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Rentenmärkte: Renditen auf Tauchstation


28.04.23 09:45
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Man könnte meinen, dass die letzte Aprilwoche vor dem vielleicht spannendsten Monat der näheren Zukunft (FED-Sitzung: 03.05.2023 und EZB-Sitzung: 04.05.2023) eine ereignislose Übergangswoche wäre, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.

Dem sei aber nicht so, denn die Renditen auf dem Rentenmarkt in den USA und in Deutschland seien stark abgefallen. Die zehnjährige Rendite der T-Notes rangiere aktuell bei etwa 3,45% (-20 BP zur Vorwoche) und die für Bunds bei etwa 2,40% (-8 BP zur Vorwoche). Hier hätten die Nachrichten über massive Depositenabzüge bei der Regionalbank First Republic in den USA eine wichtige Rolle gespielt.

Der allgemeine Abwärtstrend der Renditen sei durch einen Anstieg kurz vor dem Wochenende in den USA unterbrochen worden. Grund dafür seien besser als in der Konsensschätzung erwartete PMI-Daten für die USA gewesen. Laut den am Freitag veröffentlichten Umfragen habe sich die Wirtschaftstätigkeit in den USA und in der Eurozone im April belebt, obwohl die FED weiterhin signalisiere, dass sie sich dem Höhepunkt ihrer Zinserhöhungszyklen nähern würden.

Laut S&P Global sei der US Composite Output PMI-Index, der den Produktions- und Dienstleistungssektor abbilde, in diesem Monat auf 53,5 gestiegen. Dies sei der höchste Stand seit Mai letzten Jahres gewesen. Dies stehe im Widerspruch zu den zunehmenden Anzeichen dafür, dass die Wirtschaft in eine Rezession abzugleiten drohe, da die höheren Zinssätze zu wirken beginnen würden. Der Rentenmarkt in den USA habe am 21.04. mit einem Anstieg der Renditen reagiert. Die zehnjährigen T-Notes seien um 7 BP auf Tageshöchstwert von 3,57% geklettert und die zweijährigen gar um 10 BP auf 4,2%.

Zu Beginn der Woche hätten die Renditen der US-Staatsanleihen, entsprechend Trend der Vorwoche, weiter abgekühlt. Grund dafür seien u. a. die schlecht verlaufende Berichtssaison in den USA in Bezug auf das erste Quartal. Die Saison sei zwar nicht abgeschlossen, aber 95 der 500 im S&P 500-Index gelisteten Unternehmen hätten geringere Gewinne als im Vorquartal berichtet. Hintergrund fallender Gewinne seien zum einem eine fallende Nachfrage, die die Preise gesenkt habe und zum anderen steigenden Kosten, wie Löhne und Mieten.

Den negativen Höhepunkt der bisherigen Berichtssaison habe die bereits vor ihrem Quartalsbericht in Schieflage geratene US-Regionalbank First Republic markiert. Nachdem die First Republic Bank für das erste Quartal einen unerwartet starken Rückgang der Einlagen gemeldet habe, habe dies in scharfem Kontrast zu den Ergebnissen anderer Banken gestanden, die die Märkte weitgehend beruhigt hätten. Als Reaktion darauf seien die Aktien der Bank nach den enttäuschenden Ergebnissen des Kreditgebers um 49% eingebrochen und hätten erneut Ängste um die Stabilität des Sektors geschürt.

Positive Meldungen aus Europa hätten ebenfalls die Talfahrt der Renditen der Bunds zu Beginn der Woche unterbrochen. Das Münchner ifo-Institut veröffentliche die Umfragedaten zum Geschäftsklima im April. Von Reuters befragte Ökonomen hätten einen Anstieg des Indikators auf 94,0 von 94,3 Punkten erwartet und damit den Anstieg des HCOB Flash PMI bestätigt, der bereits am Freitag erschienen sei und einen vom Dienstleistungssektor getriebenen Anstieg der wirtschaftlichen Aktivität signalisiert habe. Im März sei der ifo-Index trotz der Sorge vor einer neuen Bankenkrise überraschend zum fünften Mal in Folge gestiegen. Der Zeiger der ifo-Uhr stehe zwar immer noch im Rezessionsquadranten, drehe sich aber weiter in Richtung Aufschwung.

Darüber hinaus habe die UBS, im Gegensatz zu First Republic, Grund zum Optimismus gegeben. Der Schweizer Kreditgeber rechne damit, die Übernahme der Credit Suisse im Mai abzuschließen und habe gesagt, dass dabei ein erheblicher buchhalterischer Gewinn entstehen werde. Weiter habe es geheißen, dass die UBS in den Monaten vor der Übernahme der Credit Suisse 28 Milliarden Dollar von wohlhabenden Kunden angezogen habe. Die Renditen der Bunds am 24.04. hätten angezogen, die zehnjährigen auf 2,49% (+5 BP) und die zweijährigen auf 2,99% (+10 BP).

Wie ein dunkler Schleier über dem Rentenmarkt hänge die wieder aufgeflammte Diskussion um die Schuldenobergrenze in den USA. Die Finanzministerin der USA, Janet Yellen, habe die Mitglieder des US-Repräsentantenhauses bei weiterer Untätigkeit vor dem Eintreten einer "ökonomischen Katastrophe" gewarnt. Die Fronten im Repräsentantenhaus scheinen weiterhin verhärtet.

Kevin McCarthy, der Vorsitzende des republikanisch kontrollierten Repräsentantenhauses, habe letzte Woche vorgeschlagen, Ausgabenkürzungen von 4,5 Billionen Dollar über einen Zeitraum von zehn Jahren mit einer Anhebung der Schuldenobergrenze im Fiskaljahr 2024 um 1,5 Billionen Dollar zu kombinieren. Das Weiße Haus beharre darauf, dass die beiden Themen nicht miteinander vermischt werden sollten. Der demokratisch kontrollierte Senat werde den Vorschlag aller Voraussicht nach ablehnen.

Datenseitig gebe es am Freitag (28.04.) viele wichtige Zahlen. In den USA werde der PCE-Inflationsindex veröffentlicht, der einen Eindruck über die Preisentwicklung persönlicher Konsumausgaben im März gebe, die gesunken sein dürften. Außerdem würden die vier größten Volkswirtschaften der EU ihre BIP-Wachstumszahlen für das erste Quartal veröffentlichen, die einen guten Überblick über das Wachstum der Eurozone geben würden. Für Deutschland erwarte das Nowcast-Modell ein Wachstum von 0,2% QoQ.

Ebenfalls mit Spannung erwartet würden die Inflationszahlen für Deutschland, bei denen die Analysten keine großen Änderungen erwarten würden. Außerdem würden unter anderem die finalen HCOB PMI-Indices für die Eurozone (Verarbeitendes Gewerbe am (02.05.) und Dienstleistungen am (04.05.)) erscheinen. Der HCOB PMI für den Bausektor erscheine am 05.05. (Ausgabe vom 27.04.2023) (28.04.2023/alc/a/a)