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Rentenmärkte: Massive Risk-Off-Bewegung
28.02.20 10:00
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Risk-off ist angesichts des seit Montag ungebremsten Falls der Aktien und der Staatsanleiherenditen noch untertrieben, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt bei der Hamburg Commercial Bank.
Mittlerweile sei der Deutsche Aktienindex angesichts des global verbreitenden neuen Coronavirus um rund 10% gegenüber der Vorwoche eingebrochen. Die anderen internationalen Indices würden sich in einer ähnlichen Größenordnung bewegen. Entsprechend habe in ganz klassischer Weise eine massive Flucht in Qualität eingesetzt, sichtbar in einem Rückgang der zehnjährigen Bundrenditen auf -56 BP und der entsprechenden T-Notes auf ein Rekordtief von 1,25%, während der Goldpreis in den vergangenen Tagen gestiegen sei.
Ganz offensichtlich würden die Investoren von Angst erfasst, die sich nicht nur auf eine allgemeine Furcht vor einem Konjunktureinbruch beziehe. Vielmehr würden die Anleger die Auswirkungen unmittelbar im eigenen Umfeld merken. Privat und geschäftlich würden sich viele Menschen Gedanken machen, ob die geplante Reise - sei es innerhalb Deutschlands oder in das Ausland - tatsächlich angetreten werden müsse. In Drogeriemärkten werde man Zeuge von Menschen, die massenweise Desinfektionsmittel und Gesichtsmasken einkaufen würden. Mit diesen persönlichen Erfahrungen würden auch Meldungen über die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, mit denen die meisten Branchen in den nächsten Monaten vermutlich zu kämpfen hätten, eher als glaubwürdig angesehen.
Beachten sollte man dabei Folgendes: Wie stark die Konjunktur tatsächlich beeinträchtigt werde, hänge in einem hohen Maße davon ab, wie die Regierungen reagieren würden. Komme es zu großräumigen Quarantänemaßnahmen, Grenzschließungen, der Aussetzung des Schengenabkommens usw., dann werde es zu massiven Unterbrechungen von Wertschöpfungsketten kommen, die über das hinausgehen würden, womit man angesichts der Produktionsprobleme in China ohnehin rechnen müsse. Würden die Regierungen hingegen auf derartige Maßnahmen verzichten und sich stattdessen darauf konzentrieren, das Gesundheitssystem für die mögliche Epidemie vorzubereiten und Massenveranstaltungen zu verbieten, dürfte das Produzierende Gewerbe mit deutlich weniger Angebotsproblemen zu rechnen haben.
Dieses Szenario gehe davon aus, dass es nicht zu einer medizinischen Katastrophe komme, dass sich also die Sterblichkeitsrate in einem mit einer Influenza vergleichbaren Rahmen bewege. Unabhängig davon, wie sich die Regierungen verhalten würden, dürften einige Sektoren wie der Tourismus, Fluggesellschaften und Luxusgüterhersteller (ebenfalls abhängig vom Tourismus) weiter unter Druck bleiben.
Die neue Entwicklung an der Coronavirus-Front bedeute, dass es in den nächsten Tagen und Wochen zu neuen Herabstufungen bei den Wachstumsprognosen kommen könnte. Auch wir werden hier aktiv warden, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank. In der Eurozone hätten die Analysten beispielsweise eine Rezession Italiens noch nicht berücksichtigt, die jetzt unvermeidbar erscheine. Deutschland schramme im bisherigen Szenario der Analysten der Hamburg Commercial Bank an einer Rezession vorbei, das dürfte sich jetzt auch kaum noch halten lassen.
Südkorea werde stärker getroffen sein als vermutet und selbst wenn sich die Lage in China stabilisieren sollte - die Entwicklung der neuen Infektionsfälle könne so gedeutet werden - werde das Land zusätzlich noch unter einer schwächelnden Weltkonjunktur leiden.
Die Notenbanken würden vermutlich unterschiedlich reagieren. Dass die FED den Leitzins schon bei der nächsten Sitzung am 18. März zurücknehmen werde, sei nach Erachten der Analysten der Hamburg Commercial Bank fast schon ein "done deal". Möglich sei auch eine Sondersitzung, um nicht so lange mit einer Reaktion warten zu müssen. Die Erfahrung zeige auf jeden Fall, dass die FED auf Marktturbulenzen sehr sensibel reagiere, stärker als auf schlechte Konjunkturnachrichten.
Bei der EZB sehe es etwas schwieriger aus. Natürlich sei noch eine Senkung des Einlagenzinses von -0,5 auf -0,6% möglich. Abgesehen davon, dass unklar sei, ob negative Zinsen überhaupt einen positiven Effekt hätten, mache ein Schritt um 0,1 Prozentpunkte keinen großen Unterschied. Die Analysten der Hamburg Commercial Bank würden auch nicht davon ausgehen, dass die Notenbank die Anleiheankäufe aufstocken werde. Man müsse bedenken, dass die derzeitige Konjunkturbedrohung von der Angebotsseite komme. Der EZB werde es nicht gelingen, durch eine lockere Geldpolitik unterbrochene Lieferketten zu schließen. Letztlich müsse der Staat den betroffenen Unternehmen und Menschen durch das Aussetzen von Steuerzahlungen, Verlängerung und möglicherweise auch Aufstockung von Kurzarbeitergeld und andere Überbrückungshilfen helfen, um eine Abwärtsspirale und unnötige Liquiditätsprobleme zu vermeiden.
Zum jetzigen Zeitpunkt sei vollkommen unklar, wie die Regierungen reagieren würden, auch das erhöhe die Unsicherheit. Vermutlich werde es noch einige Wochen dauern, bis die Staaten mit entsprechenden Plänen aufwarten würden, mit denen gegebenenfalls eine gesundheitliche und wirtschaftliche Katastrophe abgewendet werden könne. Spätestens dann sollte auch der Boden bei den Renditen erreicht werden. (Ausgabe vom 27.02.2020) (28.02.2020/alc/a/a)
Mittlerweile sei der Deutsche Aktienindex angesichts des global verbreitenden neuen Coronavirus um rund 10% gegenüber der Vorwoche eingebrochen. Die anderen internationalen Indices würden sich in einer ähnlichen Größenordnung bewegen. Entsprechend habe in ganz klassischer Weise eine massive Flucht in Qualität eingesetzt, sichtbar in einem Rückgang der zehnjährigen Bundrenditen auf -56 BP und der entsprechenden T-Notes auf ein Rekordtief von 1,25%, während der Goldpreis in den vergangenen Tagen gestiegen sei.
Ganz offensichtlich würden die Investoren von Angst erfasst, die sich nicht nur auf eine allgemeine Furcht vor einem Konjunktureinbruch beziehe. Vielmehr würden die Anleger die Auswirkungen unmittelbar im eigenen Umfeld merken. Privat und geschäftlich würden sich viele Menschen Gedanken machen, ob die geplante Reise - sei es innerhalb Deutschlands oder in das Ausland - tatsächlich angetreten werden müsse. In Drogeriemärkten werde man Zeuge von Menschen, die massenweise Desinfektionsmittel und Gesichtsmasken einkaufen würden. Mit diesen persönlichen Erfahrungen würden auch Meldungen über die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, mit denen die meisten Branchen in den nächsten Monaten vermutlich zu kämpfen hätten, eher als glaubwürdig angesehen.
Beachten sollte man dabei Folgendes: Wie stark die Konjunktur tatsächlich beeinträchtigt werde, hänge in einem hohen Maße davon ab, wie die Regierungen reagieren würden. Komme es zu großräumigen Quarantänemaßnahmen, Grenzschließungen, der Aussetzung des Schengenabkommens usw., dann werde es zu massiven Unterbrechungen von Wertschöpfungsketten kommen, die über das hinausgehen würden, womit man angesichts der Produktionsprobleme in China ohnehin rechnen müsse. Würden die Regierungen hingegen auf derartige Maßnahmen verzichten und sich stattdessen darauf konzentrieren, das Gesundheitssystem für die mögliche Epidemie vorzubereiten und Massenveranstaltungen zu verbieten, dürfte das Produzierende Gewerbe mit deutlich weniger Angebotsproblemen zu rechnen haben.
Die neue Entwicklung an der Coronavirus-Front bedeute, dass es in den nächsten Tagen und Wochen zu neuen Herabstufungen bei den Wachstumsprognosen kommen könnte. Auch wir werden hier aktiv warden, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank. In der Eurozone hätten die Analysten beispielsweise eine Rezession Italiens noch nicht berücksichtigt, die jetzt unvermeidbar erscheine. Deutschland schramme im bisherigen Szenario der Analysten der Hamburg Commercial Bank an einer Rezession vorbei, das dürfte sich jetzt auch kaum noch halten lassen.
Südkorea werde stärker getroffen sein als vermutet und selbst wenn sich die Lage in China stabilisieren sollte - die Entwicklung der neuen Infektionsfälle könne so gedeutet werden - werde das Land zusätzlich noch unter einer schwächelnden Weltkonjunktur leiden.
Die Notenbanken würden vermutlich unterschiedlich reagieren. Dass die FED den Leitzins schon bei der nächsten Sitzung am 18. März zurücknehmen werde, sei nach Erachten der Analysten der Hamburg Commercial Bank fast schon ein "done deal". Möglich sei auch eine Sondersitzung, um nicht so lange mit einer Reaktion warten zu müssen. Die Erfahrung zeige auf jeden Fall, dass die FED auf Marktturbulenzen sehr sensibel reagiere, stärker als auf schlechte Konjunkturnachrichten.
Bei der EZB sehe es etwas schwieriger aus. Natürlich sei noch eine Senkung des Einlagenzinses von -0,5 auf -0,6% möglich. Abgesehen davon, dass unklar sei, ob negative Zinsen überhaupt einen positiven Effekt hätten, mache ein Schritt um 0,1 Prozentpunkte keinen großen Unterschied. Die Analysten der Hamburg Commercial Bank würden auch nicht davon ausgehen, dass die Notenbank die Anleiheankäufe aufstocken werde. Man müsse bedenken, dass die derzeitige Konjunkturbedrohung von der Angebotsseite komme. Der EZB werde es nicht gelingen, durch eine lockere Geldpolitik unterbrochene Lieferketten zu schließen. Letztlich müsse der Staat den betroffenen Unternehmen und Menschen durch das Aussetzen von Steuerzahlungen, Verlängerung und möglicherweise auch Aufstockung von Kurzarbeitergeld und andere Überbrückungshilfen helfen, um eine Abwärtsspirale und unnötige Liquiditätsprobleme zu vermeiden.
Zum jetzigen Zeitpunkt sei vollkommen unklar, wie die Regierungen reagieren würden, auch das erhöhe die Unsicherheit. Vermutlich werde es noch einige Wochen dauern, bis die Staaten mit entsprechenden Plänen aufwarten würden, mit denen gegebenenfalls eine gesundheitliche und wirtschaftliche Katastrophe abgewendet werden könne. Spätestens dann sollte auch der Boden bei den Renditen erreicht werden. (Ausgabe vom 27.02.2020) (28.02.2020/alc/a/a)


