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Rentenmärkte: Renditen steigen, Aktien sinken
18.08.22 12:16
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Renditen der zehnjährigen Bunds sind erstmals seit dem 25.07. wieder über die 1,0%-Marke gesprungen, sie liegen jetzt bei 1,11%, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt bei der Hamburg Commercial Bank.
Auf den ersten Blick möge man dies als ein Zeichen einer größeren Risikofreude ansehen. Aber der gleichzeitige kräftige Rückgang bei den Aktien sei ein Hinweis auf die umgekehrte Kausalität: Der Anstieg der Renditen habe die Aktieninvestoren dazu veranlasst, Unternehmensbeteiligungen abzustoßen, was üblicherweise mit einer steigenden Risikoaversion in Verbindung gebracht werde. Auch in den USA seien die langfristigen Renditen gestiegen, die zehnjährigen T-Notes würden nunmehr bei 2,89% rentieren und das dürfte zu den höheren Renditen der Bunds beigetragen haben.
Diese Entwicklung mit den Fundamentaldaten in Einklang zu bringen, gelinge nicht unbedingt. Hervorzuheben sei die Schwäche der chinesischen Wirtschaft. Sowohl die Einzelhandelsumsätze als auch die Industrieproduktion hätten enttäuscht. Nach den Berechnungen der Analysten sei die Industrieproduktion im saisonbereinigten Vormonatsvergleich im Juli um 0,1% gefallen. Die Einzelhandelsumsätze seien im gleichen Monat lediglich um 0,3% MoM gestiegen. Seien das schlechte Nachrichten? Nicht unbedingt. Denn für die Weltwirtschaft bedeute diese Schwäche in China, dass die Lieferketten weniger stark in Anspruch genommen würden.
Nicht zufällig würden die Exporte aus China wieder neue Rekorde feiern, so etwa im Juli, als die Ausfuhren um knapp 24% YoY zugelegt hätten (1,8% MoM). Gleichzeitig kämen aus den USA relativ starke Einzelhandelsumsatzzahlen, wenn man diese um Tankstellenumsätze und Autoverkäufe bereinige (+0,7% MoM). Bemerkenswert sei außerdem gewesen, dass im Juni der Auftragsbestand der deutschen Industrie erneut gestiegen sei. Wie tief könne unter diesen Umständen eine Rezession in Deutschland ausfallen? Vermutlich nicht so tief, weil jedes Nachlassen der Nachfrage letztlich bedeute, dass der existierende Auftragsbestand besser abgearbeitet werden könne.
Mit Blick auf die nächsten Tage sei unter anderem darauf zu achten, wie und in welchem Ausmaß die privaten Haushalte und Unternehmen in Deutschland für die Gasumlage kompensiert würden. Nicht ganz unwichtig seien auch die Wasserstandsmeldungen für den Rhein und andere wichtige Schifffahrtsgewässer, da sie einen wichtigen Einfluss auf den Konjunkturverlauf nehmen könnten. Beachten sollte man auch den weiteren Verlauf der Vorwahlen in den USA, die wegen der Zwischenwahlen zum Kongress in den Bundesstaaten abgehalten würden. Gerade habe die von Ex-Präsident Donald Trump unterstützte Kandidatin der Republikaner, Harriet Hagemann, gegen seine Kritikerin Liz Cheyney die republikanischen Vorwahlen in Wyoming gewonnen.
Konjunkturell sei auf eine ganze Reihe von umfragebasierten Frühindikatoren zu achten. So würden die Schnellschätzungen der PMI-Einkaufsmanagerindices am 23.08. für die Eurozone und eine Reihe anderer Länder veröffentlicht und für die Eurozone vermutlich die Abwärtstendenz bestätigen. Es folge am 25.08. der ifo-Index für Deutschland und am selben Tag würden die detaillierten BIP-Zahlen für Deutschland bzw. die zweite BIP-Schätzung für die USA für das zweite Quartal erscheinen. (18.08.2022/alc/a/a)
Auf den ersten Blick möge man dies als ein Zeichen einer größeren Risikofreude ansehen. Aber der gleichzeitige kräftige Rückgang bei den Aktien sei ein Hinweis auf die umgekehrte Kausalität: Der Anstieg der Renditen habe die Aktieninvestoren dazu veranlasst, Unternehmensbeteiligungen abzustoßen, was üblicherweise mit einer steigenden Risikoaversion in Verbindung gebracht werde. Auch in den USA seien die langfristigen Renditen gestiegen, die zehnjährigen T-Notes würden nunmehr bei 2,89% rentieren und das dürfte zu den höheren Renditen der Bunds beigetragen haben.
Nicht zufällig würden die Exporte aus China wieder neue Rekorde feiern, so etwa im Juli, als die Ausfuhren um knapp 24% YoY zugelegt hätten (1,8% MoM). Gleichzeitig kämen aus den USA relativ starke Einzelhandelsumsatzzahlen, wenn man diese um Tankstellenumsätze und Autoverkäufe bereinige (+0,7% MoM). Bemerkenswert sei außerdem gewesen, dass im Juni der Auftragsbestand der deutschen Industrie erneut gestiegen sei. Wie tief könne unter diesen Umständen eine Rezession in Deutschland ausfallen? Vermutlich nicht so tief, weil jedes Nachlassen der Nachfrage letztlich bedeute, dass der existierende Auftragsbestand besser abgearbeitet werden könne.
Mit Blick auf die nächsten Tage sei unter anderem darauf zu achten, wie und in welchem Ausmaß die privaten Haushalte und Unternehmen in Deutschland für die Gasumlage kompensiert würden. Nicht ganz unwichtig seien auch die Wasserstandsmeldungen für den Rhein und andere wichtige Schifffahrtsgewässer, da sie einen wichtigen Einfluss auf den Konjunkturverlauf nehmen könnten. Beachten sollte man auch den weiteren Verlauf der Vorwahlen in den USA, die wegen der Zwischenwahlen zum Kongress in den Bundesstaaten abgehalten würden. Gerade habe die von Ex-Präsident Donald Trump unterstützte Kandidatin der Republikaner, Harriet Hagemann, gegen seine Kritikerin Liz Cheyney die republikanischen Vorwahlen in Wyoming gewonnen.
Konjunkturell sei auf eine ganze Reihe von umfragebasierten Frühindikatoren zu achten. So würden die Schnellschätzungen der PMI-Einkaufsmanagerindices am 23.08. für die Eurozone und eine Reihe anderer Länder veröffentlicht und für die Eurozone vermutlich die Abwärtstendenz bestätigen. Es folge am 25.08. der ifo-Index für Deutschland und am selben Tag würden die detaillierten BIP-Zahlen für Deutschland bzw. die zweite BIP-Schätzung für die USA für das zweite Quartal erscheinen. (18.08.2022/alc/a/a)


