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Rentenmärkte: Kurse deutlich unter Druck


07.06.13 13:07
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Ticker sind en vogue, so die Analysten der Weberbank.

Eine Google-Suche unter dem Stichwort "Ticker" erbringe derzeit ca. 93.000.000 Ergebnisse: Den Fußballticker, den Wahlticker oder etwa den aktuellen Hochwasserticker. In der heutigen schnellen Zeit der mobilen Informationsgeräte vom Handy bis zum Tablet-PC bleibe wenig Zeit, sich mit einzelnen Nachrichten lange aufzuhalten. Da komme ein Ticker gerade recht. Wie könnte wohl ein solcher Ticker für das weltweite Wirtschaftsgeschehen in den letzten Wochen ausgesehen haben?

Japanischer Aktienmarkt seit November 2012 über 80% im Plus; Inflationsrate USA fällt auf nur noch 1,1% p.a.; Hausverkäufe USA +2,3% statt erwartet +1,9%; ifo-Geschäftsklimaindex 105,7 statt erwartet 104,40; Auftragseingänge langlebiger Wirtschaftsgüter in den USA erfreulich mit +3,3% statt erwartet 1,5%, Vormonat aber auf -5,9% revidiert; S&P Case Shiller Hauspreisindex USA 148,65 nach 146,62 im Vormonat; Konsumentenvertrauen USA 76,2 statt erwarteten 71,2; Konsumentenvertrauen in der Eurozone -21,9; Chicago-Einkaufsmanagerindex überrascht sehr positiv; Einkaufsmanagerindex USA fällt unter wichtige 50er Marke und signalisiert Rezessionsgefahr; Arbeitslosigkeit in der Eurozone 12,2%; IWF korrigiert Wachstumsprognose für Frankreich nach unten; Japans Notenbank bekräftigt massives Stützungsprogramm; HSBC-Einkaufsmanagerindices für China enttäuschen; Aktienmarkt in Japan bricht über 10% ein; IWF senkt auch Wachstumsprognose für Deutschland; Rede des japanischen Ministerpräsidenten Abe enttäuscht die Anleger; Japanischer Aktienmarkt fällt weiter.

Alles klar? Die wenigsten würden hier spontan mit "Ja" antworten. Denn die heutige Informationsflut bringe das Problem mit sich, dass man die eigentliche Information im allgemeinen Informationsrauschen kaum noch erkennen könne bzw. sich viele auch nicht mehr die Zeit dafür würden nehmen wollen. Die Analysten würden es aber für sehr wichtig halten, sich die Zeit zu nehmen, das große Ganze zu erkennen. Wenn man sich die Zeit nehme, könne man nun Schlussfolgerungen aus der obigen Datenflut lesen:

Die volkswirtschaftliche Entwicklung in den USA gestalte sich nach Erachten der Analysten insgesamt deutlich besser als in Europa. Zwar seien auch die USA weit von einem Wirtschaftsboom entfernt, aber die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt und die Erholung der Immobilienwirtschaft würden sich recht erfreulich gestalten. Europas Wirtschaft stecke dagegen nach wie vor in der Krise. Nur Deutschland steche immer wieder positiv hervor. Die übrigen EU-Länder hätten hingegen immer noch zu kämpfen. Insbesondere von Frankreich erwarte man mehr Reformwillen.

Die japanische Volkswirtschaft werde weiter durch einen nie dagewesenen Eingriff der dortigen Notenbank künstlich stimuliert. Insbesondere durch die einhergegangene JPY-Abwertung (gegenüber dem USD in Höhe von ca. 30%) würden japanische Exportunternehmen sehr stark unterstützt, was zu einem sehr starken Anstieg der Gewinne in den kommenden Quartalen führen sollte. Die Schwellenländer würden nach wie vor keine besonders dynamische Wirtschaftserholung zeigen. Dementsprechend sehe man den amerikanischen und den japanischen Aktienmarkt sehr positiv, wenngleich der Nikkei-Index nach seinem sehr schnellen Anstieg auch Raum für eine zwischenzeitliche stärkere Konsolidierung haben sollte.

Gleiches gelte im Übrigen auch für den JPY. Die Liquidität der Notenbank spreche allerdings vorerst gegen eine endgültige Kehrtwende in beiden Märkten. Europas Aktienmärkte würden vorerst schwierig bleiben, wobei die deutschen Unternehmen im Auge behalten werden sollten, da sie sich vor dem Hintergrund der europäischen Krise noch erstaunlich positiv entwickeln würden. Die Aktienbörsen in den Schwellenländern würden sich weiter in der Konsolidierung befinden. Insbesondere den lateinamerikanischen und osteuropäischen Markt sehe man problematisch. Die asiatischen Börsen sollten sich hier besser entwickeln.

Die Kurse an den Rentenmärkten hätten zuletzt ebenfalls deutlich unter Druck gestanden. US-Staatsanleihen hätten unter der aufkeimenden Diskussion um eine Reduzierung der stützenden Liquiditätsprogramme der US-Notenbank FED, genannt "Tapering", gelitten. Mit ihnen hätten diesmal auch deutsche Staatsanleihen unter Abgabedruck gestanden. Auch die Kurse der so genannten Renten-Satelliten - also z.B. Schwellenländer-, Hochkupon- und Unternehmensanleihen -, die häufig andere Kursverlaufsmuster zeigen würden, hätten hier leider nicht entgegenwirken können. Im Angesicht der deflationären Tendenzen in den USA falle es allerdings schwer, an eine zeitnahe drastische Reduzierung der Liquiditätsprogramme zu glauben und mithin, die Kursabschwünge fortzuschreiben. Eine ruhige Hand dürfte hier gefragt sein. (07.06.2013/alc/a/a)