Erweiterte Funktionen

Rentenmärkte: Trumps Aussagen zum Handelskrieg stoppen Renditenanstieg


13.11.19 16:30
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Renditen der Staatsanleihen sind in den USA und der Eurozone in den vergangenen Tagen weiter leicht gestiegen, bevor sie dann wieder nachgaben, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Ursächlich für den Anstieg seien vor allem neue Rekordläufe an den amerikanischen Aktienmärkten gewesen, die sich auf Europa übertragen hätten. Genährt worden sei die Rally durch die vage Ankündigung aus dem Weißen Haus, China und die USA hätten sich auf einen schrittweisen Rückbau der Zölle geeinigt. Am 12.11.2019 habe sich US-Präsident Donald Trump jedoch recht widersprüchlich in Bezug auf die Aussichten auf eine baldige Einigung mit China geäußert. Ob es zu einem Teilabkommen zwischen den beiden Großmächten komme, bleibe damit weiterhin zweifelhaft. Je größer diese Zweifel würden, desto eher dürften die Aktienmärkte in Mitleidenschaft gezogen werden und desto stärker dürften die Renditen der T-Notes und der Bunds fallen.

Zu dem jüngsten Rückgang der Renditen habe möglicherweise auch Luis de Guindos, Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB), beigetragen, als er in einem Zeitungsinterview gesagt habe, "wir können weiter handeln und wir werden weiter handeln, falls das nötig werden sollte." Allerdings habe de Guindos auch betont, dass die negativen Nebenwirkungen der expansiven Geldpolitik größer geworden seien und dass man darauf verstärkt achten werde. Letztlich habe er damit klar gemacht, dass der Handlungsspielraum der EZB kleiner als bisher sei, auch wenn das nicht seine intendierte Botschaft gewesen sein dürfte.

Dazu passe die Rede von der Vizepräsidentin der Deutschen Bundesbank, Claudia Buch, die sich anlässlich des DVFA Immobilienforums zum deutschen Immobilienmarkt geäußert und festgestellt habe, dass sich im Fall einer tiefen Rezession die Verlustquoten bei Immobilienkrediten gegenüber drei Jahren zuvor verfünffachen könnten (was auf eine gestiegene Überbewertung von Immobilien hindeute). Buch weise darauf hin, dass Banken auf ein derartiges Szenario für Immobilienkredite vorbereitet seien, dass es aber noch nachgelagerte Effekte für Unternehmens- und Konsumentenkredite gäbe.

Neben der Rede von Jerome Powell vor dem gemeinsamen Wirtschaftskomitee des Kongresses (13.11.) würden die Märkte auch die Anhörungen beschäftigen, die im Zusammenhang mit der Ukraine-Affäre des US-Präsidenten in diesen Tagen stattfinden würden.

Komme die veröffentlichte Meinung zu der Ansicht, dass durch die Anhörungen die Wiederwahlchancen von Donald Trump sinken würden, würde das im Umkehrschluss eine höhere Wahlchance für die links ausgerichteten Demokraten Elizabeth Warren und Bernie Sanders bedeuten. Wall Street wäre von einer derartigen Perspektive nicht erbaut, die Kurse der Aktien würden wahrscheinlich nachgeben und das gleiche sei dann auch für die Renditen zu erwarten. Ansonsten erwarten uns noch eine Reihe von Konjunkturdaten, wobei insbesondere die BIP-Zahlen aus Deutschland (14.11.) zu nennen sind, die uns Aufschluss darüber geben werden, ob sich Deutschland in einer technischen Rezession befindet, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG. Sollte das der Fall sein, sei möglicherweise von der Bundesregierung ein stärkeres fiskalpolitisches Engagement zu erwarten.

Industrieproduktionszahlen aus der Eurozone und aus den USA würden weiteren Aufschluss über die konjunkturelle Lage geben. Besondere Beachtung müssten die Schnellschätzungen der PMI-Einkaufsmanagerindices erhalten und die Frage, ob sich Deutschland nach ersten sehr zaghaften Stabilisierungsanzeichen von dem rekordniedrigen Niveau (PMI für das Verarbeitende Gewerbe sei bei 42,1 Punkten) lösen könne. Ebenso würden die Sitzungsprotokolle der FED (20.11.) und der EZB (21.11.) im Fokus stehen. Insgesamt würden die Analysten die Zeichen für die Renditen eher in einer Seitwärtsbewegung sehen. (13.11.2019/alc/a/a)