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Rentenmärkte: Optimismus macht sich bei Rentenwerten kaum bemerkbar
07.08.20 08:30
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - An den Rentenmärkten sorgten die desaströsen BIP-Zahlen aus der Eurozone dafür, dass die langfristigen Bundrenditen zunächst auf -55 BP fielen, um dann in den folgenden Tagen keine nachhaltige Richtung einzuschlagen, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.
In den USA habe dies ähnlich ausgesehen. Weder die durchaus erfreulichen PMI-Indices für das Verarbeitende Gewerbe hätten dauerhaft verfangen können, noch die Belastungen aus den neuerlichen Spannungen zwischen den USA und China in der Angelegenheit TikTok, dem Kurzvideoportal aus China. Die Aktienmärkte hingegen hätten erneut zugelegt. In den USA liege dies in erster Linie an den Technologieaktien. Sie hätten mittlerweile im S&P 500-Index ein Gewicht von 28%. Vor sechs Jahren habe dieser Wert lediglich bei 20% gelegen. Seit dem 20. Februar 2020 - danach sei der S&P 500 zunächst in die Knie gegangen - hätten die Technologieaktien 12% zugelegt. Nur der Sektor der zyklischen Konsumgüter sei ähnlich kräftig gestiegen. Von den anderen 10 Sektoren seien drei leicht im positiven Terrain und sechs würden ein Minus verzeichnen. Kurz: Die Aktienmarkthausse baue hauptsächlich auf dem Technologiesektor auf und sei insofern verletzlich für Rückschläge.
Ein derartiger Rückschlag sei denkbar, falls es Präsident Donald Trump einfallen sollte, in diesen Sektor regulierend einzugreifen. Trump sei nicht als Freund von Silicon Valley bekannt. Derzeit aber ziele der Staatschef der USA eher auf die chinesischen Technologieunternehmen. Eines davon sei TikTok, dessen amerikanische Dependence er zunächst habe verbieten wollen. Mittlerweile zeichne sich eine andere Lösung ab, nämlich der Verkauf von TikTok USA an den Microsoftkonzern. China habe auf die Verbotsdrohung der USA mit einer vagen Ankündigung reagiert, man werde Gegenmaßnahmen ergreifen. Klar sei in jedem Fall, dass die Spannungen zwischen den beiden Wirtschaftsblöcken mit diesem Streitfall neue Nahrung erhalten hätten.
Den an den Aktienmärkten zu beobachtenden Optimismus würden sich die Anleger offensichtlich von einer anderen Stelle, etwa dem kräftigen Anstieg des ISM-Indizes für das Verarbeitende Gewerbe auf 54,2 Punkte ziehen. Im Dienstleistungsbereich habe der Index von einem bereits hohen Wert nochmals ein Punkt auf 58,1 zulegen können. Dennoch bleibe zu bedenken, dass das Produktionsniveau weit von dem Vorkrisewert entfernt bleibe und die PMI-Indices von IHS wesentlich schwächer ausfallen würden. Letzteres könnte daran liegen, dass die 800 von IHS befragten Unternehmen mehr kleine Unternehmen umfassen würden als die 400 vom ISM-Institut interviewten Firmen, wo Großunternehmen überrepräsentiert seien.
Die ADP-Arbeitsmarktzahlen (Beschäftigungszuwachs von nur 167.000 Personen) würden dafür sprechen, dass der Beschäftigungsaufbau der letzten beiden Monate zu einem Stillstand gekommen sei (Payroll-Veröffentlichung am 07.08.). Etwas Hoffnung würden Marktteilnehmer sicherlich von den im Trend rückläufigen Neuinfektionszahlen schöpfen. Das relativ hohe Niveau des Siebentagesdurchschnitts von knapp 60.000 deute aber darauf hin, dass der Weg zu einer nachhaltigen Stabilisierung der Gesundheitskrise noch weit sei.
Trotz der schwierigen Lage und den ersten Anzeichen, dass sich der US-Konjunkturaufschwung bereits jetzt wieder stark abschwäche, seien die Republikaner nicht bereit, sich auf die Vorschläge der Demokraten einzulassen, die unter anderem eine Verlängerung der zusätzlichen Arbeitslosenunterstützung für Millionen von Menschen in Höhe von 600 US-Dollar pro Woche vorsehen würden. Am 31. Juli sei die Unterstützung ausgelaufen und könne potenziell nicht nur dem Einzelhandel schaden, sondern auch den Markt für Wohnimmobilien in Bedrängnis bringen, falls sich die Betroffenen nicht mehr in der Lage sehen würden, ihre Mieten oder ihre Hypothekenzinsen zu zahlen. Präsident Trump habe in diesem Zusammenhang gesagt, dass er per Dekret ein Verbot von Zwangsräumungen verfügen könnte.
In Europa sei die EZB wieder in den Fokus gerückt. So sei am Mittwoch (05.08.) die Frist abgelaufen, die das Bundesverfassungsgericht der EZB vor drei Monaten gegeben habe. Im Kern sei es darum gegangen, dass die EZB nicht ausreichend dargelegt habe, ob ihre Anleiheankäufe verhältnismäßig gewesen seien. Bundesbankpräsident Jens Weidmann habe am Beginn der Woche festgestellt, dass die Verhältnismäßigkeit gegeben sei, nachdem vor einigen Wochen dies auch vom Bundestag so festgestellt worden sei. Dieser habe entsprechende Unterlagen von der Bundesbank erhalten. Vom Bundesverfassungsgericht selber sei aber noch keine Antwort gekommen, ob die Angelegenheit nunmehr ad acta gelegt werden könne.
Scheinbar sei dies nicht der Fall, denn es gebe 18 Klagen, die eine Einsicht in die teilweise als geheim eingestufte Akten verlangen würden, die die Bundesbank dem Bundestag zur Verfügung gestellt habe. Vermutlich werde sich die Angelegenheit noch etwas hinziehen, aber der unmittelbare Druck, der zunächst auf dem Kessel gewesen sei, dürfte entwichen sein. Derweil habe sich der Chefvolkswirt der EZB, Philip Lane, zu dem Anleiheankaufprogramm PEPP geäußert und angedeutet, dass man es voll ausnutzen werde. Damit sei er Gerüchten gegenübergetreten, man werde das Programm möglicherweise vorzeitig einstellen. Lane sehe die Risiken für die Konjunktur weiterhin abwärts gerichtet, was angesichts der wieder steigenden Infektionsraten in vielen Ländern der Eurozone nachvollziehbar sei.
In den nächsten Tagen stehe weiterhin die Berichtssaison für das zweite Quartal einschließlich der Unternehmensausblicke auf der Agenda. Außerdem sei auf die Entwicklung an der Coronafront zu achten, dem wichtigsten Frühindikator für die Konjunktur. (Ausgabe vom 06.08.2020) (07.08.2020/alc/a/a)
In den USA habe dies ähnlich ausgesehen. Weder die durchaus erfreulichen PMI-Indices für das Verarbeitende Gewerbe hätten dauerhaft verfangen können, noch die Belastungen aus den neuerlichen Spannungen zwischen den USA und China in der Angelegenheit TikTok, dem Kurzvideoportal aus China. Die Aktienmärkte hingegen hätten erneut zugelegt. In den USA liege dies in erster Linie an den Technologieaktien. Sie hätten mittlerweile im S&P 500-Index ein Gewicht von 28%. Vor sechs Jahren habe dieser Wert lediglich bei 20% gelegen. Seit dem 20. Februar 2020 - danach sei der S&P 500 zunächst in die Knie gegangen - hätten die Technologieaktien 12% zugelegt. Nur der Sektor der zyklischen Konsumgüter sei ähnlich kräftig gestiegen. Von den anderen 10 Sektoren seien drei leicht im positiven Terrain und sechs würden ein Minus verzeichnen. Kurz: Die Aktienmarkthausse baue hauptsächlich auf dem Technologiesektor auf und sei insofern verletzlich für Rückschläge.
Ein derartiger Rückschlag sei denkbar, falls es Präsident Donald Trump einfallen sollte, in diesen Sektor regulierend einzugreifen. Trump sei nicht als Freund von Silicon Valley bekannt. Derzeit aber ziele der Staatschef der USA eher auf die chinesischen Technologieunternehmen. Eines davon sei TikTok, dessen amerikanische Dependence er zunächst habe verbieten wollen. Mittlerweile zeichne sich eine andere Lösung ab, nämlich der Verkauf von TikTok USA an den Microsoftkonzern. China habe auf die Verbotsdrohung der USA mit einer vagen Ankündigung reagiert, man werde Gegenmaßnahmen ergreifen. Klar sei in jedem Fall, dass die Spannungen zwischen den beiden Wirtschaftsblöcken mit diesem Streitfall neue Nahrung erhalten hätten.
Den an den Aktienmärkten zu beobachtenden Optimismus würden sich die Anleger offensichtlich von einer anderen Stelle, etwa dem kräftigen Anstieg des ISM-Indizes für das Verarbeitende Gewerbe auf 54,2 Punkte ziehen. Im Dienstleistungsbereich habe der Index von einem bereits hohen Wert nochmals ein Punkt auf 58,1 zulegen können. Dennoch bleibe zu bedenken, dass das Produktionsniveau weit von dem Vorkrisewert entfernt bleibe und die PMI-Indices von IHS wesentlich schwächer ausfallen würden. Letzteres könnte daran liegen, dass die 800 von IHS befragten Unternehmen mehr kleine Unternehmen umfassen würden als die 400 vom ISM-Institut interviewten Firmen, wo Großunternehmen überrepräsentiert seien.
Trotz der schwierigen Lage und den ersten Anzeichen, dass sich der US-Konjunkturaufschwung bereits jetzt wieder stark abschwäche, seien die Republikaner nicht bereit, sich auf die Vorschläge der Demokraten einzulassen, die unter anderem eine Verlängerung der zusätzlichen Arbeitslosenunterstützung für Millionen von Menschen in Höhe von 600 US-Dollar pro Woche vorsehen würden. Am 31. Juli sei die Unterstützung ausgelaufen und könne potenziell nicht nur dem Einzelhandel schaden, sondern auch den Markt für Wohnimmobilien in Bedrängnis bringen, falls sich die Betroffenen nicht mehr in der Lage sehen würden, ihre Mieten oder ihre Hypothekenzinsen zu zahlen. Präsident Trump habe in diesem Zusammenhang gesagt, dass er per Dekret ein Verbot von Zwangsräumungen verfügen könnte.
In Europa sei die EZB wieder in den Fokus gerückt. So sei am Mittwoch (05.08.) die Frist abgelaufen, die das Bundesverfassungsgericht der EZB vor drei Monaten gegeben habe. Im Kern sei es darum gegangen, dass die EZB nicht ausreichend dargelegt habe, ob ihre Anleiheankäufe verhältnismäßig gewesen seien. Bundesbankpräsident Jens Weidmann habe am Beginn der Woche festgestellt, dass die Verhältnismäßigkeit gegeben sei, nachdem vor einigen Wochen dies auch vom Bundestag so festgestellt worden sei. Dieser habe entsprechende Unterlagen von der Bundesbank erhalten. Vom Bundesverfassungsgericht selber sei aber noch keine Antwort gekommen, ob die Angelegenheit nunmehr ad acta gelegt werden könne.
Scheinbar sei dies nicht der Fall, denn es gebe 18 Klagen, die eine Einsicht in die teilweise als geheim eingestufte Akten verlangen würden, die die Bundesbank dem Bundestag zur Verfügung gestellt habe. Vermutlich werde sich die Angelegenheit noch etwas hinziehen, aber der unmittelbare Druck, der zunächst auf dem Kessel gewesen sei, dürfte entwichen sein. Derweil habe sich der Chefvolkswirt der EZB, Philip Lane, zu dem Anleiheankaufprogramm PEPP geäußert und angedeutet, dass man es voll ausnutzen werde. Damit sei er Gerüchten gegenübergetreten, man werde das Programm möglicherweise vorzeitig einstellen. Lane sehe die Risiken für die Konjunktur weiterhin abwärts gerichtet, was angesichts der wieder steigenden Infektionsraten in vielen Ländern der Eurozone nachvollziehbar sei.
In den nächsten Tagen stehe weiterhin die Berichtssaison für das zweite Quartal einschließlich der Unternehmensausblicke auf der Agenda. Außerdem sei auf die Entwicklung an der Coronafront zu achten, dem wichtigsten Frühindikator für die Konjunktur. (Ausgabe vom 06.08.2020) (07.08.2020/alc/a/a)


