanz- und Konjunkturindikatoren abspielen würden, habe das nichts zu tun. Zehnjährige Bundesrenditen lägen bei -43 BP, das sei 1 BP höher als vor einer Woche. Ähnlich ekstatisch sei es bei den T-Notes zugegangen. Hier würden die zehnjährigen Titel bei 0,63% rentieren und man gewinne fast den Eindruck, die Bloomberg-Anzeige sei seit Tagen festgefroren.
Dass das nicht der Fall sei, lasse sich allerdings leicht zeigen, wenn man beispielsweise italienische und portugiesische Renditen aufrufe. Hier sei ein deutlicher Anstieg der Renditen zu beobachten, italienische Anleihen würden bei 2,23% und damit 2,80 Prozentpunkte höher als die korrespondierenden deutschen Bonds rentieren, was einem Anstieg um knapp 40 BP innerhalb weniger Tage entspreche. Hier mache sich die Angst davor bemerkbar, dass Italien sein Investmentgrade-Status von der Ratingagentur Standard & Poors verlieren könnte. Italien sei derzeit mit BBB und einem negativen Ausblick eingestuft und Standard & Poors werde am Freitag (24.04.) das Ergebnis ihrer Bonitätsüberprüfung bekannt geben.
Disktutiert werde darüber, welche fiskalischen Maßnahmen die EU ergreifen möchte, um die schwächeren Länder in der Union zu unterstützen. Corona-Bonds dürften vom Tisch sein, der von der EU-Kommission vorgeschlagene Restrukturierungsfonds im Volumen von 1,5 Billionen Euro hingegen könnte in den Vorschlag eingehen, den Haushalt kräftig aufzustocken. Würde der Fonds in den Haushalt aufgenommen, hätte dies den Vorteil, dass das Parlament und die Mitgliedsstaaten mehr Mitspracherecht bei der Verwendung der Mittel hätten, da hier etablierte Kontrollmechanismen existieren würden.
Gelänge ein Paket in dieser Größenordnung - hier sei die Rede von rund 10% des BIPs der EU - wäre das ein Erfolg, der sicherlich auch von den Finanzmärkten gutgeheißen und unter anderem den italienischen Bonds helfen würde. Umgekehrt würde eine Aufstockung des Haushalts um nur 500 Mrd. Euro mit Enttäuschung aufgenommen werden.
Am 22. April habe die EZB beschlossen, die Bedingungen für die Einreichung von Sicherheiten bei Repogeschäften zu lockern. Künftig könnten Anleihen von so genannten Fallen Angels als Sicherheiten dienen. Fallen Angels seien Unternehmen, die in diesem Fall durch die Coronakrise ihr Investmentgrade-Rating verloren hätten. Man wolle damit zum einen erreichen, dass Banken weiterhin ohne Probleme Liquidität besorgen könnten. Zum anderen möchte man verhindern, dass in prozyklischer Weise Finanzinstitute die Anleihen von gefallenen Engeln verkaufen würden, wodurch die Anleihemärkte verstärkt unter Druck geraten könnten.
Die kommende Woche sei die Woche der Notenbanken. Sowohl die FED als auch die EZB würden tagen. Da sich in diesen turbulenten Zeiten bereits eingebürgert habe, dann zu handeln, wenn es als notwendig erachtet werde, sei die Spannung eher verhalten. Interessant werde dennoch sein, eine Gesamteinschätzung von den beiden Notenbankchefs zu erhalten. Vielleicht gelinge es Jerome Powell und Christine Lagarde ja, die Stimmung an den Märkten schlicht durch Kommunikation etwas aufzuhellen. Dem Ifo-Index (24.04.) werde das sicherlich nicht gelingen. (Ausgabe vom 23.04.2020) (24.04.2020/alc/a/a)


