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Rentenmärkte: Stabilisierung der Corona-Infektionen sorgt für steigende Renditen


09.04.20 09:30
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die zehnjährigen Bund-Renditen sind in den letzten Tagen relativ deutlich gestiegen und liegen nunmehr bei -34 BP, nachdem sie vor einer Woche noch bei -50 BP gelegen haben, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.

Die Pendants aus den USA hätten sich dagegen so gut wie gar nicht geregt. Die Stimmung an den Märkten tendiere etwas in das Positive. Nahrung beziehe man dabei von den neuen Corona-Neuinfektionszahlen, die insgesamt eine gewisse Stabilisierung nahelegen würden. In Spanien und Italien sei diese Tendenz bei den Neuinfektionen kaum zu übersehen, auch in Frankreich lasse sich diese Aussage treffen.

In Deutschland habe man sich von einem mehrere Tage anhaltenden Hochplateau von über 6000 Neuinfektionen pro Tag auf ein etwas niedrigeres Niveau von knapp 4000 Neuinfektionen pro Tag begeben. Allerdings gehe es um Entwicklungen, die über den relativ kurzen Zeitraum von sieben bis 14 Tagen zu beobachten und daher noch mit viel Unsicherheit behaftet seien. Interessant sei in jedem Fall, dass sich unter anderem Österreich auf der Basis deutlich rückläufiger Infektionszahlen entschlossen habe, ab dem 14. April die Shutdown-Maßnahmen schrittweise zurückzunehmen. Anfang Mai sollten etwa alle Geschäfte wieder öffnen können.

Gleichzeitig würden mehr und mehr Konjunkturdaten veröffentlicht, die das Ausmaß des wirtschaftlichen Einbruchs verdeutlichen würden. In den USA hätten sich innerhalb von zwei Wochen rund 10 Millionen Menschen neu arbeitslos gemeldet, was nahelege, dass die Arbeitslosenrate ohne weiteres auf über 10% steigen werde. Im März sei ein Anstieg von 3,5% auf 4,4% verzeichnet worden, was die Situation aber offensichtlich unterzeichne.

In Deutschland hätten bis zum 27. März 470.000 Unternehmen Kurzarbeit angemeldet. Damit könne die Zahl der Kurzarbeiter ohne weiteres auf über 5 Millionen Personen steigen. Komme es in den nächsten Monaten zu verstärkten Insolvenzen, werde auch die Arbeitslosenrate hierzulande sprunghaft steigen. Die PMI-Einkaufsmanagerindices für Spanien und Italien seien im Dienstleistungssektor auf 23 bzw. 17,4 Punkte gefallen. Zur Erinnerung: Bei 50 liege bei diesem Index die Grenze zwischen Expansion und Rezession.

In Deutschland sei der entsprechende PMI auf 31,7 gefallen. Zwei Dinge würden sich zeigen: Erstens, sei der Zusammenhang zwischen der Schärfe der Shutdown-Maßnahmen und dem Effekt auf den Dienstleistungssektor unübersehbar. Zweitens komme der Sektor für das Verarbeitende Gewerbe bislang noch etwas glimpflicher davon als der Dienstleistungssektor. So sei der entsprechende PMI für die Eurozone "nur" auf 44,5 Punkte gefallen. In früheren Rezessionen sei hingegen die Industrie stets wesentlich stärker getroffen worden als die insgesamt weniger konjunkturreagiblen Dienstleistungen.

Nachdem der Sachverständigenrat in der vergangenen Woche eine relativ optimistische Prognose für die BIP-Entwicklung in Deutschland (2020: -3,1%, kalenderbereinigt) veröffentlicht habe, erscheine den Analysten die Sicht der am 8. April 2020 veröffentlichten Gemeinschaftsdiagnose etwas realistischer. Dort werde ein BIP-Rückgang um 4,6% (kalenderbereinigt) veranschlagt, während die Eurozone einen noch stärkeren Einbruch um 5,3% erleben sollte. Hierbei steche vor allem Italien hervor, wo das BIP nach Ansicht der beteiligten Wirtschaftsinstitute um knapp 10% einbrechen dürfte.

Derweil sei das EU-Treffen der Finanzminister am 7. April 2020, bei dem es um europäische Instrumente zur Stützung von Mitgliedsländern gehe, zunächst bis Vormittag, den 8. April 2020 verlängert und nunmehr ergebnislos auf den 9. April 2020 vertagt worden. Streitpunkt seien vor allem die von einer Mehrheit der EU-Mitglieder befürworteten Coronabonds gewesen, die aber insbesondere von Deutschland und den Niederlanden abgelehnt würden. Dazu komme, dass einige Länder - darunter die Niederlande - offensichtlich ESM-Mittel nur unter Bedingungen vergeben möchte, was insbesondere Italien strikt ablehne. Insgesamt gehe es um Mittel von bis zu 550 Mrd. Euro, rund 3% des BIPs der EU.

In den nächsten Tagen werde es weiterhin darauf ankommen, wie sich die Infektionszahlen entwickeln und ob weitere Länder ein stufenweises Ende des Shutdowns ankündigen würden. An der Konjunkturfront sollte man unter anderem auf die März-Einzelhandelsumsätze in den USA schauen, die deutliche Spuren der Shutdowns sichtbar machen dürften. (Ausgabe vom 08.04.2020) (09.04.2020/alc/a/a)