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Rentenmärkte: Renditen legen Pause ein
26.03.21 10:15
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Renditen der langfristigen Staatsanleihen aus den USA und der Eurozone sind in den vergangenen Tagen wieder leicht gesunken, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt bei der Hamburg Commercial Bank.
Sei es das schon mit dem Renditeanstieg gewesen? Vermutlich nicht. Hinter den Renditerückgängen würden möglicherweise größere Umschichtungen von Aktien zu Bonds stecken. Denn durch den Rückgang der Bondpreise und den Anstieg der Aktienkurse, die in den letzten Monaten zu beobachten gewesen seien, werde bei vielen Pensionsfonds und Versicherern aus den USA das typische Verhältnis von 60% Aktien zu 40% Bonds nicht mehr eingehalten. Zum Quartalswechsel fänden daher verstärkt Umschichtungen zugunsten von Bonds statt.
Zum Renditeanstieg habe vorgestern auch FED-Chef Jerome Powell bei der Anhörung vor dem Bankenausschuss des Senats Stellung bezogen. Er mache sich auch weiterhin keine größeren Sorgen um die steigenden Renditen. Das sei bei dem jetzigen Tempo des Anstiegs nachvollziehbar, denn die Aussichten auf eine Erholung der US-Wirtschaft seien gut.
Das gelte umso mehr, als Präsident Joe Biden jetzt bereits das nächste Fiskalpaket plane. Dabei gehe es um ein Infrastrukturprogramm. Anders als bisher sei hier von 3 Billionen US-Dollar die Rede, das seien rund 14% des BIP, im Wahlkampf sei die Zahl von 2 Billionen US-Dollar lanciert worden. Möglicherweise habe man den Betrag höher angesetzt, um mehr Raum für Kompromisse zu finden. So oder so werde es eine große Herausforderung werden, dieses Programm durch den Kongress zu bringen. Im Senat benötige man 60 Stimmen, die Demokraten würden aber nur über 50 Stimmen verfügen. Im nächsten Jahr könnten man unter bestimmten Bedingungen das Paket mit 50 Stimmen plus der Stimme der Vizepräsidentin Kamala Harris durch das Oberhaus bringen.
Sollte das Paket entgegen den allgemeinen Erwartungen zeitnah verabschiedet werden können, dürfte dies - auch wenn die Ausgaben über mehrere Jahre verteilt seien - die langfristigen US-Renditen sprunghaft nach oben treiben. Die Bund-Renditen würden sich dem nicht vollständig entziehen können, auch wenn die EZB hier bereits jetzt gegensteuere.
Die Bundrenditen seien auch gestern nochmal deutlich gefallen, wobei die Regierungskrise in Deutschland eine Rolle gespielt haben dürfte. Die Verwirrung rund um die geplanten so genannten Ruhetage, die von der Bundeskanzlerin zurückgenommen worden seien, stehe sinnbildlich für die Politik der letzten Monate, deren Ergebnis sich in der dritten Coronawelle manifestiere. Es sei zu erwarten, dass mit erheblichen Fortschritten beim Impfprozess - allein bis Ende April sei mit 20 Millionen Impfdosen zu rechnen, im 3. Quartal mit insgesamt knapp 80 Millionen Dosen - die Unzufriedenheit sinke und sich die Regierung wieder stabilisiere. Gegen Ende des zweiten Quartals dürften auch nachhaltige Öffnungsschritte gewagt werden, da dann die über 65-Jährigen weitestgehend geimpft sein sollten.
Derweil schaffe es gerade ein einziges Containerschiff, die Lieferketten von tausenden Unternehmen in Schwierigkeiten zu bringen. Der Suezkanal sei seit Dienstag (23.03.) durch ein 400 Meter langes Containerschiff blockiert. Über 150 Schiffe würden sich auf beiden Seiten des Kanals stauen. Dies verschärfe die Lieferkettenprobleme, unter denen vor allem die USA leiden würden. Zuletzt sei noch ein Brand in einer japanischen Mikrochip-Fabrik dazu gekommen, nachdem zuvor der winterbedingte breitflächige Stromausfall im Bundesstaat Texas für Engpässe gesorgt habe. Die Ölpreise hätten mit Aufschlägen reagiert, da rund 9% des über See transportierten Öls durch diesen Kanal gehe. Im Ergebnis sei ein gewisses Risiko für die weltwirtschaftliche Erholung zu berücksichtigen.
Die deutschen Wirtschaftsinstitute hätten alle ihre Wachstumsprognosen nach unten angepasst. Bei den großen Instituten werde von einem Wachstum von bis zu 3,7% ausgegangen, darunter das ifo-Institut in München und das IfW in Kiel, die anderen lägen im Bereich von 3,0%. Für 2022 würden die Meinungen stärker auseinander gehen, die einen würden eine Beschleunigung auf 4% bis 5%, die anderen ein Wachstum um die 3% erwarten.
In den nächsten Tagen sei auf den ifo-Index in Deutschland (26.03.) und die Arbeitsmarktdaten in den USA (02.04.) zu achten. Außerdem erscheine ein Reigen von PMI-Einkaufsmanagerindices unter anderem für die Eurozone, China und die USA. Für das Verarbeitende Gewerbe (01.04.) dürften diese mehrheitlich nach oben zeigen, im Dienstleistungsbereich (05.04.) sei dies auch zu erwarten, allerdings bei einem Niveau unter 50 Punkten und mithin im schrumpfenden Bereich. Nächste Woche sei eine verkürzte Handelswoche, da mit Karfreitag Ostern eingeläutet werde. Und vielleicht würden einige Marktteilnehmer am Tag vorher auch einen Ruhetag einlegen. (Ausgabe vom 25.03.2021) (26.03.2021/alc/a/a)
Sei es das schon mit dem Renditeanstieg gewesen? Vermutlich nicht. Hinter den Renditerückgängen würden möglicherweise größere Umschichtungen von Aktien zu Bonds stecken. Denn durch den Rückgang der Bondpreise und den Anstieg der Aktienkurse, die in den letzten Monaten zu beobachten gewesen seien, werde bei vielen Pensionsfonds und Versicherern aus den USA das typische Verhältnis von 60% Aktien zu 40% Bonds nicht mehr eingehalten. Zum Quartalswechsel fänden daher verstärkt Umschichtungen zugunsten von Bonds statt.
Zum Renditeanstieg habe vorgestern auch FED-Chef Jerome Powell bei der Anhörung vor dem Bankenausschuss des Senats Stellung bezogen. Er mache sich auch weiterhin keine größeren Sorgen um die steigenden Renditen. Das sei bei dem jetzigen Tempo des Anstiegs nachvollziehbar, denn die Aussichten auf eine Erholung der US-Wirtschaft seien gut.
Das gelte umso mehr, als Präsident Joe Biden jetzt bereits das nächste Fiskalpaket plane. Dabei gehe es um ein Infrastrukturprogramm. Anders als bisher sei hier von 3 Billionen US-Dollar die Rede, das seien rund 14% des BIP, im Wahlkampf sei die Zahl von 2 Billionen US-Dollar lanciert worden. Möglicherweise habe man den Betrag höher angesetzt, um mehr Raum für Kompromisse zu finden. So oder so werde es eine große Herausforderung werden, dieses Programm durch den Kongress zu bringen. Im Senat benötige man 60 Stimmen, die Demokraten würden aber nur über 50 Stimmen verfügen. Im nächsten Jahr könnten man unter bestimmten Bedingungen das Paket mit 50 Stimmen plus der Stimme der Vizepräsidentin Kamala Harris durch das Oberhaus bringen.
Die Bundrenditen seien auch gestern nochmal deutlich gefallen, wobei die Regierungskrise in Deutschland eine Rolle gespielt haben dürfte. Die Verwirrung rund um die geplanten so genannten Ruhetage, die von der Bundeskanzlerin zurückgenommen worden seien, stehe sinnbildlich für die Politik der letzten Monate, deren Ergebnis sich in der dritten Coronawelle manifestiere. Es sei zu erwarten, dass mit erheblichen Fortschritten beim Impfprozess - allein bis Ende April sei mit 20 Millionen Impfdosen zu rechnen, im 3. Quartal mit insgesamt knapp 80 Millionen Dosen - die Unzufriedenheit sinke und sich die Regierung wieder stabilisiere. Gegen Ende des zweiten Quartals dürften auch nachhaltige Öffnungsschritte gewagt werden, da dann die über 65-Jährigen weitestgehend geimpft sein sollten.
Derweil schaffe es gerade ein einziges Containerschiff, die Lieferketten von tausenden Unternehmen in Schwierigkeiten zu bringen. Der Suezkanal sei seit Dienstag (23.03.) durch ein 400 Meter langes Containerschiff blockiert. Über 150 Schiffe würden sich auf beiden Seiten des Kanals stauen. Dies verschärfe die Lieferkettenprobleme, unter denen vor allem die USA leiden würden. Zuletzt sei noch ein Brand in einer japanischen Mikrochip-Fabrik dazu gekommen, nachdem zuvor der winterbedingte breitflächige Stromausfall im Bundesstaat Texas für Engpässe gesorgt habe. Die Ölpreise hätten mit Aufschlägen reagiert, da rund 9% des über See transportierten Öls durch diesen Kanal gehe. Im Ergebnis sei ein gewisses Risiko für die weltwirtschaftliche Erholung zu berücksichtigen.
Die deutschen Wirtschaftsinstitute hätten alle ihre Wachstumsprognosen nach unten angepasst. Bei den großen Instituten werde von einem Wachstum von bis zu 3,7% ausgegangen, darunter das ifo-Institut in München und das IfW in Kiel, die anderen lägen im Bereich von 3,0%. Für 2022 würden die Meinungen stärker auseinander gehen, die einen würden eine Beschleunigung auf 4% bis 5%, die anderen ein Wachstum um die 3% erwarten.
In den nächsten Tagen sei auf den ifo-Index in Deutschland (26.03.) und die Arbeitsmarktdaten in den USA (02.04.) zu achten. Außerdem erscheine ein Reigen von PMI-Einkaufsmanagerindices unter anderem für die Eurozone, China und die USA. Für das Verarbeitende Gewerbe (01.04.) dürften diese mehrheitlich nach oben zeigen, im Dienstleistungsbereich (05.04.) sei dies auch zu erwarten, allerdings bei einem Niveau unter 50 Punkten und mithin im schrumpfenden Bereich. Nächste Woche sei eine verkürzte Handelswoche, da mit Karfreitag Ostern eingeläutet werde. Und vielleicht würden einige Marktteilnehmer am Tag vorher auch einen Ruhetag einlegen. (Ausgabe vom 25.03.2021) (26.03.2021/alc/a/a)


