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Rentenmärkte: Rückführung der expansiven Geldpolitik wird zunehmend spürbar


23.11.18 14:00
National-Bank AG

Essen (www.anleihencheck.de) - Mit der weiteren Zunahme der Kapazitätsauslastung in den Industrienationen wird an den internationalen Rentenmärkten die Rückführung der expansiven Geldpolitik zunehmend spürbar werden, so die Analysten der National-Bank AG.

Der Zinstrend an den internationalen Rentenmärkten werde daher auch in den kommenden Jahren grundsätzlich aufwärts gerichtet bleiben. Die Lage für den euroorientierten Rentenanleger sei damit weiterhin schwierig: Das Renditeniveau sei bis zuletzt extrem niedrig geblieben und die Zinssätze könnten im Jahresverlauf umso stärker steigen. Was stehe also für 2019 zu erwarten und was folge daraus für die Anlagestrategie? Die Antwort hänge natürlich maßgeblich an der Prognose der - auch internationalen - Zinsentwicklung.

Aufgrund der traditionell hohen Integration der transatlantischen Kapitalmärkte würden hier vor allem die US-Rentenmärkte einen ersten Beurteilungsmaßstab bilden: Im Rahmen der Lehman-Krise und dem Inkraftsetzen des QE-Programms seitens der US-amerikanischen Notenbank seien die kürzerfristigen Realzinsen im Verlauf des Jahre 2011 auf das Rekordminus von -2% gesunken. Seit nunmehr über fünf Jahren würden sie wieder ansteigen: Ein gleichgewichtiger zweijähriger nomineller Zinssatz könnte in den USA nach Simulationen der Analysten durchaus bei Werten um 3,8% liegen; die zehnjährigen Renditen lägen dann bei gegebener Steilheit der Zinsstrukturve bei rund 4%. Das wäre im historischen Längsschnitt immer noch weit unterdurchschnittlich.

Vor dem Hintergrund ihrer Einschätzung, dass die US-Wirtschaft zumindest in der Expansionsphase bleibe, würden die Analysten es für immer wahrscheinlicher halten, dass die US-Renditen im Laufe dieses Weltwirtschaftszyklusses an die Vor-Lehman-Zeit anknüpfen könnten. Sie würden allerdings nicht glauben, dass diese Werte bereits im Jahr 2019 erreicht werden könnten. Für das Jahresende würden sie Renditen - deutlich über Konsensus - um 3,6% erwarten.

Für die europäischen Rentenmärkte komme damit die große Frage auf, wie das europäische Zinsgefüge auf einen Zinsanstieg von weiteren 50 bis 60 Basispunkten in den USA reagiere. Eine solche Entkopplung wie in den letzten zwei Jahren habe es im trans-atlantischen Zinsgefüge in den letzten 30 Jahren nicht gegeben. Aus Sicht der Analysten werde dies nur dann erklärbar, wenn man mit Blick auf die Erwartung der Märkte bezüglich des weiteren Zentralbankkurses einen Paradigmenwechsel unterstelle - der da laute: Die EZB werde die Geldpolitik auf lange Jahre vom internationalen Trend abkoppeln (müssen). Damit werde die Entwicklung der Zinssätze in Europa erstmals seit Jahrzehnten eine Größe, die auch maßgeblich von der weiteren politökonomischen Entwicklung abhänge. Wie oben argumentiert, seien von der EZB eher symbolische Schritte zu erwarten.

Wenn sich an der Erwartungshaltung der Kapitalmärkte mit Blick auf den längerfristigen geldpolitischen Kurs der Eurozone nichts ändere - und davon würden die Analysten ausgehen - werde das Zinsniveau in Europa zumindest im kommenden Jahr voraussichtlich erst in über einem Jahr an die 1%-Marke heranreichen. Das komme - von den aktuellen Niveaus her gesehen - zwar einer Verdopplung des Zinsniveaus gleich, sei aber im internationalen Vergleich immer noch sehr wenig. Der weitere Verlauf werde dann auch maßgeblich von der Frage abhängen, wie sich der Handelskonflikt, der Brexit und die Lage in Italien weiter entwickle.

Aus Sicht der Analysten werde das Euroland bis zum Jahre 2020 mit Sicherheit weiter wachsen. Die Dynamik werde aber voraussichtlich nicht ausreichen, um den Inflationstrend nachhaltig anzuheben: Man könne nach wie vor nicht erkennen, dass sich die europäischen Kernpreisraten auf Sicht der kommenden 18 Monate deutlich oberhalb der Marke von 1,5 werden etablieren könnten. Die strukturellen Probleme würden zudem bewirken, dass die EZB die Zinsen auf einem relativ niedrigen Niveau belassen müsse.

Aus Sicht der Analysten habe der Verlauf der Frühindikatoren darauf verwiesen, dass eine Wachstumsverlangsamung in Europa immer wahrscheinlicher werde, insbesondere da der konjunkturelle Nachholbedarf allmählich nachlasse und keine Eigendynamik zu erwarten sei. Vor diesem Hintergrund würden die Analysten ihre Zinsprognose für die zehnjährigen Staatsanleihen auf 0,9% auf Jahressicht senken. Die Prognose für die US-Zinssätze würden sie unverändert bei 3,6% lassen. (23.11.2018/alc/a/a)