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Rentenmärkte: Leichter Renditeanstieg wieder umgekehrt


14.02.20 10:30
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Der leichte Renditeanstieg, der vor allem in den USA in den letzten Tagen zu beobachten war, hat sich am 13.02. wieder umgekehrt, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.

Ursache sei ein sprunghafter Anstieg der Coronavirus-Fallzahlen in Hubei gewesen, wodurch die Gesamtzahl der bestätigten Fälle auf über 60.000 gestiegen sei. Tatsächlich habe sich die veröffentlichte Zahl der neuen Fälle in Hubei von einem Tag auf den anderen mehr als verzehnfacht.

Offensichtlich seien bislang nur solche Coronavirus-Fälle als bestätigt angesehen worden, die mit einem Testkit getestet worden seien. Hier gebe es aber eine Knappheit. Jetzt sei es erlaubt, auch klinische Diagnosen heranzuziehen. Damit sei aber vollkommen unklar, ob der Trend der sinkenden Fallraten, der in den letzten Tagen zu beobachten gewesen sei und an den Märkten zuletzt für Erleichterung gesorgt habe, überhaupt einen Trend darstelle. Man stochere eigentlich vollkommen im Dunkeln, was die Entwicklung der Krankheit in China angehe.

Nicht verständlich sei außerdem, dass sich die Zahl der neuen Todesfälle in Hubei mehr als verdoppelt habe. Zudem werde berichtet, dass viele Todesfälle aus der Vergangenheit nicht dem Coronavirus zugeordnet worden seien, weil der Patient häufig bereits gestorben sei, bevor ein Test an ihm habe durchgeführt werden können.

Die Reaktion an den Märkten sei von der Richtung her erwartungsgemäß, vom Ausmaß her noch relativ bescheiden. In Shanghai sei der Index 0,6% im Minus, der S&P 500 0,3% im Minus, die Zehnjährigen Renditen der Bunds bei -0,38% und die der T-Notes bei 1,58%. Ölpreise seien auch runter und die OPEC habe gerade ihre Prognose für das Nachfragewachstum aufgrund des Coronavirus kräftig nach unten revidiert. Bei den Spreads der europäischen Peripherieländer habe die Nachricht über die neuen Coronavirus-Zahlen keine Spuren hinterlassen. Griechenlands zehnjährige Anleihen würden jetzt mit einem Spread von 133 BP gegenüber den entsprechenden Bunds, etwas niedriger als gestern rentieren. Die absolute Rendite sei unter 1% gefallen.

Vor dem Hintergrund der Unklarheit über die tatsächliche Lage in China sei die neue Wachstumsprognose der Analysten für das laufende Jahr für China (+5,4% (vorher (5,8%)), Deutschland (+0,4% (0,6%)) und die Weltwirtschaft (+2,9% (3,0%)) eher mit Abwärtsrisiken versehen.

In Vietnam habe man derweil eine Ortschaft, die 40 km von Hanoi entfernt sei, für 14 Tage unter Quarantäne gestellt. Es sei die erste Ortschaft außerhalb von China, wo das geschehe. In Hongkong lasse man die Schulen bis zum 16. März geschlossen, also etwa einen Monat länger als gedacht.

Die Auswirkungen in Europa würden unter anderem die Messeanbieter merken. So sei die weltgrößte Mobilfunkmesse Mobile World Congress in Barcelona wegen des Coronavirus abgesagt worden. Insgesamt würden die Messeanbieter deutlich niedrigere Besucherzahlen fürchten.

An der politischen Front seien die Vorwahlen in New Hampshire zu nennen. Der politisch links einzuordnende Kandidat Bernie Sanders habe mit relativ knapper Mehrheit in New Hampshire gewonnen. Interessanter vielleicht noch, dass Amy Klobuchar überraschend den dritten Platz errungen habe und bei den Demokraten vielleicht diejenige sei, die am ehesten die Demokraten wieder einigen könne und für größere Bevölkerungskreise auch wählbar sei. Die nächsten Vorwahlen seien am 22.02. in Nevada.

Derweil habe sich Präsident Trump in das Strafverfahren gegen seinen Berater Roger Stone eingemischt und möglicherweise einen niedrigeren Haftstrafantrag der Staatsanwaltschaft durchgesetzt. Die Demokraten hätten davor gewarnt, dass die Gewaltenteilung aufgehoben werde. An den Märkten spiele diese Angelegenheit derzeit kaum eine Rolle.

In Deutschland gehe es um die Nachfolge von Annegret Kramp-Karrenbauer als CDU-Vorsitzende und Kanzlerkandidatin. Da die Koalition erst mal nicht infrage gestellt werde, seien die Preiswirkungen an den Rentenmärkten nicht zu identifizieren. Man beabsichtige wohl vor der Sommerpause einen Nachfolger für Kramp-Karrenbauer zu wählen, wobei bislang Friedrich März und Gesundheitsminister Jens Spahn ihren Hut in den Ring geworfen hätten. Unklar sei, ob Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet ebenfalls kandidieren werde.

Konjunkturell seien am 12.02. die wie erwartet äußerst schwachen Industrieproduktionszahlen für die Eurozone rausgekommen. Sie würden bestätigen, dass sich die Rezession in diesem Sektor vertieft habe. Gegenüber dem Vorquartal sei die Industrieproduktion um 1,4% zurückgegangen, im Vorquartal seien es noch -0,8% gewesen. Daher könnte auch das BIP in Q4 in der Eurozone (14.02.) sogar schwächer ausgefallen sein, als dies vorab von Eurostat geschätzt worden sei (bisher: +0,1% QoQ).

Die Inflation sei dagegen im Januar gestiegen, vor allem aufgrund eines stärkeren Preisauftriebs in Deutschland (HVPI: +1,6% YoY) und Spanien (+1,1% YoY).

Inflationszahlen kämen heute noch aus den USA, ohne dass man von dieser Seite große Impulse für die Märkte erwarte, da die FED ihr Hauptaugenmerk auf die Abwärtsrisiken im Zusammenhang mit dem Coronavirus legen dürfte. Das habe FED-Chef Powell bei seiner halbjährlich stattfindenden Rede vor dem Kongress bestätigt. Insofern würden die Analysten auch nur begrenztes Gewicht auf die US-Zahlen zur Industrieproduktion, Einzelhandel und Verbrauchervertrauen (alle am 14.02.) legen, da sie den Januar betreffen würden und kaum coronabezogene Probleme bei Wertschöpfungsketten widerspiegeln dürften. Dennoch sei es gut möglich, dass viele Marktteilnehmer gute Zahlen als Bestätigung der Resilienz der USA gegenüber exogenen Schocks interpretieren würden.

Wichtiger dürften die PMI-Indikatoren für die Eurozone (21.02.) und das GfK-Konsumentenvertrauen (20.02.) für Deutschland sein, da in diesen Umfragen das Coronavirus bereits berücksichtigt sein dürfte. Aus den PMI-Indikatoren werde man schließen können, ob und wie stark der ifo-Index gesunken sein könnte (24.02.). (Ausgabe vom 13.02.2020) (14.02.2020/alc/a/a)