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Rentenmärkte: Der Omikron-Nebel
09.12.21 14:15
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - An den Rentenmärkten lag die gesamte Zinsstruktur der Bundesanleihen zeitweise wieder im Minus, einschließlich der 30-jährigen Titel, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.
Durch die Omikron-Variante habe die Unsicherheit wieder zugenommen, auch wenn sich die Aktieninvestoren offensichtlich weniger Sorgen machen würden. Dabei gebe es noch keinen Grund, Entwarnung zu geben. Zwar sei es richtig, dass es in Südafrika unter den Patienten, die sich mit Omikron infiziert hätten, kaum schwere Krankheitsverläufe gebe. Aber diese Aussage werde relativiert, wenn man bedenke, dass das Medianalter in Südafrika bei 28 Jahren liege, d.h. die Hälfte der Bevölkerung sei jünger als 28. In Deutschland liege das Medianalter hingegen bei 46 Jahren. Außerdem seien 70 bis 80% der Bevölkerung Südafrikas teilweise immunisiert, durch Impfungen oder eine frühere Infektion.
Der Chef-Virologe des Charité, Christian Drosten, weise außerdem darauf hin, dass die höhere Ansteckungsrate auch impliziere, dass die Menge an Viren, die man bei einer Ansteckung aufnehme, steige. Da der Krankheitsverlauf auch von der Viruslast abhänge, könne es durchaus sein, dass dieser tendenziell schwerer sei. Eine Studie der Virologin Sandra Ciesek habe überdies ergeben, dass eine zweifache Impfung so gut wie gar nicht gegen eine Omikron-Ansteckung schütze. In Großbritannien sei bereits zu beobachten, dass sich die Omikron-Variante deutlich schneller ausbreite als die Delta-Variante. Die gute Nachricht bleibe, dass eine Boosterimpfung wohl gegen einen schweren Krankheitsverlauf weiterhin schütze.
Man könnte meinen, dass die Europäische Zentralbank bei ihrer Sitzung in der kommenden Woche (16.12.) vor dem Hintergrund von Omikron einen Rückzieher mache und das PEPP-Programm doch noch verlängere. Das scheine nicht der Fall zu sein, die Ankäufe sollten - so die meisten Stimmen aus der EZB - plangemäß im März beendet werden. Es gebe aber wohl Überlegungen, ein ähnliches Programm aufzulegen, das nur dann aktiviert werde, wenn es zu Turbulenzen an den Märkten komme. Den Investoren würde dadurch signalisiert, dass es sich nicht lohne, auf Spreadausweitungen von beispielsweise italienischen Bonds zu spekulieren und vielleicht würde das schon ausreichen, um Turbulenzen zu verhindern.
Ratsmitglied Isabell Schnabel betone, dass die EZB an der Reihenfolge der geldpolitischen Schritte festhalten solle. D.h. es sollten wie angekündigt erst die Anleiheankäufe beendet und dann erst Leitzinsanhebungen durchgeführt werden. Das scheine innerhalb der EZB aber nicht unbedingt Konsens zu sein. Einige möchten offensichtlich den Leitzins schon früher anheben. Das sei nachvollziehbar, denn in der Öffentlichkeit werde das Festhalten am Nullzins als Tatenlosigkeit der EZB angesehen. Dabei sei das Herunterfahren der Anleiheankäufe durchaus auch als Straffung der Geldpolitik zu bewerten. Ratsmitglied Olli Rehn habe allerdings gestern (08.12.) deutlich gemacht, dass die EZB möglicherweise mit einigen Entscheidungen noch warten werde, bis sich der Omikron-Nebel gelichtet habe. Die Analysten würden zunächst weiterhin davon ausgehen, dass die EZB an ihrer Linie festhalten werde, Leitzinserhöhungen erst für 2023 ins Visier zu nehmen.
Nächste Woche werde auch die FED tagen (15.12.). Die Diskussionslinien würden hier durchaus ähnlich wie bei der EZB verlaufen. Im Wesentlichen gehe es um die Frage, ob das Tapering rascher beendet werde, sodass auf diese Weise früher mit Leitzinsanhebungen begonnen werden könne. Bislang sei signalisiert worden, dass die Netto-Anleiheankäufe bis Juni 2022 beendet sein würden und man dann Leitzinserhöhungen einleiten werde.
Vor dem Bankenausschuss des Senats habe FED-Präsident Jerome Powell jedoch angedeutet, die hohe Inflation mache es möglicherweise notwendig, die Netto-Anleiheankäufe schon im März zu beenden. Denn offensichtlich handele es sich bei der hohen Teuerungsrate nicht nur um ein temporäres Phänomen. Entsprechend früher könnte dann mit Leitzinserhöhungen begonnen werden. Interessant werde auch die Sitzung der Bank of England am 16.12.
Die Zentralbanken würden um die Glaubwürdigkeit fürchten, wenn sie untätig bleiben würden. Die US-Notenbank stehe interessanterweise stärker unter Druck, obwohl sie - anders als die EZB - über ein duales Mandat verfüge, das neben der Preisstabilität maximale Beschäftigung anstrebe. Es würden sich aber auch die Stimmen mehren, die sagen würden, dass der inflationsbedingte Kaufkraftverlust bei den niedrigeren Einkommensbeziehern gegen eine höhere Arbeitslosigkeit abgewogen werden müsse. Die EZB habe es bislang etwas leichter, die Forderungen nach einer vorgezogenen Leitzinsanhebung abzuwehren, weil die wirtschaftliche Erholung hierzulande weniger überzeugend ausfalle als in den USA. Außerdem sei die Inflation noch etwas niedriger als in den Vereinigten Staaten.
Datenseitig sei morgen (10.12.) auf die Inflationsdaten aus den USA (CPI, Nov) sowie den Konsumentenvertrauensindex der Universität Michigan zu achten, der sich erstaunlicherweise auf einem Neunjahrestief befinde. Außerdem sollte man auf die PMI-Einkaufsmanagerindices für die Eurozone achten (Dez, 16.12.) sowie den ifo-Index für Deutschland (17.12.). (09.12.2021/alc/a/a)
Durch die Omikron-Variante habe die Unsicherheit wieder zugenommen, auch wenn sich die Aktieninvestoren offensichtlich weniger Sorgen machen würden. Dabei gebe es noch keinen Grund, Entwarnung zu geben. Zwar sei es richtig, dass es in Südafrika unter den Patienten, die sich mit Omikron infiziert hätten, kaum schwere Krankheitsverläufe gebe. Aber diese Aussage werde relativiert, wenn man bedenke, dass das Medianalter in Südafrika bei 28 Jahren liege, d.h. die Hälfte der Bevölkerung sei jünger als 28. In Deutschland liege das Medianalter hingegen bei 46 Jahren. Außerdem seien 70 bis 80% der Bevölkerung Südafrikas teilweise immunisiert, durch Impfungen oder eine frühere Infektion.
Der Chef-Virologe des Charité, Christian Drosten, weise außerdem darauf hin, dass die höhere Ansteckungsrate auch impliziere, dass die Menge an Viren, die man bei einer Ansteckung aufnehme, steige. Da der Krankheitsverlauf auch von der Viruslast abhänge, könne es durchaus sein, dass dieser tendenziell schwerer sei. Eine Studie der Virologin Sandra Ciesek habe überdies ergeben, dass eine zweifache Impfung so gut wie gar nicht gegen eine Omikron-Ansteckung schütze. In Großbritannien sei bereits zu beobachten, dass sich die Omikron-Variante deutlich schneller ausbreite als die Delta-Variante. Die gute Nachricht bleibe, dass eine Boosterimpfung wohl gegen einen schweren Krankheitsverlauf weiterhin schütze.
Man könnte meinen, dass die Europäische Zentralbank bei ihrer Sitzung in der kommenden Woche (16.12.) vor dem Hintergrund von Omikron einen Rückzieher mache und das PEPP-Programm doch noch verlängere. Das scheine nicht der Fall zu sein, die Ankäufe sollten - so die meisten Stimmen aus der EZB - plangemäß im März beendet werden. Es gebe aber wohl Überlegungen, ein ähnliches Programm aufzulegen, das nur dann aktiviert werde, wenn es zu Turbulenzen an den Märkten komme. Den Investoren würde dadurch signalisiert, dass es sich nicht lohne, auf Spreadausweitungen von beispielsweise italienischen Bonds zu spekulieren und vielleicht würde das schon ausreichen, um Turbulenzen zu verhindern.
Nächste Woche werde auch die FED tagen (15.12.). Die Diskussionslinien würden hier durchaus ähnlich wie bei der EZB verlaufen. Im Wesentlichen gehe es um die Frage, ob das Tapering rascher beendet werde, sodass auf diese Weise früher mit Leitzinsanhebungen begonnen werden könne. Bislang sei signalisiert worden, dass die Netto-Anleiheankäufe bis Juni 2022 beendet sein würden und man dann Leitzinserhöhungen einleiten werde.
Vor dem Bankenausschuss des Senats habe FED-Präsident Jerome Powell jedoch angedeutet, die hohe Inflation mache es möglicherweise notwendig, die Netto-Anleiheankäufe schon im März zu beenden. Denn offensichtlich handele es sich bei der hohen Teuerungsrate nicht nur um ein temporäres Phänomen. Entsprechend früher könnte dann mit Leitzinserhöhungen begonnen werden. Interessant werde auch die Sitzung der Bank of England am 16.12.
Die Zentralbanken würden um die Glaubwürdigkeit fürchten, wenn sie untätig bleiben würden. Die US-Notenbank stehe interessanterweise stärker unter Druck, obwohl sie - anders als die EZB - über ein duales Mandat verfüge, das neben der Preisstabilität maximale Beschäftigung anstrebe. Es würden sich aber auch die Stimmen mehren, die sagen würden, dass der inflationsbedingte Kaufkraftverlust bei den niedrigeren Einkommensbeziehern gegen eine höhere Arbeitslosigkeit abgewogen werden müsse. Die EZB habe es bislang etwas leichter, die Forderungen nach einer vorgezogenen Leitzinsanhebung abzuwehren, weil die wirtschaftliche Erholung hierzulande weniger überzeugend ausfalle als in den USA. Außerdem sei die Inflation noch etwas niedriger als in den Vereinigten Staaten.
Datenseitig sei morgen (10.12.) auf die Inflationsdaten aus den USA (CPI, Nov) sowie den Konsumentenvertrauensindex der Universität Michigan zu achten, der sich erstaunlicherweise auf einem Neunjahrestief befinde. Außerdem sollte man auf die PMI-Einkaufsmanagerindices für die Eurozone achten (Dez, 16.12.) sowie den ifo-Index für Deutschland (17.12.). (09.12.2021/alc/a/a)


